Der neue Preis: Ein Fallout für den Geldbeutel
Da hat Microsoft mal wieder zugeschlagen. Wie Kotaku berichtet, sorgt ein neu bekanntgegebener Preis für die Xbox für erhebliche Unruhe im Netz. Die Summe, die da aufgerufen wird, ist selbst für hartgesottene Konsolen-Fans schwer zu schlucken.
- Offenbar handelt es sich um eine neue Preisstufe, 899 Euro für die limitierte Xbox Series X Elite Edition ohne Laufwerk, aber mit 2 TB SSD und einem speziellen „Fallout“-Skin.
- Viele fragen sich, ob da ein Komma verrutscht ist oder ob Microsoft einfach die Geduld der Spieler testet.
Hintergrund: Wer baut die Xbox und warum ist der Preis so hoch?
Microsofts Hardware-Entwicklung liegt bei der Xbox Hardware Division unter Leitung von Roanne Sones. Die Series X startete 2020 für 499 Euro, die Series S für 299 Euro. Seitdem stiegen die Produktionskosten: Die globale Halbleiterknappheit (2021–2023) trieb die Preise für Chips um bis zu 40 Prozent nach oben. Hinzu kommt die Inflation in der Eurozone, seit 2020 liegt die kumulierte Teuerung bei über 15 Prozent. Microsoft selbst gab im Juni 2023 Preiserhöhungen in Japan und Brasilien bekannt, aber nie in Europa. Jetzt der Sprung auf 899 Euro.
Das eine Meme, das alle kennen
Natürlich ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Wenn die Gaming-Community mit einer absurd hohen Zahl konfrontiert wird, kommt sie um ein bestimmtes Bild nicht herum: Preston Garvey aus Fallout 4, der mit ausgestrecktem Arm sagt: „Another settlement needs your help.“ Nur dass es diesmal heißt: „Another paycheck needs your help.“
- Das Meme wird in unzähligen Varianten geteilt, mit dem Xbox-Preis als neuem, unendlichen Auftraggeber.
- Die Parallele ist offensichtlich: So wie Preston nie aufhört, Quests zu vergeben, hört Microsoft nicht auf, die Preise zu erhöhen.
Studio-Historie: Bethesda Game Studios und die Quelle des Memes
Das Meme stammt aus Fallout 4, veröffentlicht am 10. November 2015 von Bethesda Game Studios. Das Studio, gegründet 2001 in Rockville, Maryland, wurde unter Todd Howard bekannt für The Elder Scrolls III: Morrowind (2002), Oblivion (2006) und Skyrim (2011). Fallout 4 verkaufte in den ersten 24 Stunden 12 Millionen Exemplare, ein Branchenrekord, der erst von Grand Theft Auto V übertroffen wurde. Preston Garvey, Anführer der Commonwealth Minutemen, verteilt endlose „Radiant-Quests“, prozedural generierte Aufträge, die Spieler bis heute nerven. Das Meme ist seit 2015 ein fester Bestandteil der Gaming-Kultur und wird immer dann aktiviert, wenn ein Unternehmen absurd hohe Forderungen stellt.
Frühere Releases der Fallout-Serie und vergleichbare Preissprünge
Die Fallout-Serie begann 1997 bei Interplay (Fallout 1), entwickelte sich über Black Isle Studios (Fallout 2, 1998) bis zu Bethesda (Fallout 3, 2008; Fallout: New Vegas von Obsidian, 2010). Ein Fallout-Spiel kostete bei Release stets 59,99 Euro (60 USD). Die aktuelle Fallout 4 Game of the Year Edition liegt bei 39,99 Euro. Der neue Xbox-Preis von 899 Euro entspricht dem Preis von 15 Neuveröffentlichungen, oder einem gebrauchten Kleinwagen. Vergleichbare Preissprünge gab es bei der PlayStation 3 (599 USD 2006, inflationsbereinigt 870 Euro heute) oder der Nintendo Switch OLED (349 Euro). Doch 899 Euro für ein nicht-bahnbrechendes Konsolenmodell ohne neue Architektur ist selbst im historischen Vergleich einmalig.
Zwischen Wut und Galgenhumor
Die Stimmung schwankt zwischen echter Verärgerung und sarkastischer Belustigung. Viele Nutzer zeigen sich fassungslos, andere machen sich über die Dreistigkeit lustig. Einige fragen, ob der Preis vielleicht ein Extended Warranty für die nächsten drei Generationen beinhaltet.
- Die Wortwitze reichen von „Xbox Series X, jetzt mit Hypotheken-Finanzierung“ bis zu „Für den Preis kriegt man auch ein gebrauchtes Auto“.
- Einige erinnern an die Zeiten, als eine Konsole noch unter 500 Euro kostete, das war einmal.
Branchenkontext: Was kostet die Konkurrenz aktuell?
Die PlayStation 5 Pro kostet 799 Euro (seit November 2024), die Standard-PS5 mit Laufwerk 549 Euro. Nintendo verlangt für die Switch OLED 349 Euro, eine Switch 2 ist für 2025 erwartet, Gerüchte sprechen von 399 bis 449 Euro. Steam Deck (Valve) startet bei 419 Euro. Ein PC mit vergleichbarer Leistung (RTX 4060, Ryzen 5 5600) schlägt mit etwa 900 Euro zu Buche, bietet aber keine Xbox-Exklusivtitel. Die Xbox Series X Elite Edition liegt also auf PC-Preisniveau, aber ohne die Flexibilität eines offenen Systems. Microsofts Marktanteil in Europa liegt laut GfK 2024 bei 22 Prozent (PlayStation bei 45 Prozent, Nintendo bei 33 Prozent). Ob ein solcher Preis neue Käufer anzieht oder bestehende Fans vergrault, ist fraglich.
Ende der Vernunft?
Natürlich gibt es auch Verteidiger, die auf Inflation und gestiegene Komponentenpreise verweisen. Aber die Mehrheit scheint sich einig: Dieser Preis ist ein Brett. Ob Microsoft mit dieser Strategie auf lange Sicht erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Das Internet hat sein Meme gefunden, und wird es noch lange verwenden.
Konkrete Vorgänger: Xbox-Preise im Zeitverlauf
Die Xbox Original (2001) kostete 479 Euro (heute inflationsbereinigt 780 Euro). Die Xbox 360 (2005) startete bei 399 Euro (heute 610 Euro). Die Xbox One (2013) kam für 499 Euro (heute 640 Euro). Die Xbox Series X (2020) kostete 499 Euro (heute 575 Euro inflationsbereinigt). Der neue Preis von 899 Euro übersteigt alle historischen Werte, selbst die teure Xbox One X (2017, 499 Euro) bleibt weit darunter. Einziger Ausreißer war die Xbox 360 Elite mit 120-GB-Festplatte für 449 Euro. Microsoft begründet den Schritt mit „Materialkosten und Logistik“, ohne konkrete Stückzahlen zu nennen.