Die bittere Wahrheit aus dem eigenen Lager
Laut einem Bericht von Kotaku hat ein Microsoft-Mitarbeiter eingeräumt: Es sei schwierig geworden, Spieler von einer Xbox zu überzeugen. Der Mann wurde extra eingestellt, um die Plattform wieder attraktiv zu machen, und scheitert offenbar an den eigenen Geschäftsentscheidungen.
Der Grund ist simpel. Microsoft hat seine Exklusivtitel weitgehend aufgegeben. Spiele, die früher nur auf Xbox erschienen, landen heute auf PlayStation, Switch und PC. Warum also noch eine Xbox kaufen?
Die Exklusivität als Todesursache
- Starfield, Forza und Halo, alles Namen, die einst die Xbox definierten
- Heute sind sie auf Konkurrenzplattformen oder kommen kurz nach Release dorthin
- Spieler haben keinen Grund mehr, sich eine Xbox anzuschaffen
Ein Konzept, das Sony und Nintendo perfekt beherrschen: Exklusiv-Spiele als Eintrittskarte. The Legend of Zelda oder God of War, niemand kauft eine Switch oder PS5 für Halo Infinite.
Die Zahlen hinter dem Niedergang
Seit November 2020 hat Microsoft etwa 28 Millionen Xbox Series X/S verkauft (Schätzung Ampere Analysis, Stand Ende 2023). Sony setzte im gleichen Zeitraum 50 Millionen PS5 ab. Nintendo verkaufte allein von The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom über 18 Millionen Exemplare, mehr als jede Xbox-Konsole in einem Jahr.
- Game Pass zählt 34 Millionen Abonnenten (Microsoft-Angabe Februar 2024)
- Davon nutzen schätzungsweise 60–70 % den Dienst auf dem PC, nicht auf der Konsole
- Der Anteil der Xbox am weltweiten Konsolenmarkt fiel unter 15 % (IDC-Daten)
Phil Spencers Versprechen von 2020, die Xbox Series X werde die leistungsstärkste Konsole sein, verpuffte, sobald Sony mit God of War Ragnarök (15 Mio. Verkäufe) und Spider-Man 2 (10 Mio.) nachlegte.
Was bleibt übrig?
Die Xbox Serie X/S ist eine solide Konsole, aber das allein reicht nicht. Ohne klares Alleinstellungsmerkmal wird sie zum Nischenprodukt. Der Game Pass ist gut, aber auch auf PC nutzbar. Warum also 500 Euro investieren?
Der Mann, der den Karren aus dem Dreck ziehen soll, hat keine Zauberformel parat. Sein Eingeständnis zeigt, dass Microsoft die eigene Strategie nicht mehr erklären kann. Das ist bitter für eingefleischte Fans, die auf Xbox-exklusive Perlen hoffen.
Die Übernahmen: Milliarden ohne Exklusivwirkung
Microsoft gab 7,5 Milliarden US-Dollar für Bethesda (2021) und 68,7 Milliarden für Activision Blizzard (2023) aus. Eigentliches Ziel: exklusive Spiele für Xbox und Game Pass. Doch die Praxis sieht anders aus.
- Hi-Fi Rush (Bethesda) erschien im März 2024 auf PS5 und Switch
- Pentiment und Grounded folgten auf PlayStation
- Sea of Thieves (Rare) kam im April 2024 auf PS5
- Selbst Call of Duty, das milliardenschwere Franchise, bleibt laut Vertrag noch bis 2032 auf PlayStation
Ein Manager von Xbox Game Studios gab im Mai 2024 zu, dass Microsofts Strategie „Einnahmen vor Plattformbindung“ priorisiere. Jeder Titel, der nicht exklusiv sei, sei ein verkauftes Argument gegen die eigene Konsole.
Ein trauriger Befund für Retro-Gamer
Wer die Xbox 360-Ära mit Gears of War, Fable 2 und Left 4 Dead liebte, erinnert sich an eine Zeit, in der die Plattform eine eigene Identität hatte. Heute ist sie ein Game-Pass-Client ohne klares Profil. Und selbst der Retter des Systems sieht das so.