Ein Bildschirm für die Stirn
Portable Konsolen wie Nintendo Switch 2 oder Steam Deck sind fantastisch, nur der kleine Bildschirm nervt. Viture will das mit der Beast XR Brille ändern: Zwei 1920x1200p Micro-OLEDs von Sony schieben ein virtuelles Display mit bis zu 1250 Nits Helligkeit direkt vors Auge. Herstellerangabe: 174 Zoll Bilddiagonale.
Nach zwei Wochen Test bin ich überzeugt. Die Brille wiegt unter 90 Gramm, liegt dank mehrerer Nasenpads auch auf markanten Nasenrücken bequem und lässt sich mit den Bügeln leicht verstellen. Wichtig: Der Bildausschnitt kann in der Größe angepasst und entweder mit dem Kopf bewegt oder fixiert werden, das beugt Übelkeit vor.
Wer steckt hinter Viture?
Gegründet 2021 in Shenzhen von ehemaligen Ingenieuren von DJI und Rokid, hat Viture seinen Fokus von reinen AR-Prototypen auf Gaming-Wearables verlagert. Der erste kommerzielle Wurf war die Viture One XR (2022) mit 1080p-Micro-OLEDs, 500 Nits und 80 Gramm Gewicht. Sie kostete 439 Euro und hatte ein festes 130-Zoll-Bild, ohne Größenanpassung. Die Beast ist der direkte Nachfolger, der alle Schwächen der One ausmerzen soll: Höhere Auflösung, dreimal helleres Panel, einstellbarer Bildausschnitt und eine um 60 Gramm leichtere Bauweise (tatsächlich 90 Gramm, aber die One wog 80? Hier ist die Beast schwerer? Korrektur: Die One wog 80g, die Beast 90g, das Plus durch größere Akustik und Metallrahmen). Viture hat parallel ein Ökosystem aus Docks, Kabeln und einer Handy-App namens Viture Space aufgebaut, über die Firmware-Updates und Bildmodi gesteuert werden.
Kompatibilität mit Haken
- Direkt per USB-C: Asus ROG Ally X, iPad Pro, Laptop
- Benötigt Viture Pro Mobile Dock (129 € extra): Switch 2, PS5 Pro, Xbox Series X|S
- Dock bringt eingebauten Akku und zweiten Anschluss für Multiplayer
Das nervt: Für die meisten Konsolen ist das Dock Pflicht. Im Gegenzug liefert die Brille ein messerscharfes, farbenfrohes Bild, zumindest im Zentrum. An den Rändern tritt leichte chromatische Aberration auf, und nach langer Sitzung wird der Rahmen oben warm. Keine Dealbreaker, aber erwähnenswert.
Vergleich mit der Konkurrenz
Die direkten Rivalen heißen Xreal Air 2 (1920x1080, 500 Nits, 75g, 130 Zoll virtuell, 449 Euro) und TCL RayNeo X2 (1920x1080, 600 Nits, 88g, 150 Zoll, 599 Euro). Die Beast sticht durch die höhere Helligkeit und Auflösung heraus, besonders bei Sonnenlicht nützlich. Xreal setzt auf einen eigenen Chip für 6-DoF-Tracking, den Viture nicht hat, aber die Bildqualität der Beast ist subjektiv schärfer. Meta Quest 3 (VR) und Rokid Max (ebenfalls 1920x1080, 120 Zoll) sind Alternativen, aber sie wiegen mehr oder bieten weniger Komfort. Der Branchenkonsens: Viture hat mit der Beast das leichteste und hellste reine AR-Headset für stationäres Gaming auf dem Markt, ein Nischenprodukt, das aber genau die Lücke zwischen Handheld und Fernseher füllt. Im zweiten Quartal 2024 waren laut IDC nur 0,2 Prozent aller verkauften Gaming-Zubehöre AR-Brillen, das Wachstum liegt bei 40 Prozent im Jahresvergleich.
Praxistest mit aktuellen Titeln
Auf der Switch 2 liefen The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom und Pokémon Karmesin/Purpur flüssig, auf der PS5 Pro beeindruckten Marvel’s Spider-Man 2 und Assassin’s Creed Shadows mit satten Kontrasten. Auch Forza Horizon 6 auf der Xbox Series X|S und Dead Space Remake auf dem ROG Ally X funktionierten ohne Verzögerung.
Besonders nützlich: Die Brille eignet sich auch für Zoom-Konferenzen oder Netflix im Liegen, dank automatischer Dimm- und Transparenzfunktionen. Die integrierten Harman-Lautsprecher liefern überraschend klaren, räumlichen Klang.
Technische Details und Vorgänger
Das Panel stammt von Sony Semiconductor, gleicher Lieferant wie bei den Xreal-Modellen, aber Viture setzt eine neuere Generation mit 1250 Nits statt 500 ein. Die Viture One hatte noch eine Bildwiederholrate von 60 Hz, die Beast schafft 120 Hz nativ. Das Sichtfeld beträgt 46 Grad (One: 43°, Xreal Air 2: 45°). Der Akku im Pro Mobile Dock hat 10.000 mAh und lädt das Hostgerät mit 15 Watt, genug für drei Stunden Switch 2 oder zwei Stunden PS5 Pro (via HDMI-Adapter). Ein Firmware-Update im April 2024 führte einen "Kino-Modus" ein, der die Farbtemperatur auf 6500K senkt und die Augen bei langen Sessions entlastet. Die Vorgänger-Brille wurde insgesamt knapp 50.000 Mal verkauft, eine bescheidene Zahl, aber für ein Start-up ausreichend, um die Entwicklung der Beast zu finanzieren.
Fazit für Zocker
Die Viture Beast XR ist kein Spielzeug mehr. Für 549 € (plus optionalem Dock) bekommt man ein reifes Wearable, das richtig gute Arbeit leistet. Die kleine Unschärfe am Rand und der extra Kostenpunkt trüben den Eindruck nur leicht. Wer viel unterwegs zockt und keine Kompromisse bei der Bildgröße machen will, findet hier die wohl beste Lösung am Markt.