Mega-Merger: Grünes Licht aus Washington
Das US-Justizministerium hat dem Kauf von Warner Bros. Discovery durch Paramount und Skydance zugestimmt. Damit entsteht einer der größten Medienkonzerne der Welt mit enormen Auswirkungen auf die Spielebranche.
Der Zusammenschluss kombiniert Paramounts Film- und TV-Archiv (Star Trek, Transformers, Top Gun) mit Warner Bros. Discoverys massiver IP-Bibliothek. Die Bewertung des Deals liegt Insidern zufolge zwischen 12 und 15 Milliarden Dollar, ein Bruchteil der 69 Milliarden, die Microsoft für Activision Blizzard zahlte. Dennoch katapultiert der Merger Paramount/Skydance von einem reinen Filmstudio zu einem vertikalen Unterhaltungskonzern mit eigener Spielesparte.
Warner Bros. Games unter neuem Dach
Zu Warner Bros. Discovery gehören Warner Bros. Games mit Studios wie NetherRealm (Mortal Kombat), Rocksteady (Batman Arkham) und WB Games Montréal. Auch der Überraschungshit Hogwarts Legacy stammt aus diesem Hause. Was passiert mit diesen Teams?
Bislang gibt es keine offiziellen Pläne zur Umstrukturierung der Spieleabteilung. Paramount besitzt selbst kein nennenswertes Spiele-Studio, die Übernahme könnte neue Synergien schaffen. Skydance ist vor allem als Filmproduzent bekannt (Top Gun: Maverick, Mission: Impossible) und hat 2021 ein Spiele-Studio gegründet (Skydance New Media, unter Amy Hennig).
NetherRealm wurde 2010 aus den Überresten von Midway Games gegründet. Chef Ed Boon entwickelte zuvor die ersten Mortal Kombat-Arcade-Automaten. Das Studio liefert seit 25 Jahren Kampfspiele ab, von Mortal Kombat 11 (2019, 15 Millionen verkaufte Einheiten) bis zum aktuellen Mortal Kombat 1 (2023, über 3 Millionen in zwei Monaten). Rocksteady, 2004 von drei Entwicklern gestartet, definierte mit Batman: Arkham Asylum (2009) das Superhelden-Genre neu. Der Nachfolger Arkham Knight (2015) verkaufte sich 6 Millionen Mal. Seitdem kämpft das Studio mit wechselnden Konzepten: Suicide Squad: Kill the Justice League (2024) verfehlte die Erwartungen deutlich und brachte interne Umstrukturierungen. Avalanche Software, das Team hinter Hogwarts Legacy, hat das Harry-Potter-RPG in drei Jahren entwickelt, mit einem Budget von rund 150 Millionen Dollar und einem Verkaufsergebnis von über 24 Millionen Exemplaren bis Januar 2024.
Welche Franchises sind betroffen?
Die IP-Bibliothek von Warner Bros. Discovery ist riesig. Neben DC-Comics und Harry Potter liegen auch Mortal Kombat, Game of Thrones und diverse Cartoon Network-Marken bei dem Konzern.
- Mortal Kombat 1 erschien 2023 und erhielt kürzlich ein großes Update, die Zukunft der Reihe ist nun offen
- Ein geplantes Harry Potter-Spiel (neben Hogwarts Legacy) könnte durch den Merger beschleunigt oder gestoppt werden
- Batman-Spiele: Nach Suicide Squad: Kill the Justice League steht Rocksteady vor einem Neuanfang
Die DC-Lizenz ist besonders wertvoll. NetherRealm brachte zwischen 2013 und 2017 zwei Injustice-Titel heraus, die 10 Millionen Einheiten kombiniert verkauften. Ein dritter Teil ist nicht angekündigt, aber möglich. Game of Thrones hatte 2012 ein Rollenspiel von Cyanide, das jedoch durchfiel. HBO-Serien-Adaptionen wie The Last of Us (Sony/Naughty Dog) zeigen, wie gut erzählte Spiele zu erfolgreichen Serien werden können, eine Synergie, die Paramount mit seinen TV-Kanälen ausspielen könnte. Hinzu kommen Marken wie LEGO (TT Games, ebenfalls unter WBD), die mit LEGO Star Wars: The Skywalker Saga (2022) 5 Millionen Einheiten verkauften. Die Frage ist, ob Paramount/Skydance diese Studios als Cash-Cows weiterführt oder in neue Richtungen lenkt.
Ein neuer Player auf dem Spielemarkt
Paramount und Skydance haben mit dem Zusammenschluss plötzlich ein gewaltiges Spiele-Portfolio. Die Frage ist, ob sie die kreative Freiheit der Studios bewahren oder auf Blockbuster-Massenware setzen.
Amy Hennigs Team bei Skydance New Media arbeitet an einem Marvel 1943: Rise of Hydra, eine Zusammenarbeit mit WBD-IPs wäre denkbar. Der Deal muss noch von Aktionären und anderen Behörden abgesegnet werden, die finale Bestätigung steht aus.
Skydance New Media wurde 2021 von Amy Hennig (ehemals Creative Director bei Naughty Dog, verantwortlich für Uncharted 2 und Uncharted 4) und Julian Beak (ehemals BioWare) gegründet. Das Team zählt erfahrene Leute von Sony Santa Monica, DICE und Rockstar. Neben dem Marvel-Titel (Rise of Hydra, angekündigt für 2025) arbeitet das Studio an einem Star Wars-Spiel, das noch nicht offiziell enthüllt wurde. Paramount selbst brachte 2007 mit The Simpsons Game einen lizenzierten Hit, verlor danach aber den Anschluss. Der Merger könnte auch bedeuten, dass künftige Filme von Paramount (z.B. Transformers, Mission: Impossible) von WBD-Spielestudios begleitet werden. Konsolidierung ist ein Trend: Sony kaufte Bungie (3,6 Milliarden), Microsoft übernahm Activision. Hier entsteht ein neuer Konzern, der nicht auf Spieleentwicklung als Kerngeschäft ausgerichtet ist, ein Risiko für die kreative Autonomie der Studios.
Noch nicht in trockenen Tüchern
Obwohl die US-Regierung zugestimmt hat, müssen noch die Aktionäre beider Firmen grünes Licht geben. Bis dahin heißt es für Warner-Fans: Abwarten und Tee trinken, oder lieber noch eine Runde Mortal Kombat.
Aktionäre von Paramount treffen sich zur Abstimmung voraussichtlich im November 2025. WBD-Aktionäre müssen ebenfalls zustimmen, der Kurs beider Aktien fiel nach der Ankündigung leicht, da Investoren die Schuldenlast von WBD (rund 40 Milliarden Dollar nach der Discovery-Fusion 2022) fürchten. Sollte der Deal scheitern, wäre WBD gezwungen, seine Spielestudios einzeln zu verkaufen, Hogwarts Legacy allein brachte Avalanche einen Wert von über einer Milliarde ein.