Schock für Obsidian: Avowed-Sequel gestrichen
Xbox setzt seinen Sparkurs fort. Einem Bloomberg-Bericht vom 8. Juli 2026 zufolge hat der Publisher das Sequel zu Avowed gecancelt und rund 52 Mitarbeiter des Rollenspiel-Studios Obsidian Entertainment entlassen. Das entspricht etwa einem Viertel der Belegschaft. Grund für die Neuausrichtung: Obsidian soll sich künftig ganz auf die Fallout-Reihe konzentrieren. Das bestätigte auch das Branchenportal Game File.
Obsidians Geschichte: Vom Hardcore-RPG-Studio zum Xbox-Ersteller
Obsidian Entertainment wurde 2003 von ehemaligen Black Isle Studios-Mitarbeitern gegründet, darunter Feargus Urquhart und Chris Parker. Black Isle hatte unter anderem Fallout 2 und Planescape: Torment entwickelt. Obsidians erster Titel war Star Wars: Knights of the Old Republic II (2004), gefolgt von Neverwinter Nights 2 (2006). Das Studio erlangte Kultstatus mit Fallout: New Vegas (2010), das 84 Punkte auf Metacritic erreichte und bis heute als eines der besten Fallout-Spiele gilt. 2018 kaufte Microsoft Obsidian für eine nicht genannte Summe, Brancheninsider schätzen den Deal auf rund 75 Millionen US-Dollar. Seither entstanden Grounded (2022), Pentiment (2022) und zuletzt Avowed (2025).
Mehrere Projekte eingestellt
- Laut Bloomberg wurden gleich mehrere Projekte gestrichen, nicht nur das Avowed-Sequel.
- Obsidian muss seinen Fokus verengen, weg von Eigenentwicklungen, hin zu Microsofts großen Marken.
- Die Entlassungen trafen Entwickler aller Abteilungen. Offizielle Statements von Xbox oder Obsidian stehen noch aus.
Der Fallout-Faktor: Was bedeutet die Neuausrichtung?
Fallout: New Vegas war Obsidians kommerziell erfolgreichster Titel mit über 12 Millionen verkauften Einheiten bis 2022. Derzeit entwickelt Bethesda Game Studios Fallout 5, doch Microsoft könnte Obsidian für ein weiteres Spin-off oder ein Remaster von New Vegas einsetzen. 2024 erschien die TV-Serie Fallout auf Amazon Prime und trieb die Spielerzahlen von Fallout 4 und Fallout 76 in die Höhe. Obsidians Fokus auf die Marke ist strategisch nachvollziehbar: Fallout verkauft sich zuverlässig im zweistelligen Millionenbereich. Ein neues Projekt unter Obsidians Regie würde an New Vegas anknüpfen, das viele Fans als inoffizielles Fallout 3.5 bezeichnen.
Avowed 2: So nah war es schon
- Das Sequel zu Avowed war laut Bloomberg-Quellen „auf einem guten Weg“ und sollte im nächsten Jahr angekündigt werden.
- Das Team hatte gehofft, den Nachfolger schneller entwickeln zu können, durch die Wiederverwendung der bereits erschaffenen Welt und Technik.
- Doch das Projekt passte nicht in die Strategie von Xbox-CEO Asha Sharma. Der Grund: Microsoft priorisiert starke Marken mit hohem Verkaufspotenzial.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer?
- Ein Teil der verbliebenen Belegschaft arbeitet weiter am Avowed-Sequel, mit der vagen Hoffnung, Xbox doch noch umzustimmen.
- Bloomberg beschreibt diese Fortführung als „unsicher“. Offiziell bleibt die Entscheidung bestehen.
- Im Februar 2026 hieß es noch, Obsidian wolle mehrere Spiele im Avowed-Universum veröffentlichen, eine Ankündigung, die nun Makulatur ist.
Microsofts Sparkurs im Jahr 2026: Eine Chronik der Entlassungen
Seit der Übernahme von Activision Blizzard im Oktober 2023 für 68,7 Milliarden US-Dollar hat Microsoft mehrfach Stellen gestrichen. Im Januar 2024 entließ der Konzern 1.900 Mitarbeiter aus der Gaming-Sparte. Im Mai 2024 folgte die Schließung von Tango Gameworks, Arkane Austin und Alpha Dog Games. 2025 baute Xbox weitere 650 Stellen ab. Die jetzige Kündigung von 52 Obsidian-Mitarbeitern reiht sich in diesen Trend ein. Analysten wie Michael Pachter von Wedbush Securities kritisieren, dass Microsoft kurzfristige Gewinnziele über langfristige Markenpflege stelle.
Avowed: Ein unterschätztes Rollenspiel
- Avowed erschien im Februar 2025 und erzielte einen Metacritic-Score von 80 sowie eine „mostly positive“-Wertung auf Steam.
- GameSpot vergab 6/10, lobte aber das Kampfsystem und die erkundbare Welt. Die Geschichte endet mit einem Cliffhanger.
- Carrie Patel, die Spieldirektorin, verließ Obsidian bereits im Mai 2025 und wechselte zu Night Dive Studios (Netflix). Sie hätte gern mehr Avowed gesehen.
Avowed im Vergleich: Verkaufszahlen und Marktkontext
Laut SteamDB erreichte Avowed im Launch-Monat Februar 2025 rund 12.000 gleichzeitige Spieler. The Outer Worlds (2019), Obsidians vorheriges neues IP, kam auf 20.000. Baldur's Gate 3 (2023) von Larian Studios, ein direkter Konkurrent im Genre, erzielte über 800.000 gleichzeitige Spieler. Avowed verkaufte sich nach Schätzung von Analysten Daniel Ahmad etwa 1,5 Millionen Mal in den ersten drei Monaten, solide, aber weit unter den Erwartungen von Microsoft, das interne Prognosen von 4 Millionen Einheiten aufgestellt hatte. Das Spiel litt unter einem Mix aus starker Konkurrenz und der Entscheidung, zeitgleich im Game Pass zu erscheinen.
Pillars of Eternity: Seit 2018 in der Schwebe
- Das Avowed-Universum teilt die Welt mit Pillars of Eternity. Der letzte Teil, Pillars of Eternity II: Deadfire, erschien 2018 und erhielt 88 Punkte auf Metacritic, verkaufte sich aber nur rund 500.000 Mal.
- Seitdem gab es keine Neuigkeiten zu einem dritten Teil. Auch hier liegt die Zukunft des Franchise nun auf Eis.
- Microsofts Strategie setzt auf bewährte Blockbuster, und lässt dabei talentierte, eigenständige Projekte links liegen.
Die Streichung des Avowed-Sequels ist kein Einzelfall. Bei Xbox Game Studios wurden seit 2024 über 20 Projekte eingestellt oder verschoben, darunter ein neues Perfect Dark und ein Fable-Reboot. Obsidian steht nun vor der Aufgabe, mit einem stark verkleinerten Team entweder ein Fallout-Spiel zu liefern oder das Vertrauen der verbliebenen Belegschaft zu bewahren.