Die kalte Dusche für Xbox
Xbox-CEO Asha Sharma hat ein internes Statement abgegeben, das wie ein Donnerschlag durch die Branche hallt. Ihre Kernaussage: „This Cannot Continue“. Damit meint sie die harte Realität der gesamten Division, doch konkrete Namen oder Schuldige nennt sie nicht.
Die Lage ist ernst. Umsätze brechen massiv ein, die Komponentenkrise nagt an der Hardware-Planung, und das Studio-System sei schlicht überdehnt. Ein klassischer Fall von zu viel Expansion, zu wenig Kontrolle.
Die Übernahme von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar im Jahr 2023 brachte 19 zusätzliche Studios unter das Xbox-Dach. Hinzu kamen 2021 Bethesda (ZeniMax) mit acht Studios wie id Software, Arkane und MachineGames. Die Anzahl interner First-Party-Studios stieg damit auf über 30. Gleichzeitig blieben große Releases wie Redfall (2023) von Arkane Austin oder Starfield (2023) hinter den Erwartungen zurück. Der Output pro Studio sank, während die Fixkosten explodierten.
Drei Brandherde, kein Feuerlöscher
Die Probleme sind klar benannt, aber nicht neu. Seit Jahren kämpft Xbox mit schwankenden Verkaufszahlen der Series X|S und einer ungleichen Spieleausbeute.
- Massive Umsatzrückgänge, Game Pass wächst nicht mehr wie geplant, Abonnentenzahlen stagnieren.
- Komponentenkrise, Lieferengpässe bei Chips treffen auch 2026 noch das Fertigungsvolumen.
- Überdehntes Studio-System, Die Übernahme von Activision Blizzard, Bethesda und etlichen kleineren Studios brachte nicht die erhoffte Output-Qualität.
Sharma fordert einen harten Kurswechsel. Wer die Verantwortung trägt, bleibt offen. Weder frühere Führungskräfte noch aktuelle Teamleiter werden direkt genannt.
Im November 2024 lag der weltweite Absatz der Xbox Series X|S bei geschätzt 30,4 Millionen Einheiten, die PS5 bei 61,7 Millionen. Game Pass hatte im Februar 2025 rund 34 Millionen Abonnenten, ein Plus von nur 1,2 Millionen im Vorjahresvergleich. Das Ziel von 40 Millionen bis 2025 rückt in weite Ferne. Zum Vergleich: Netflix wuchs im selben Zeitraum um 18 Millionen neue Nutzer. Microsofts Spiele-Sparte verbuchte im zweiten Fiskalquartal 2025 einen Umsatzrückgang von 7 Prozent, getrieben von schwächelnder Hardware und stagnierenden Inhalten.
Wer starrt wen an?
Die Frage, die unter Journalisten und Fans brodelt: Wer genau „starrt die Realität an“? Die Formulierung klingt nach einem Appell an die gesamte Belegschaft, aber ohne Nennung konkreter Verantwortlicher bleibt sie vage.
Es könnte ein letzter Weckruf vor einem größeren Umbau sein, oder eine vertane Chance, Klartext zu reden. Ohne klare Ansage, welche Studios geschlossen, Projekte gestrichen oder Budgets gekürzt werden, wirkt die Ankündigung wie heiße Luft.
Sharmas Vorgänger Phil Spencer hatte 2017 auf der E3 noch von „der größten First-Party-Pipeline in der Geschichte von Xbox“ gesprochen. Vier Jahre später kaufte Microsoft Activision. Doch bereits 2022 schloss das Unternehmen Tango Gameworks (Entwickler von Hi-Fi Rush) und Alpha Dog Games, obwohl beide Studios gerade erfolgreiche Spiele abgeliefert hatten. Die Bilanz der Übernahmen: Von den 23 Studios, die 2021 unter Xbox firmierten, wurden seither vier geschlossen oder umstrukturiert. The Initiative, das an Perfect Dark arbeitet, verlor mehrere Leitfiguren.
Ein einsames Statement
Bislang hat weder Microsoft-CEO Satya Nadella noch das Xbox-Management die Äußerungen kommentiert. Sharma steht allein da mit ihrer düsteren Prognose.
- Keine Roadmap für Kostensenkungen
- Keine Infos zu Stellenstreichungen
- Keine Klarheit über die Zukunft von Game Pass oder First-Party-Titeln
Retro-Fans erinnert das an die Xbox-One-Ära, als Don Mattrick mit ähnlich dramatischen Worten einen missglückten Launch beschwichtigte. Was damals folgte, war ein massiver Strategiewechsel, und fast ein Jahrzehnt der Irrfahrt. Ob Microsoft aus der Geschichte gelernt hat, wird sich erst zeigen, wenn die Gespräche hinter verschlossenen Türen Früchte tragen.
Im Mai 2024 strich Microsoft 1.900 Stellen in der Gaming-Sparte, vornehmlich bei Activision und Bethesda. Damals sagte Spencer: „Wir müssen nachhaltige Wege finden, zu wachsen.“ Ein Jahr später, keine nennenswerten Veränderungen. Der Game-Pass-Titel Call of Duty: Black Ops 6 (2024) brachte zwar 5 Millionen neue Abonnenten, doch das reichte nicht, um die Kosten der Übernahme zu decken. Activision hatte 2023 einen Betriebsgewinn von 2,8 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 8,7 Milliarden, Microsoft zahlte fast das Achtfache des Jahresumsatzes.