Der Wutanfall eines Genre-Giganten
Jonathan Blow, Schöpfer von Braid und The Witness, unterbrach seinen Stream von Derelict Star nach 45 Minuten demonstrativ. Er bezeichnete die Steuerung als "intentional kaputt" und kritisierte die mangelnde Lesbarkeit der Spielmechanik.
Die Reaktion von Blow folgt einem Muster, das er bereits bei anderen Titeln an den Tag legte. Er bewertet Spieldesign nach strikten Regeln der Vorhersehbarkeit und inneren Konsistenz.
Die Kontroverse um das P-Meter
Das P-Meter in Derelict Star fungiert als zentrale Energieleiste für Sprungdistanzen. Während das Original in Super Mario Bros. 3 eine lineare Aufladung beim Rennen nutzt, setzt Derelict Star auf ein impulsbasiertes System.
- Die Ladeanzeige sinkt bei Richtungswechseln sofort auf Null.
- Ein Sprung verbraucht die gesamte gespeicherte Energie, unabhängig vom Fortschritt.
- Das visuelle Feedback erfolgt über ein flackerndes Icon am oberen Bildschirmrand, statt über die Spielfigur selbst.
Hintergründe zum Entwickler: Pixel-Architekt Xylo
Hinter Derelict Star steht der Solo-Entwickler, der unter dem Pseudonym Xylo firmiert. Er ist kein Neuling, sondern ehemaliger Lead-Programmierer beim Berliner Studio NeonShift, das für den isometrischen Shooter Velocity Grid bekannt war.
Er verließ das Studio vor drei Jahren, um sich dem Design von "Anti-Komfort"-Plattformern zu widmen. Derelict Star ist sein zweites Soloprojekt nach dem weniger beachteten Void Jumper von 2022.
Eine Antwort auf die Kritik
Xylo reagierte auf die Kritik via Twitter mit dem Verweis auf die bewusste Dissonanz. Er erklärte, dass er das "Gedächtnis der Finger" von Spielern aktiv stören wolle.
Sein Design-Manifest für das Projekt umfasst drei Punkte:
- Verbot von Momentum-Erhalt bei Sprüngen.
- Wegfall von Grace-Frames (die kurze Zeitspanne, in der man nach einer Kante noch springen kann).
- Erzwingen von statischen Bewegungsabfolgen in komplexen Areals.
Warum das Spiel dennoch fasziniert
Trotz der ablehnenden Haltung von Blow hat das Spiel eine aktive Community auf Speedrun-Plattformen aufgebaut. Die Zeit für den "Any%"-Run liegt aktuell bei 28 Minuten und 14 Sekunden.
Fans schätzen die Strenge, da sie keine Fehler verzeiht:
- Die Steuerung basiert auf einem festen 60-FPS-Frame-Budget.
- Keine versteckten Buffs erhöhen die Sprungweite durch zufällige Faktoren.
- Der Soundtrack, komponiert von Synth-Wave-Artist Vector8, erhöht das Tempo der Tracks synchron zum P-Meter-Status.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Derelict Star reiht sich in die Tradition von Titeln wie I Wanna Be The Guy oder Celeste ein, bricht jedoch mit deren Fairness-Prinzipien. Während Celeste den Spieler durch ständige Respawns zur Übung zwingt, blockiert Derelict Star den Fortschritt durch eine bewusst sperrige Steuerung.
Das Spiel verkaufte sich innerhalb der ersten Woche 12.000 Mal über Steam. Ein Vergleich mit dem direkten Vorgänger Void Jumper, der lediglich 400 Einheiten absetzte, zeigt eine wachsende Nische für extrem frustrierende Plattform-Erfahrungen.
Ein ungeschliffener Diamant
Die Spaltung der Szene basiert auf zwei gegensätzlichen Philosophien des Spieldesigns. Während Blows Arbeit wie in The Witness auf logische Lernkurven setzt, fokussiert sich Derelict Star auf die physische Konditionierung des Spielers.
Es bleibt ein Titel, der den Nutzer als Gegner begreift. Wer die steifen Bewegungsabläufe verinnerlicht, beendet den letzten Level nach etwa acht bis zehn Stunden Spielzeit.