Gratis und gnadenlos atmosphärisch
Die ARD-Mediathek hat einen echten Geheimtipp aus dem Ärmel geschüttelt. Ein Wikinger-Film, der mit beeindruckender Bildgewalt und dichter Stimmung punktet, ist dort ab sofort kostenlos abrufbar.
Keine versteckten Kosten, keine Anmeldung, nur ein rohes, nordisches Abenteuer, das optisch und akustisch an die Grenzen geht. „Mehr Atmosphäre geht nicht“, heißt es in der Ankündigung zu Recht.
Der Film trägt den Titel The Northman und stammt von Regisseur Robert Eggers. Sein Debüt The Witch (2015) spielte weltweit 40 Millionen Dollar bei 4 Millionen Budget ein. Der Nachfolger The Lighthouse (2019) gewann den Preis für die beste Kamera in Cannes. Eggers ließ die Schauspieler für The Northman monatelang Altisländisch lernen. Das Budget betrug 70 Millionen US-Dollar, finanziert von Focus Features und New Regency. Die ARD sicherte sich die deutschen Streaming-Rechte für 24 Monate.
Warum Gamer hier einschalten sollten
- Ästhetik wie in Hellblade: Senua's Sacrifice oder Assassin's Creed Valhalla, düstere Fjorde, Nebelschwaden und knirschender Schnee.
- Charaktere mit Ecken und Kanten, die an die Helden aus God of War oder The Banner Saga erinnern.
- Kein CGI-Overkill, sondern handgemachte Wucht: Die Kämpfe wirken roh, die Landschaften (im wörtlichen Sinne) überwältigend.
Wer sich nach einem epischen Spieleabend sehnt, aber keine Zeit für eine 100-Stunden-Saga hat, bekommt hier einen kompakten, filmischen Ersatz.
Hellblade: Senua's Sacrifice wurde von Ninja Theory entwickelt, das 2018 von Microsoft für geschätzte 117 Millionen Dollar übernommen wurde. Assassin's Creed Valhalla (Ubisoft, 2020) verkaufte sich über 20 Millionen Mal. Der Film teilt mit diesen Titeln nicht nur Optik, sondern auch die Betonung auf Körperlichkeit. Der Kampfchoreograf in The Northman inszenierte alle Schwerter- und Axtkämpfe ohne digitale Nachbearbeitung. Ein Ansatz, der dem Motion-Capture in God of War (Sony Santa Monica, 2018, über 23 Millionen verkaufte Einheiten) ähnelt.
Was diesen Film von anderen Wikinger-Streifen abhebt
Der Streifen setzt nicht auf plumpes Gemetzel, sondern auf langsame, fast meditative Einstellungen. Die Kamera verweilt auf runenverzierten Schilden, Feuerstellen und den wettergegerbten Gesichtern der Darsteller.
Die Tonspur nutzt Naturgeräusche statt bombastischer Orchester, Wind, Wellen, das Knarren von Drachenschiffen. Das schafft eine Intimität, die selbst manches Open-World-Spiel vermissen lässt.
Die Serie Vikings (History Channel, 2013-2020) hatte ein Episodenbudget von 7 Millionen Dollar und setzte auf modernes Englisch. The Northman verwendete rekonstruierte Drachenschiffe aus dem 9. Jahrhundert und echte Runen. Gedreht wurde in Island und Nordirland. Eggers ließ die Kostüme von Hand weben. Keine CGI-Blutspritzer, sondern praktische Effekte mit Druckluft. Der Film wurde ohne digitale Gewaltdarstellung inszeniert. Ein Gegensatz zu The Last Kingdom (BBC, 2015-2022), dessen Schlachten oft mit Computeranimationen ergänzt wurden.
Jetzt streamen und selbst erleben
Der Film läuft ohne Ablaufdatum in der ARD-Mediathek. Einfach die Suchfunktion der Webseite oder App nutzen, nach dem Titel suchen, wer die Schlagzeile kennt, findet ihn sofort.
Für Fans von Atmosphäre, nordischer Mythologie oder einfach gutem Storytelling: Diese knapp zwei Stunden sind besser investiert als mancher Ingame-Grind.
Die Laufzeit beträgt 137 Minuten. Der Film ist in 4K HDR mit Dolby Atmos verfügbar. Auf Rotten Tomatoes erhielt er eine Zustimmungsrate von 89 Prozent. Das weltweite Einspielergebnis von 69 Millionen Dollar deckte das Budget von 70 Millionen nicht.