Ein Fluss durch die Wüste
Waterful der Berliner Solo-Entwicklerin Lenja Kaufmann ist genau das, was der Begriff „Nature-Builder“ verspricht: ein weiches, farbenfrohes Entspannungsspiel. Man schneidet mit dem Cursor Flussläufe in prozedural generierte Landschaften und schöpft dabei aus einem begrenzten Wasservorrat, der sich durch das Verbinden mit Quellen wieder auffüllt.
Der entscheidende Kniff: Man kann den Untergrund nach Belieben ausheben und wieder auffüllen. Die Form des Flusses und die Tiefe seines Bettes bestimmen, welche Vegetation wächst.
Mechaniken im Überblick
- Flusszeichnen: Cursor zieht das Wasserbett, Verbrauch wird durch Quellen gedeckt.
- Terrain formen: Erde abtragen oder neu auftragen, um den Wasserlauf zu lenken.
- Vegetation: Unterschiedliche Pflanzenarten je nach Flusstiefe und -form.
- Tiere anlocken: Von Schmetterlingen bis zu Großohrfüchsen, jede Art bringt einen Sticker.
- Maschinen bauen: Beispielsweise eine Vorrichtung, die den Wasserlauf über Hügel hebt.
Die prozeduralen Welten sorgen dafür, dass keine Partie der anderen gleicht. Man kann sich ganz dem Experimentieren hingeben.
Zwischen Dorfromantik und Terra Nil
Kaufmann selbst nennt Vergleiche mit Dorfromantik, Tiny Glade, Islanders, Terra Nil und Townscaper, lauter Titel, die auf entspanntes, meditatives Bauen setzen. Waterful passt genau in diese Nische, bietet aber mit der aktiven Flussgestaltung eine eigene Note.
Die Grafik ist bewusst sanft gehalten, die Farbpalette freundlich. Nichts drängt, kein Timer, keine Niederlage, nur das stille Vergnügen, eine vertrocknete Ebene in ein grünes Paradies zu verwandeln.
Entwicklerin und Hintergrund
Lenja Kaufmann arbeitet seit 2021 an Waterful. Zuvor veröffentlichte sie zwei kleinere Browser-Prototypen auf itch.io: „Biotope“, ein Puzzle über die Vernetzung von Wasseradern, und „Sediment“, eine Sandbox zur Schichtung von Bodenprofilen. Beide Titel kamen zusammen auf rund 12.000 Downloads.
Die Entwicklung finanziert Kaufmann aus eigener Tasche, ergänzt durch einen Zuschuss von 5.000 Euro der Medienboard Berlin-Brandenburg. Eine Demo erschien auf der Steam Next Fest im Oktober 2023 und verzeichnete laut Kaufmanns Angaben rund 8.000 Spieler, die im Schnitt 45 Minuten in der geöffneten Welt verbrachten.
Markt und Vergleichstitel
Der Nature-Builder-Markt wächst stetig. Dorfromantik (Toukana Interactive, 2021) verkaufte sich über 1,5 Millionen Mal, Terra Nil (Free Lives, 2023) kam auf rund 200.000 Kopien. Waterful besetzt eine Lücke zwischen diesen: Es ist weniger abstrakt als Dorfromantik und weniger missionsgetrieben als Terra Nil. Statt Punktesystem oder Zielvorgaben setzt es auf reines Experimentieren.
Konkret liegt der Preis für Waterful bei 14,99 Euro zum Early-Access-Start, der für Mai 2025 geplant ist. Eine Konsolenversion ist nicht angekündigt. Kaufmann will das Spiel zunächst auf Windows und Mac veröffentlichen. Der Early Access soll etwa sechs Monate dauern.
Ein Spiel für gemütliche Abende
Wer schon immer mal einen Fluss mit der Maus zeichnen und dabei zusehen wollte, wie die Natur zurückkehrt, wird hier fündig. Die Beschränkung des Wasservorrats zwingt zu kleinen Kompromissen, aber nie zu Frustration.
Obwohl das Gameplay simpel wirkt, steckt in der Tiefe der Vegetations- und Tierauswahl viel Wiederspielwert. Jeder neu gestaltete Landstrich fühlt sich wie eine eigene kleine Geschichte an.