Ein vergessenes Juwel wird 15
The Witcher 2: Assassins of Kings feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum. Das Spiel erschien ursprünglich im Mai 2011 für PC, gefolgt von einer Portierung für die Xbox 360 im April 2012.
Besitzer einer PlayStation-Konsole erhielten trotz der wachsenden Beliebtheit des Franchises keine Version. Das Spiel blieb ein exklusiver Titel für Microsofts Hardware und den PC.
Studio-Historie und Wurzeln
CD Projekt Red startete als polnischer Videospiel-Vertrieb, bevor das Studio mit The Witcher im Jahr 2007 den Schritt zur Eigenentwicklung wagte. Das erste Spiel nutzte die lizensierte Aurora-Engine von BioWare, die ursprünglich für Neverwinter Nights konzipiert wurde.
Nach dem Erfolg des Erstlings investierte das Team in eine eigene Technologie. Die REDengine wurde speziell für The Witcher 2 entwickelt, um komplexere Lichteffekte und detailliertere Charaktermodelle zu ermöglichen.
Warum das Spiel heute noch glänzt
The Witcher 2 weicht in seiner Struktur stark von der offenen Welt des Nachfolgers ab. Die Karten sind in kleinere, abgrenzbare Gebiete unterteilt, was eine dichtere Inszenierung der politischen Intrigen ermöglicht.
- Die Geschichte spaltet sich nach dem ersten Akt in zwei völlig getrennte Pfade auf, die unterschiedliche Orte und Charaktere zeigen.
- Spieler wählen zwischen den Handlungssträngen von Vernon Roche oder Iorweth, wodurch ein zweiter Spieldurchgang zwingend erforderlich ist.
- Das Kampfsystem erzwingt die Nutzung von Vorbereitungen wie Tränken, Ölen und Fallen, da Geralt im direkten Schlagabtausch verwundbar bleibt.
- Die Grafikqualität setzte 2011 Maßstäbe für PC-Hardware, insbesondere durch die Darstellung von dynamischem Licht und Schatten in den Wäldern von Flotsam.
Der Kontext der Hardware-Beschränkungen
Die PlayStation 3 war zur Zeit der Entwicklung für ihre komplexe Cell-Prozessor-Architektur bekannt. Viele Entwickler nannten die Programmierung für dieses System schwierig, da der Speicherzugriff und die Architektur stark von Standard-PCs abwichen.
CD Projekt Red verfügte 2011 über ein begrenztes Team und begrenzte Ressourcen. Die Portierung für die Xbox 360 wurde durch das Studio W4 Games und interne Kräfte realisiert, wobei die Anpassung an die PlayStation 3 nie das Stadium eines Prototyps erreichte.
- The Witcher (2007) blieb ebenfalls ein reines PC-Spiel, da die Konsolenversion unter dem Titel Rise of the White Wolf aufgrund finanzieller Probleme bei den Partnern eingestellt wurde.
- Die Xbox 360-Version von The Witcher 2 erreichte eine Auflösung von 1280x720 Pixeln bei 30 Bildern pro Sekunde.
- Sony-Nutzer mussten bis zum Erscheinen von The Witcher 3: Wild Hunt am 19. Mai 2015 warten, um Geralt auf ihrer Konsole zu steuern.
Ein schmerzhafter Exklusiv-Status
Die Erzählung konzentriert sich auf den Regizid an den Königen der Nördlichen Königreiche durch den Hexer Letho von Gulet. Diese Ereignisse legen den Grundstein für die politische Instabilität, die in The Witcher 3 die Welt von Temerien und Redanien prägt.
- Spieler, die erst mit dem dritten Teil einsteigen, erfahren von den Ereignissen in Flotsam oder Loc Muinne lediglich durch kurze Rückblenden oder Dialogoptionen.
- Die Abwesenheit des zweiten Teils auf der PlayStation führt dazu, dass die Motivation von Charakteren wie Triss Merigold oder Philippa Eilhart für Neulinge oft unklar bleibt.
- Die Spielwelt von The Witcher 2 reagiert stärker auf moralische Entscheidungen, die ganze Landstriche in den folgenden Kapiteln verändern.
Ein Blick zurück
Das Spiel verkaufte sich bis November 2011 über 1,1 Millionen Mal, was für ein polnisches Studio in dieser Zeit ein großer finanzieller Erfolg war. Heute ist der Titel über die Abwärtskompatibilität der Xbox Series X/S in einer verbesserten Fassung spielbar.
Auf dem PC profitiert das Spiel von modernen Grafikkarten, welche die ursprünglichen Bildratenprobleme vollständig neutralisieren. Trotz der fehlenden PlayStation-Umsetzung dient The Witcher 2 als Beispiel für eine narrative Dichte, die in heutigen Open-World-Titeln oft zugunsten der schieren Größe der Karte in den Hintergrund tritt.