„Unsere Bosse steuern blind auf die Katastrophe zu“: Französische Gaming-Gewerkschaft STJV ruft zu landesweitem Streik am 25. Juni
Die französische Gewerkschaft STJV hat für den 25. Juni zu einem nationalen Streik in der Spieleindustrie aufgerufen, als Reaktion auf die anhaltende Welle von Massenentlassungen.
Streiktag gegen die Krise
Am 25. Juni legen französische Spieleentwickler die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft STJV (Syndicat des Travailleureuses du Jeu Vidéo) hat zu einem nationalen Streiktag aufgerufen.
Im Zentrum der Aktion steht der Protest gegen die ungebremsten Entlassungen, die seit Monaten durch die Branche fegen. Die Gewerkschaft spricht von einer vermeidbaren Katastrophe.
Das Zitat, das sitzt
„This crisis was avoidable, but our bosses chose to drive blindly towards disaster“, so lautet die deutsche Übersetzung: „Diese Krise war vermeidbar, aber unsere Bosse haben sich entschieden, blindlings auf die Katastrophe zuzusteuern.“
Das Statement der STJV macht klar, dass es nicht um einzelne Studios geht, sondern um systemische Fehlentscheidungen in der Führungsetage der gesamten Industrie.
Die Forderungen
Die streikenden Arbeiter verlangen weit mehr als nur einen Stopp der Entlassungen. Die STJV fordert:
- tiefgreifende organisatorische Veränderungen in den Unternehmen
- ein Ende der kurzfristigen Profitlogik, die immer wieder zu Massenentlassungen führt
- mehr Mitspracherecht für Belegschaften bei strategischen Entscheidungen
Damit richtet sich der Streik nicht nur gegen aktuelle Stellenstreichungen, sondern gegen die gesamte Management-Kultur der Branche.
Die betroffenen Studios
Frankreichs größter Entwickler Ubisoft beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter weltweit, die Standorte in Paris, Montpellier und Lyon stellen einen erheblichen Teil. 2023 veröffentlichte das Studio Assassin’s Creed Mirage und The Crew Motorfest, strich aber gleichzeitig über 700 Stellen in den USA und Kanada. In Frankreich folgten Wellen aus befristeten Kündigungen und nicht verlängerten Verträgen.
Quantic Dream (Detroit: Become Human, Heavy Rain) und Dontnod Entertainment (Life is Strange, Vampyr) sind kleinere, aber international bekannte Studios. Quantic Dream wurde 2022 vom chinesischen Publisher NetEase übernommen, Dontnod arbeitet an mehreren narrativen Titeln gleichzeitig. Beide haben in den letzten Jahren Personal abgebaut, wenn auch weniger öffentlichkeitswirksam als Ubisoft.
Die Entlassungswelle in Zahlen
Die globale Spieleindustrie strich 2023 über 10.000 Stellen, so eine Erhebung des Game Developers Conference. 2024 setzt sich der Trend fort: Allein im ersten Quartal kündigten Unity, Riot Games und Microsoft (nach der Activision-Übernahme) massive Kürzungen an.
Laut STJV verloren seit Januar 2023 über 1.200 Beschäftigte in französischen Studios ihren Job. Am stärksten betroffen: Ubisoft Paris mit mehreren hundert Abgängen, Nacon (GreedFall, rund 60 Stellen) und Spiders (The Technomancer). Die Gewerkschaft argumentiert, viele Entlassungen seien nicht durch wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern durch kurzfristige Renditeerwartungen der Mutterkonzerne getrieben.
Die STJV, eine Gewerkschaft mit Geschichte
Die STJV wurde 2005 gegründet und vertritt rund 1.000 Mitglieder in der französischen Spielebranche. Sie ist eine der wenigen spezialisierten Gewerkschaften für Spieleentwickler weltweit. 2019 organisierte sie einen ersten größeren Streik bei Ubisoft in Paris, der zu verbesserten Arbeitsbedingungen und einer Lohnerhöhung führte.
Seit 2022 beobachtet die STJV eine Häufung von Massenentlassungen und warnt vor den Folgen für die Qualität der Spiele. Ihr aktueller Aufruf zum nationalen Streiktag ist der erste seiner Art, ein Zeichen, dass die Branche an einem Wendepunkt steht.
Was das bedeutet
Frankreichs Spieleindustrie, mit Studios wie Ubisoft, Quantic Dream oder Dontnod, steht vor einem der größten Arbeitskämpfe ihrer Geschichte. Der 25. Juni soll ein sichtbares Zeichen setzen, dass die Belegschaften nicht länger hinnehmen, was sie als strukturelles Versagen der Führungskräfte betrachten.
Ob der Aktionstag zu konkreten Änderungen führt, bleibt abzuwarten. Die Forderung nach „major organisational changes“ ist jedoch unmissverständlich.