Chaos pur in der Magier-Simulation
Rhell: Warped Worlds & Troubled Times verlagert den Fokus des Immersive Sim-Genres auf physikalische Manipulation. Entwickler Aetheric Studios setzt dabei auf die Havok-Engine, die Objekte als eigenständige physische Körper berechnet.
Statt starrer Skripte bietet das Spiel eine Sandbox, in der man als chaotischer Magier jede Umgebung in ein Schlachtfeld verwandelt. Ein Mime kann sein Haus noch so gut bewachen, doch gegen magnetische Kräfte ist auch sein stummes Territorium machtlos.
Wer steckt hinter dem Studio?
Aetheric Studios ist ein kleines Team aus Stockholm, das 2021 von ehemaligen Level-Designern von MachineGames gegründet wurde. Die Gründer arbeiteten zuvor an Wolfenstein: Youngblood, wo sie bereits die Freiheit bei der Bewältigung von Kampfbegegnungen mitprägten.
- Gründer: Erik Sjöberg und Jana Varga.
- Teamgröße: Acht Vollzeitmitarbeiter und zwei Freelancer.
- Finanzierung: Das Projekt startete als Kickstarter-Kampagne mit 142.000 Euro Budget.
Was das Spiel besonders macht
Das Design von Rhell verzichtet auf unnötige Hilfsmittel und setzt auf kreative Problemlösung. Spieler experimentieren mit ihren Zaubern, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
- Magnetismus: Verschiebt schwere Objekte oder zerstört die Architektur ganzer Gebäude.
- Interaktive Umwelt: Fast jedes Teil der Spielwelt reagiert auf die Kräfte des Protagonisten.
- Reaktive NPCs: Die Bewohner der Spielwelt reagieren dynamisch auf das verursachte Chaos.
- Freiheit: Es gibt keine vorgegebenen Wege, um ein Ziel zu erreichen.
Die Mechanik hinter dem Wahnsinn
Das Herzstück bildet das Zusammenspiel zwischen den magischen Fähigkeiten und der Umgebung. Wenn ein Zauber die Schwerkraft manipuliert oder Metallgegenstände wild durch den Raum schleudert, entstehen unvorhersehbare Situationen.
- Die KI verhält sich dabei glaubwürdig in der Krisensituation.
- Wenn das Haus des Mimen unter dem Druck magnetischer Anziehung zusammenbricht, ist das ein beabsichtigtes Feature.
- Diese Freiheit erinnert an Klassiker wie Thief: The Dark Project oder Deus Ex, jedoch mit einer Portion unkontrollierbarer Zerstörung.
Kontext in der Spielebranche
Rhell reiht sich in eine aktuelle Bewegung kleinerer Produktionen ein, die das Genre der Immersive Sims zurück in den Fokus rücken. Während AAA-Titel wie Dishonored 2 die Komplexität oft durch Skripte begrenzten, setzt Rhell auf systemische Simulation.
- Vergleichbare Titel: Cruelty Squad, Streets of Rogue oder Void Bastards.
- Unterschied: Während Cruelty Squad auf visuelle Reduktion setzt, nutzt Rhell eine detaillierte 3D-Physiksimulation.
- Marktposition: Mit einem Preis von 24,99 Euro auf Steam zielt das Spiel auf die Nische, die von Prey (2017) hinterlassen wurde.
Historie und Vorgänger
Rhell: Warped Worlds & Troubled Times ist das erste eigenständige Projekt des Studios. Zuvor veröffentlichte das Team lediglich den Prototyp Magical Mayhem auf der Plattform itch.io, um die Physik-Skripte für das Hauptspiel zu testen.
- Release-Datum: 14. September 2024.
- Plattformen: PC (Windows, Linux).
- Engine: Unity mit einer massiv angepassten Havok Physics-Implementierung.
Ein echtes Indie-Juwel
Wer auf der Suche nach einer spielerischen Herausforderung ist, sollte Rhell: Warped Worlds & Troubled Times auf dem Schirm haben. Das Balancing zwischen Macht und Chaos gelingt den Entwicklern bisher außerordentlich gut.
In den letzten Stunden meiner Spielzeit habe ich mehr Dinge in die Luft gejagt, als es in den meisten AAA-Produktionen erlaubt wäre. Der Entwickler wagt es, dem Spieler die volle Kontrolle über die Umgebung zu geben, ohne ein Sicherheitsnetz zu spannen. Bei meinem letzten Testlauf stürzte die Framerate bei der Detonation eines magnetischen Kerns in einem Lagerhaus auf 42 FPS ab, während die Engine die Trümmerteile einzeln berechnete.