Eingefleischte erkennen das Déjà-vu
Microsoft hat die Preise für die Xbox Series S zum wiederholten Mal nach oben korrigiert. Die 512-GB-Variante wird 100 Dollar teurer, das 1-TB-Modell schlägt mit satten 150 Dollar extra zu Buche.
Damit kostet die aktuell günstigste Xbox Series S heute genau das, was die disc-fähige Xbox Series X bei ihrem Launch vor sechs Jahren gekostet hat. Ein absurder Wendepunkt für eine Konsole, die eigentlich als günstige Einstiegsdrohung gedacht war.
Die neuen Preise auf einen Blick
- Xbox Series S (512 GB), 100 Dollar Aufschlag
- Xbox Series S (1 TB), 150 Dollar Aufschlag
- Der günstigste Series-S-Preis entspricht nun dem Launchpreis der Xbox Series X von 2020
Die offizielle Begründung von Microsoft nennt „wirtschaftliche Faktoren“, eine Floskel, die Konsolenfans mittlerweile auswendig mitsprechen können. Es ist die dritte Preisanpassung innerhalb von zwei Jahren.
Was dieser Preis für Gamer bedeutet
Die Xbox Series S war bislang der Lichtblick für alle, die next-gen spielen wollten, ohne das Portemonnaie zu leeren. Genau diese Nische schrumpft jetzt dramatisch.
- Ein 512-GB-Modell, das zum Series-X-Launchpreis angeboten wird, wirkt nicht mehr wie ein Schnäppchen
- Die Series X bleibt preislich stabil, aber der Abstand schmilzt auf ein historisches Minimum
- Sechs Jahre nach Marktstart verlieren Einstiegskonsolen eigentlich an Wert, nicht umgekehrt
Microsoft setzt damit einen weiteren Schritt in Richtung eines Premium-Images, das früher Sony vorbehalten war. Ob die Strategie aufgeht, zeigt sich erst, wenn die Verkaufszahlen für das zweite Quartal 2026 vorliegen. Für viele Spieler dürfte die Xbox Series S jetzt vor allem eines sein: kein Schnäppchen mehr.
Historische Preispolitik: Wie die Xbox-Serie preislich tickte
Die Xbox Series S startete 2020 mit einem UVP von 299 Dollar (512 GB) und 349 Dollar (1 TB). Die Series X lag bei 499 Dollar. Seit 2023 zog Microsoft die Preise schrittweise an: erst +50 Dollar im August 2023 (vor allem in Europa und Asien), dann +30 Dollar im Januar 2025. Jetzt, im März 2026, folgt der dritte Sprung. Keine andere aktuelle Konsole verteuerte sich derart, die PlayStation 5 sank nach ihrer 2022er Preiserhöhung von 549 auf 499 Euro, während Nintendos Switch seit 2017 bei den gleichen 299 Dollar blieb.
Das ist ein historischer Bruch: In früheren Generationen wurden Konsolen kontinuierlich günstiger. Die Xbox 360 kostete 2005 noch 399 Dollar (Premium) und fiel bis 2010 auf 199 Dollar. Die Xbox One startete 2013 für 499 Dollar, war 2016 mit der Xbox One S für 299 Dollar erhältlich. Eine Preiserhöhung im Lebenszyklus gab es zuvor nur für die PlayStation 3 (2006: 599 Dollar), die nach drei Jahren auf 299 Dollar gesenkt wurde. Microsofts aktueller Kurs ist branchenweit ein Novum.
Warum Microsoft diesen Schritt geht, und was dahinter steckt
Offiziell nennt Microsoft „wirtschaftliche Faktoren“: steigende Komponentenkosten, Inflation, höhere Logistikpreise. Tatsächlich aber dürfte die Game-Pass-Strategie die Hauptrolle spielen. Der Dienst zählt über 40 Millionen Abonnenten, von denen viele auf der Series S spielen. Microsoft verdient an jedem Abo langfristig mehr als am einmaligen Hardwareverkauf, und kann die Konsole daher sogar mit Verlust verkaufen. Doch die Verluste sind gestiegen: Laut einem internen Dokument aus 2024 verkaufte Microsoft jede Series S mit rund 50 Dollar Verlust, die Series X mit bis zu 150 Dollar. Durch die Preiserhöhung wird die Series S nun profitabel.
Gleichzeitig vermeidet Microsoft, die Series X zu senken. Ein günstigeres Top-Modell würde die Abo-Zahlen nicht steigern, wer einmal eine leistungsfähige Konsole hat, kauft seltener Game Pass Ultimate. Die Series S dagegen zielt auf preissensible Käufer, die ohnehin meist im Abo bleiben. Der jetzige Preisschritt schließt die Lücke zur Series X weiter. Wer den Aufpreis scheut, greift zum Game Pass Core oder Ultimate, und zahlt langfristig mehr.
Vergleich mit Sony und Nintendo: Wer verteuert sich?
Sony erhöhte die Preise der PlayStation 5 im August 2022 um 50 Euro (auf 549 Euro in Europa), mit dem Hinweis auf die globale Inflation. Seitdem blieb der Preis stabil. Die günstigere Digital Edition lag bei 449 Euro, die Lücke zur Disc-Version beträgt 100 Euro. Nintendos Switch kostet seit 2017 unverändert 299 Dollar, selbst die OLED-Version (2021) und die Switch Lite (2019) blieben preislich konstant. Im Mobilbereich verteuerten sich Smartphones deutlich, doch Konsolen-Hersteller haben traditionell sinkende Preise über die Lebensdauer. Microsoft bricht mit dieser Regel, und setzt ein Zeichen, das andere Hersteller unter Druck setzen könnte.
Die Xbox Series X selbst blieb bei 499 Dollar, was sie nach sechs Jahren inflationsbereinigt günstiger macht (ca. 420 Dollar in Kaufkraft von 2020). Die Series S dagegen ist inflationsbereinigt jetzt teurer als die Series X zum Launch. Ein Verhältnis, das Konsolenfans noch nie gesehen haben, und das die Frage aufwirft, ob Microsoft die günstige Einstiegskonsole langsam auslaufen lässt, um Platz für eine mögliche Xbox Series X Pro oder eine reine Cloud-Konsole zu schaffen.