Physische Spiele in den USA legen überraschend zu
Der US-Markt für neue physische Spiele ist im laufenden Jahr 2026 gewachsen. Die Ausgaben liegen nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Circana rund 5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das ist bemerkenswert, weil der Handel mit Datenträgern seit Jahren als schrumpfendes Geschäft gilt. Als wichtigster Grund für das Plus werden Game-Key Cards genannt. Diese Einordnung stammt aus der Auswertung der Circana-Zahlen und ist keine offiziell bestätigte Ursache für einen einzelnen Titel.
Game-Key Cards mit 631 Prozent Plus
- Die Ausgaben für Game-Key Cards sind um 631 Prozent gestiegen.
- Dieser Zuwachs gleicht den Rückgang bei der übrigen physischen Software mehr als aus.
- Ohne die Game-Key Cards hätte das Segment der neuen physischen Spiele in den USA ein Minus verzeichnet.
- Die Zahlen beziehen sich auf neue physische Spiele im bisherigen Jahr 2026.
- Ein konkretes Einzelspiel, ein Entwickler oder ein Publisher werden in der Auswertung nicht benannt.
Was eine Game-Key Card eigentlich ist
Eine Game-Key Card ist eine Verpackung mit einem Code oder einem Datenträger, der beim Einlegen den Download des Spiels auslöst. Auf der Karte selbst liegt kein vollständiges Spiel: Wer sie kauft, lädt die Daten aus dem Netz. Im Regal sieht das aus wie ein klassisches physisches Produkt, technisch ist es aber eine digitale Lizenz mit Papphülle. Genau dieser Unterschied sorgt seit Jahren für Diskussionen unter Sammlern. Ein Preis in Euro wird in den Zahlen nicht genannt, die Erhebung bezieht sich auf den US-Markt.
Die Auswertung nennt Nintendo-Plattformen und die Nintendo Switch 2 als Treiber der Entwicklung. Das passt zum Marktbild, denn Nintendo verkauft seit jeher einen großen Teil seiner Software in Boxen. Bei der Switch 2 dient die Verpackung in vielen Fällen nur noch als Träger für einen Schlüssel zum Download. Der Anstieg bei Game-Key Cards fällt zeitlich mit dem ersten vollen Verkaufsjahr der neuen Konsole zusammen. Ob beide Entwicklungen ursächlich zusammenhängen, lässt sich aus dem Bericht heraus nicht belegen.
Der Haken an der Einordnung
- Dass Game-Key Cards der Grund für das Plus sind, ist eine Einordnung auf Basis der Circana-Zahlen.
- Eine offizielle Bestätigung zu einem einzelnen Spiel gibt es dafür nicht.
- Es werden keine Plattformen eines konkreten Titels genannt, nur Nintendo-Plattformen allgemein.
- Eine Reihe, ein Vorgänger oder ein Genre tauchen in der Meldung nicht auf.
- Ein Release- oder Update-Datum eines Spiels ist ebenfalls nicht Teil der Zahlen.
Warum Sammler und Retro-Fans betroffen sind
Wer in den Neunzigern Kartuschen mit gedrucktem Handbuch ins Regal gestellt hat, verbindet mit einer Box etwas anderes als einen Download-Code. Bei einer Game-Key Card bleibt die Verpackung ohne Internet und ohne den jeweiligen Store nutzlos. Das erklärt, warum die Forderung nach klarer Kennzeichnung seit Jahren nicht verstummt. Die Circana-Zahlen zeigen dabei ein Paradox: Ausgerechnet das Format, das physische Käufer am häufigsten ablehnen, sorgt derzeit für Wachstum in genau diesem Segment.
Digitale Erlöse und der Blick auf die Gesamtbilanz
Die 5 Prozent Wachstum beziehen sich ausschließlich auf neue physische Spiele, nicht auf den gesamten Spielemarkt in den USA. Ein Anstieg in dieser Nische sagt deshalb nichts darüber aus, wie sich digitale Käufe im selben Zeitraum entwickelt haben. Der Rückgang bei sonstiger physischer Software zeigt zugleich, dass der Datenträger ohne Download-Anteil weiter an Boden verliert. Für den Handel ist eine Game-Key Card attraktiv, weil sie Regalfläche belegt und gleichzeitig Lagerkosten senkt. Für Käufer verschiebt sie das Eigentum an einem Spiel in Richtung Account und Store.
- Das Wachstum von 5 Prozent steht und fällt mit den Game-Key Cards.
- Der Zuwachs von 631 Prozent in diesem einen Bereich trägt die gesamte Bilanz.
- Ohne diesen Posten bliebe vom Plus nichts übrig.
- Wie viele Exemplare dahinterstehen, geht aus den genannten Zahlen nicht hervor.
Was von den Zahlen bleibt
Ein Plus von 5 Prozent bei physischen Spielen in den USA wäre vor einigen Jahren noch normal gewesen, heute liest es sich wie eine Ausnahme. Dass ausgerechnet Game-Key Cards mit plus 631 Prozent dieses Ergebnis tragen, macht die Sache kurios. Wer auf Datenträger mit vollständigem Inhalt setzt, findet in diesen Zahlen kaum Argumente für eine Erholung. Die Box im Regal bleibt sichtbar, ihr Inhalt wandert jedoch weiter in den Download.