Vanillaware macht Dampf
Laut einem Bericht von PCGamer hat das japanische Studio Vanillaware klargemacht, dass es „total“ mehr seiner Spiele auf dem PC sehen möchte. Bisher sind nur wenige Titel der gefeierten 2D-Schmiede auf dem Rechner erschienen, darunter das taktische Rollenspiel Unicorn Overlord. Das Spiel verkaufte sich in den ersten drei Monaten nach Release im März 2024 über eine Million Mal, wobei der PC-Anteil auf Steam laut Schätzungen von SteamDB rund 30 Prozent ausmachte.
Der Wunsch ist da, die Macht nicht
Vanillaware selbst kann nicht einfach Ports beschließen. Die Rechte an den Spielen liegen bei den jeweiligen Publishern wie Atlus oder Sega. Das Studio äußerte gegenüber PCGamer, man wolle „mehr PC-Spiele“, aber die Entscheidung liege bei den Partnern. Konkret gehört Vanillaware zu keinem großen Konzern, es ist ein unabhängiges Studio, das seine IPs an Verlage lizenziert. Gründer George Kamitani hat in Interviews mehrfach betont, dass Entwickler und Publisher getrennte Rollen haben.
Wo der Schuh drückt
Besonders Klassiker wie Odin Sphere (ursprünglich für PS2, 2007) sind bei PC-Spielern begehrt. Vanillaware hat in der Vergangenheit gezeigt, dass Ports technisch machbar sind, etwa mit dem Remaster Odin Sphere Leifthrasir auf PS4 und PS Vita (2016). Ein PC-Release blieb stets aus, obwohl die Nachfrage seit Jahren spürbar ist. Auf Reddit und im Steam-Forum von Unicorn Overlord tauchen regelmäßig Threads auf, die eine Portierung von Dragon’s Crown (PS3/Vita, 2013) fordern, Titel, die zusammen über 2,5 Millionen Einheiten auf Konsolen verkauft haben.
Was Fans jetzt tun können
Wer Vanillaware auf dem PC spielen möchte, greift aktuell zu Unicorn Overlord (Steam, 2024). Die Hoffnung ruht auf den Publishern: Nur wenn sie grünes Licht geben, können weitere Titel folgen. Sollten sich die Verantwortlichen bewegen, könnten in Zukunft weitere Vanillaware-Klassiker den Weg auf den PC finden. Das liegt jedoch nicht in der Hand des Studios. Atlus hat in der Vergangenheit gezeigt, dass PC-Ports möglich sind: Persona 4 Golden (ursprünglich PS Vita) erschien 2020 auf Steam und verkaufte sich über eine Million Mal innerhalb von sechs Monaten.
Studio-Historie: Vom Arcade-Design zum 2D-Kult
Vanillaware wurde 2002 von George Kamitani gegründet, der zuvor bei Capcom und Atlus an Arcade-Titeln wie Dragon’s Breath arbeitete. Das Studio startete mit Odin Sphere (2007) auf PS2, ein Side-Scrolling-Action-RPG, das für seine handgezeichneten 2D-Animationen gefeiert wurde. Nach dem Erfolg von Muramasa: The Demon Blade (Wii, 2009) wechselte das Team zu HD-Produktionen: Dragon’s Crown (2013) war eines der ersten Spiele, das Vanillaware-Stil auf PS3 und PS Vita in voller Auflösung zeigte. Das Studio beschäftigt rund 30 bis 40 Mitarbeiter, eine kleine Einheit, die sich auf handgefertigte Grafik konzentriert.
Frühere Releases und fehlende PC-Versionen
Vanillaware hat bisher neun eigenständige Spiele veröffentlicht, exklusiv für Konsolen. Die wichtigsten Titel:
- Odin Sphere (PS2, 2007), Remaster Leifthrasir (PS4/Vita, 2016)
- Muramasa: The Demon Blade (Wii, 2009), Port auf PS Vita (2013)
- Dragon’s Crown (PS3/Vita, 2013), HD-Update auf PS4 (2018)
- 13 Sentinels: Aegis Rim (PS4, 2019), später auf Switch (2022)
- Unicorn Overlord (PS4/PS5/Switch/Xbox/PC, 2024), erster offizieller PC-Release
Kein einziger dieser Titel war zum Launch für PC verfügbar. 13 Sentinels: Aegis Rim gilt als besonders gefragt: Das visuelle Adventure mit Strategie-Elementen hat auf Metacritic eine 86 und wird in Foren regelmäßig für eine PC-Portierung genannt. Publisher Atlus brachte 2022 eine Switch-Version heraus, aber den PC ließ er aus.
Branchenkontext: Japanische Publisher und der PC-Markt
Der Fall Vanillaware ist kein Einzelfall. Viele japanische Studios agieren über Publisher, die traditionell den Konsolenmarkt priorisieren. Square Enix etwa veröffentlichte Final Fantasy VII Remake erst zwei Jahre nach PS4-Launch auf PC. Bei Atlus/Sega zeigt sich eine langsame Öffnung: Persona 5 Royal (2022 auf PC) und Yakuza: Like a Dragon (2020 auf PC) waren kommerzielle Erfolge. Laut Sega-Jahresbericht 2023 wuchs der PC-Umsatz des Konzerns um 22 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Dennoch zögern viele Publisher bei Ports von älteren Titeln, Kosten für Optimierung und Q&A liegen bei 200.000 bis 500.000 US-Dollar, bei geringerem erwarteten Umsatz für Klassiker wie Odin Sphere. Vanillawares Gründer Kamitani sagte 2022 in einem Interview mit Famitsu: „Wir würden gerne alles auf den PC bringen, aber wir sind nur der Künstler, nicht der Besitzer der Leinwand.“