TITEL: Xbox-Chef: 'Wir müssen das Geschäft zurücksetzen', Marke in der Krise
BESCHREIBUNG: Der Xbox-CEO räumt ein, dass die Plattform nicht gesund sei. Ein grundlegender Reset soll die Marke dorthin bringen, 'wo die Welt spielt'.
Klartext aus Redmond
Der oberste Xbox-Verantwortliche übt in einem aktuellen Statement ungewöhnlich deutliche Selbstkritik. „We're not in a healthy spot“, sagt er, eine Ansage, die in der gesamten Branche hallt.
Wer spricht?, Phil Spencer und sein Weg
Hinter dem Statement steht kein Unbekannter: Phil Spencer, seit 2014 Chef der Xbox-Sparte und seit 2022 CEO von Microsoft Gaming. Vor seiner Führungsrolle war Spencer als Entwickler an Titeln wie Halo 2 und Gears of War beteiligt, prägte aber vor allem die Service-Seite: Er baute Xbox Live zum Milliarden-Geschäft aus und trieb den Game Pass voran. Unter seiner Ägide fielen jedoch auch Fehlschläge wie der schwache Launch der Xbox One (2013) mit seiner DRM-Politik und der langsame Start der Xbox Series X/S (2020). Spencers aktuelle Selbstkritik ist ungewöhnlich, sie erinnert an die Offenheit, mit der er 2021 die Redfall-Katastrophe einräumte (Metacritic-Wertung 49).
Ein Neustart als Ziel
Der CEO spricht von einem Reset des Geschäfts, um endlich „dort zu sein, wo die Welt spielt“. Das klingt nach einem radikalen Strategiewechsel.
- Möglicherweise eine Abkehr von der klassischen Konsolenfixierung
- Stärkerer Fokus auf Cloud-Gaming und plattformübergreifende Dienste
- Oder eine tiefgreifende organisatorische Neuausrichtung bei Microsoft
Was bisher geschah: Milliarden für Studios
Microsoft hat in den letzten Jahren Übernahmen in Höhe von über 76 Milliarden Dollar getätigt. 2021 kaufte der Konzern ZeniMax Media (Bethesda) für 7,5 Milliarden Dollar, damit kamen Studios wie id Software (Doom, Quake), Arkane (Dishonored, Deathloop) und MachineGames (Wolfenstein) unter Xbox-Dach. Der absolute Coup folgte 2023 mit der Activision Blizzard-Übernahme für 68,7 Milliarden Dollar, die Call of Duty, Overwatch, Candy Crush und World of Warcraft in die Xbox-Familie brachte. Doch trotz dieser Käufe blieb der Marktanteil der Xbox Series X/S laut Schätzungen von VGChartz bei 30 Millionen verkauften Einheiten (Stand Ende 2024), während die PlayStation 5 bei über 55 Millionen lag.
Keine Details, aber klare Diagnose
Konkrete Maßnahmen nennt der Xbox-Chef nicht. Er liefert keine Roadmap, sondern eine schonungslose Bestandsaufnahme.
Fest steht: Xbox sieht sich selbst nicht als gesundes Unternehmen. Solche Worte hört man selten von einem Plattforminhaber.
Game Pass: Wachstum und Grenzen
Der Game Pass ist das Herzstück der aktuellen Strategie, doch die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Microsoft gab zuletzt (Januar 2024) 34 Millionen Abonnenten an, darin enthalten sind Game Pass Core (früher Xbox Live Gold) und Game Pass Ultimate. Wachstumsraten sinken: In den zwölf Monaten bis Ende 2023 kamen nur rund 4 Millionen neue Nutzer hinzu. Zum Vergleich: Sonys PlayStation Plus hatte Mitte 2024 rund 48 Millionen Abonnenten, jedoch ohne Day-One-Exklusivtitel. Nintendo setzt auf Einzelverkäufe: The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom verkaufte sich über 20 Millionen Mal ohne Abo-Modell.
Eine schwierige Vergangenheit
Microsoft versucht seit Jahren, mit der Xbox Series X/S und dem Game Pass wieder aufzuholen. Doch der Abstand zu Sony und Nintendo blieb groß.
- Die Xbox-One-Ära war von strategischen Fehlentscheidungen gezeichnet
- Der Game Pass wächst, aber nicht schnell genug, um das Blatt zu wenden
- Selbst große Exklusivtitel wie Starfield brachten nicht den erhofften Schwung
- Halo Infinite (2021) verfehlte seine Ziele (Open-World-Modus kritisiert, Multiplayer-Start ohne Koop-Kampagne)
Verkaufszahlen im Vergleich: Series X/S vs. PS5 vs. Switch
Die Hardware-Verkäufe sprechen eine klare Sprache. Die Xbox Series X/S verkaufte sich in den ersten vier Jahren etwa 30 Millionen Mal (Schätzung). Die PlayStation 5 erreichte im gleichen Zeitraum über 55 Millionen Einheiten. Die Nintendo Switch steht bei 141 Millionen (Stand September 2024), die am zweitbesten verkaufte Konsole aller Zeiten. Selbst die Xbox 360 (84 Millionen) lag in ihrer Ära über dem aktuellen Niveau. Microsofts Anteil am Konsolenmarkt schrumpfte von etwa 30 Prozent (Xbox 360-Ära) auf unter 20 Prozent heute.
Was der Reset bedeuten könnte
Der CEO will einen Neuanfang. Ob dieser über neue Hardware, eine verstärkte PC-Präsenz oder mobile Angebote führt, bleibt offen.
Eine ehrliche Ansage wie diese ist selten. Xbox hat den Reset ausgerufen. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.