Die Journalisten von Polygon.com haben sich eine echte Magenprüfung gegönnt und die 10 ekelhaftesten Speisen der Videospielgeschichte zusammengestellt. Von Fallout und seinen gerösteten Radroaches bis hin zu einem Auflauf, der aus den zermahlenen Überresten von Kultmitgliedern besteht: Die Liste zeigt, wie kreativ Spieleentwickler mit Ekel und Abscheu spielen. Die Auswahl reicht von postapokalyptischen Proteinquellen bis zu rituellen Kannibalismus-Gerichten, die in keinem Kochbuch auftauchen sollten.
Das Ganze ist keine reine Provokation. Diese virtuellen Mahlzeiten sind Werkzeuge des Worldbuildings. Sie erzählen von Überlebenskampf, zerfallenen Gesellschaften und moralischen Abgründen. Polygon hat die Liste offenbar mit einer ordentlichen Prise Humor und einer Prise Ekel zusammengestellt, und sie eignet sich hervorragend als Gesprächsthema für alle, die schon immer wissen wollten, wie schlimm virtuelles Essen wirklich sein kann.
Die widerlichsten Gerichte im Schnelldurchlauf
- Radroach-Braten aus Fallout: Eine riesige, mutierte Schabe, die über offenem Feuer geröstet wird. Der Geruch soll an verbranntes Gummi und Ammoniak erinnern.
- Kultisten-Kasserolle: Ein Auflauf aus „gehacktem Anhängerfleich“, die Zutaten stammen von Sektenmitgliedern, die der falschen Gottheit geopfert wurden.
- Schimmelbrot mit Ei aus diversen Survival-Spielen: Ein Schnellgericht für Spieler, die sich lieber nicht fragen, was da eigentlich krabbelt.
- Thrash-Suppe aus einem Abenteuerspiel, dessen Name verloren ging: Eine Brühe aus Abfall, Sägespänen und einem Hauch Öl.
- Glibber-Hotdog aus einem Horror-Titel: Eine Wurst, die noch zuckt, wenn man sie beißt.
Die Liste von Polygon enthält noch fünf weitere Köstlichkeiten, aber allein diese Beispiele zeigen, wie weit die Kreativität im Bereich des virtuellen Ekels reicht. Sie sind nicht nur schwer verdaulich, sondern auch clever in die Spielwelt integriert.
Warum wir uns das antun
Diese Gerichte sind keine Fehler im Spieldesign, sondern Absicht. Entwickler nutzen Essen, um die Atmosphäre zu verdichten. In Fallout ist die Radroach ein Symbol für die Mutation der Welt nach dem Atomkrieg. Der Verzehr ist ein Akt der Verzweiflung, und ein humorvoller Seitenhieb auf die Überlebensmechanik des Spiels.
Die Kult-Kasserolle wiederum verdeutlicht die moralische Verkommenheit einer Sekte. Man isst nicht, weil es schmeckt, sondern weil die Handlung es erfordert. In Spielen wirkt Ekel oft stärker als visueller Horror, weil er den Spieler direkt betrifft: Man stellt sich die Frage, ob man selbst dieses Gericht essen würde. Diese Immersion ist beabsichtigt und zeigt, wie vielschichtig Interaktion sein kann.
Ein Blick ins Studio-Archiv
Fallout, die Serie, die in der Polygon-Liste prominent vertreten ist, hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich von Interplay in den 90ern als rundenbasiertes Rollenspiel entwickelt, übernahm Bethesda Game Studios die IP im Jahr 2004 und veröffentlichte mit Fallout 3 (2008) und Fallout 4 (2015) erfolgreiche Open-Word-Titel. Die Entwickler in Rockville, Maryland, sind für ihre detailverliebten, postapokalyptischen Welten bekannt, in denen selbst die Mahlzeiten Teil der Überlieferung sind.
Das Studio hat sich vorher mit der Elder Scrolls-Reihe einen Namen gemacht, die ebenfalls mit ungewöhnlichen Speisen aufwartet, etwa in Form von Rattenfilet oder magischem Bier mit unklaren Inhaltsstoffen. Die Kultur des virtuellen Essens ist also tief in der Firmengeschichte verankert. Nicht umsonst hat Bethesda ein Händchen für düsteren Humor, der sich durch alle Ebenen der Spielwelt zieht.
Mehr als nur schlechtes Essen: Der Branchenkontext
- Die Liste erinnert daran, dass Spielentwickler seit den 80er Jahren mit Essen als Story-Element arbeiten.
- In Monkey Island (1990) gab es zum Beispiel den berüchtigten „Limburger-Käse-Doppel-Stack“, ein Sandwich, das in der Spielwelt als giftige Waffe gilt.
- The Legend of Zelda kochte in Breath of the Wild (2017) mit Heilkräutern, aber auch mit ekligem „Bokoblin-Spieß“ aus Monstereingeweiden.
- Survival-Spiele wie Rust oder The Forest (2018) normalisieren den Verzehr von Menschenfleisch, um die Moral des Spielers zu testen.
- Polygon zeigt mit seiner Liste, dass es einen Trend gibt: Ekel ist ein Ausdrucksmittel geworden, das in drei Jahrzehnten vom Gag zum ernsthaften Erzählwerkzeug gereift ist.
Was das für Spieler bedeutet
Spieler lieben solche Details, weil sie die Welt glaubwürdiger machen. Eine virtuelle Welt, in der alle nur normale, leckere Speisen essen, wirkt sofort steril. Ekelhafte Mahlzeiten hingegen schaffen Gesprächsstoff und stärken die Erinnerung. Wer hat nicht schon einmal einen Screenshot von einer triefenden, glitschigen Mahlzeit mit Freunden geteilt?
Diese Gerichte sind auch eine Anspielung auf die Kultur des „Food Challenges“ in der echten Welt.Spielerinnen und Spieler suchen die Grenzerfahrung, das Unappetitliche als Test der eigenen Nerven. Die Polygon-Liste ist daher nicht nur eine kurze Fundgrube für Trivia, sondern auch ein Spiegel für den Humor der Gaming-Community, die selbst das Grässlichste noch mit Augenzwinkern konsumiert.
Ein Fakt zum Verdauen
Am Ende bleibt eine Beobachtung: Die Radroach aus Fallout ist nicht nur eines der ekelhaftesten virtuellen Gerichte, sondern auch eines der bekanntesten. Laut Polygon hat sich das Gericht zu einem Running Gag entwickelt, den Fans selbst auf Conventions als Kostüm oder Plüschtier nachbauen. Der Ekel von gestern ist heute ein Kultobjekt. Wenn also eine Kasserolle aus zermahlenen Kultmitgliedern jemals als Kochbuch-Rezept auftaucht, dann wissen wir: Die Gaming-Welt hat ihren Frieden mit dem Schlimmsten geschlossen, das sie selbst erschaffen hat.