Ein Familien-Erbe auf dem Bildschirm
Vor fast drei Jahrzehnten saß ich als Kind im Wohnzimmer und beobachtete meinen Vater dabei, wie er in Age of Empires 2 ganze Zivilisationen aufbaute. Damals wirkte das Spiel für mich wie ein unzugängliches Labyrinth aus Menüs, Holzfällern und Soldaten.
Heute habe ich den Klassiker auf meiner Xbox installiert. Der Controller liegt gut in der Hand und die Steuerung fühlt sich erstaunlich direkt an.
Das ursprüngliche Age of Empires 2: The Age of Kings erschien 1999, entwickelt von Ensemble Studios. Das Team aus Texas hatte zuvor 1997 mit dem ersten Teil den Grundstein für das Genre der historischen Echtzeit-Strategie gelegt.
Das Studio und die Historie
Ensemble Studios wurde 1995 gegründet und 2001 von Microsoft übernommen. Nach der Schließung des Studios im Jahr 2009 übernahmen verschiedene ehemalige Mitarbeiter neue Projekte wie Robot Entertainment.
- Age of Empires (1997): Einführung des Konzepts der technologischen Zeitalter.
- Star Wars: Galactic Battlegrounds (2001): Nutzung der gleichen Engine wie der zweite AOE-Ableger.
- Age of Mythology (2002): Ein Spin-off, das mythologische Kreaturen in das bekannte RTS-System integrierte.
- Halo Wars (2009): Der letzte Titel des Studios, der bereits erste Versuche einer Konsolen-Steuerung für Echtzeit-Strategie unternahm.
Warum das Spiel heute funktioniert
Die Faszination für das Echtzeit-Strategie-Genre hat mich lange Zeit gemieden. Jetzt erkenne ich die Stärken des Titels.
- Die klare Trennung von Ressourcen-Management und militärischem Aufbau.
- Die historische Tiefe der verschiedenen Kampagnen.
- Das befriedigende Gefühl, wenn eine digitale Siedlung zur blühenden Metropole heranwächst.
Das aktuelle Spiel basiert auf der Definitive Edition, die 2019 zum 20. Jubiläum erschien. Entwickelt wurde diese Neuauflage von den Forgotten Empires, einem Team, das ursprünglich als Modding-Gruppe begann und von Microsoft beauftragt wurde.
Die Magie der Konsole
Viele Spieler behaupten, RTS-Titel seien auf Konsolen unspielbar. Nach mehreren Stunden in den Menüs von Age of Empires 2: Definitive Edition kann ich dem widersprechen.
- Die Entwickler haben die Steuerung mit dem Gamepad präzise angepasst.
- Kurzbefehle erlauben schnelles Reagieren auf feindliche Angriffe.
- Die Performance bleibt auch bei großen Schlachten auf dem Fernseher stabil.
Die Konsolen-Version nutzt eine KI-gestützte Hilfe beim Ressourcen-Sammeln. Während PC-Spieler jeden Arbeiter einzeln anweisen, übernimmt mein Controller-Layout viele dieser Aufgaben automatisch. Dieser Komfort-Faktor ermöglicht den Einstieg ohne das für RTS typische „APM“-Training (Aktionen pro Minute).
Ein Kreis schließt sich
Mein Vater hat damals meist die Briten gewählt. Ich ertappe mich dabei, wie ich aus reiner Gewohnheit ebenfalls dieses Volk auswähle, um meine ersten eigenen Siege zu erringen.
Es ist seltsam, nach all den Jahren die Klick-Geräusche der Dorfbewohner wiederzuerkennen. Diese akustischen Erinnerungen verwandeln das Spielerlebnis in eine Reise zurück in meine Kindheit.
Die Briten zeichnen sich im Spiel durch ihre Langbogenschützen aus, die eine höhere Reichweite als normale Bogenschützen besitzen. Im historischen Kontext bezieht sich dies auf die Schlachten im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich.
Was bleibt
Die Grafik wurde über die Jahre poliert, doch das Spielgefühl blieb erhalten. Ich baue meine erste Burg und drücke den Knopf für die Rekrutierung der Langbogenschützen.
Mein Vater hat das Spiel damals oft unterbrochen, um mir die Hintergründe der mittelalterlichen Geschichte zu erklären. Heute spiele ich ohne Unterbrechung und versuche, seine alten Taktiken zu übertreffen.
Der Markt für klassische RTS-Titel ist heute ein Nischensegment verglichen mit den 90er Jahren. Neben der Age of Empires-Reihe konkurriert der Titel heute primär mit StarCraft II oder Company of Heroes 3. Die Definitive Edition verzeichnet auf der Plattform Steam laut öffentlichen Statistiken regelmäßig über 20.000 aktive Spieler gleichzeitig. Das Alter der zugrundeliegenden Engine macht den Erfolg des Spiels trotz moderner Hardware zu einem statistischen Ausnahmefall.