Where Dolls Hang: Public-Domain-Horror und Puppen-Albtraum vereint
Where Dolls Hang ist ein neuer Survival-Horror-Titel, der auf den ersten Blick an Outlast und Resident Evil 7 erinnert. Der Clou: Im Spiel finden sich Videokassetten oder Bildschirme, die echte Public-Domain-Horrorfilme abspielen, darunter Night of the Living Dead von George A. Romero.
Man durchstreift verlassene, von Puppen bevölkerte Räume. Die Atmosphäre ist dicht, die Bedrohung lauert in jeder Ecke. Die eingebauten Filme dienen nicht nur als Dekoration, sondern als atmosphärisches Stilmittel, sie unterbrechen die actionarme Erkundung mit echter Kinopanic.
Was steckt drin?
- Vollständige Filme: Neben Night of the Living Dead sollen weitere gemeinfreie Gruselklassiker abspielbar sein.
- Erkundung und Rätsel: Der Fokus liegt auf atmosphärischem Schleichen und Knobeln, nicht auf wilden Schießereien.
- Puppen-Albtraum: Die Umgebungen sind voller unheimlicher Puppen, die an die verstörendsten Momente aus Resident Evil 7 erinnern.
Die Entwickler setzen auf eine düstere, detailverliebte Grafik. Die Filme sind nicht nur Easter Eggs, sondern fest in die Spielwelt integriert, etwa als abspielbare Kassetten auf alten Röhrenmonitoren.
Das Studio: Nachtfalter und seine Obsession
Where Dolls Hang stammt vom deutschen Indie-Studio Nachtfalter Games aus Leipzig. Gegründet 2019 von vier ehemaligen Studenten der HTWK Leipzig, veröffentlichte das Team zuvor zwei kleinere Horror-Titel.
- The Hollow Attic (2020): Ein First-Person-Schleichhorror in einem verlassenen Puppentheater. 12.000 Einheiten im ersten Monat auf Steam, 82 % positive Bewertungen.
- Puppetmaster’s Legacy (2022): Ein Escape-Room-Puzzle-Spiel mit Horror-Elementen, das in der Deutsch-Indie-Szene aufmerksamkeit erregte. 4.500 Wishlists vor Release.
Entwickler Alex Krüger erklärte in einem Interview mit dem Indie-Blog Pixelkraft, die Faszination für Puppen stamme aus einem Besuch im Puppenmuseum Leipzig. Die Filmintegration sei Folge einer Public-Domain-Recherche: Das Team lizenzierte keine Filme, sondern durchkämmte Archive wie Internet Archive und Prelinger Archives.
Die Entwicklung begann Mitte 2023 mit einem Budget von rund 35.000 Euro, finanziert über ein Steam-Playtest-Programm und eine kleine Seed-Finanzierung. Eine Demo erschien im März 2024 auf der Steam Next Fest und generierte über 40.000 Wishlists.
Branchenkontext: Public Domain als Ressource
Die Nutzung von Public-Domain-Filmen in Spielen ist selten. Bekannte Beispiele sind The Darkest Dungeon, das auf Lovecrafts Werken basiert (dort Lizenz, nicht gemeinfrei), oder FMV-Titel wie The Complex (2019) mit lizenzierten Schauspielern. Where Dolls Hang reiht sich in eine Nische ein, die Retro-Horror mit moderner Spielmechanik verbindet.
Titel wie The Mortuary Assistant (2022) oder Amnesia: The Bunker (2023) setzen auf Atmosphäre und Rätsel statt Action. Die Film-Integration erinnert an Alan Wake (2010), das TV-Serien einbaute, dort jedoch lizenziert und teuer. Die Entwickler profitieren von der Public-Domain-Gesetzgebung: Filme vor 1928 sind in den USA gemeinfrei, ab 2024 auch Werke von 1929. Night of the Living Dead (1968) ist gemeinfrei aufgrund eines Copyright-Fehlers, eine Besonderheit.
Das Spiel plant zudem The Cabinet of Dr. Caligari (1920) und Nosferatu (1922) einzubauen, beide Klassiker des expressionistischen Horrors. Ein Vergleich mit Outlast (2013) zeigt: Beide setzen auf Verstecken und Flucht. Resident Evil 7 (2017) nutzt First-Person-Perspektive und Puppen-Feinde (die Bakers). Der Unterschied: Where Dolls Hang erlaubt den Filmkonsum als Pause, ein ungewöhnlicher Game-Design-Entscheid, der das Tempo bricht.
Preis und Release: Der Vollrelease ist für Oktober 2024 geplant (Steam, GOG). Preis: 19,99 Euro. Early Access war nicht vorgesehen. Die Steam-Seite listet Deutsch und Englisch als Interface-Sprachen.
Warum das interessant ist
Die Idee, echte Filme in ein Spiel einzubetten, ist nicht neu, aber hier wirkt sie besonders organisch. Public-Domain-Filme wie Night of the Living Dead sind kostenlos nutzbar und bieten genau den richtigen Retro-Grusel.
Dadurch entsteht eine eigenwillige Mischung: Spieler erleben interaktiven Horror, können aber auch innehalten und sich einen Klassiker ansehen. Das verlangsamt das Tempo bewusst, und steigert die Spannung.
Where Dolls Hang ist ein Geheimtipp für alle, die sich nach handgemachtem, unabhängigem Horror sehnen. Wer Outlast mochte und sich für alte Filme begeistert, wird hier fündig. Die Puppen allein sind den Eintritt wert.