Schöpfer der Yakuza-Reihe distanziert sich vom eigenen Studio
Daisuke Sato, der kreative Kopf hinter der Yakuza-Serie, hat seinen Social-Media-Status auf „ex-Nagoshi Studio“ geändert. Das berichtet Kotaku und stützt sich auf Satos aktuelle Online-Profile.
Diese Selbstbezeichnung kommt nur wenige Monate, nachdem Sato gemeinsam mit Toshihiro Nagoshi das Studio Nagoshi Studio gründete. Das Team sollte unter dem Dach von NetEase ein neues, unangekündigtes Action-Spiel entwickeln.
Sato war bei Sega jahrelang als Producer für die Hauptreihe verantwortlich, von Yakuza 3 (2009) bis Yakuza: Like a Dragon (2020). Nagoshi, der die Serie 2005 erfand und bis Yakuza 6 (2016) als Director fungierte, verließ Sega im Januar 2022. Gemeinsam mit Sato und mehreren anderen Veteranen gründete er Nagoshi Studio im selben Monat. Zu den weiteren Mitgliedern zählten der Art Director Koji Tominaga und der Composer Hidenori Shoji. Das Studio sollte ein neues Open-World-Actionspiel mit der Handschrift der Yakuza-Veteranen entwickeln. Konkrete Details oder ein Titel wurden nie öffentlich.
NetEase soll Geldhahn zugedreht haben
Laut dem Bericht von Kotaku hat der chinesische Publisher NetEase offenbar die Finanzierung für das Projekt gestoppt. Konkrete Gründe werden nicht genannt, weder von NetEase noch von den Beteiligten.
- Die Entwicklung des Titels soll bereits seit einiger Zeit stocken.
- Der Director des Spiels habe das Team angeblich verlassen.
- Sato selbst gibt bislang keinen offiziellen Kommentar zur Situation.
NetEase investierte in den letzten Jahren massiv in westliche Studios, darunter Grasshopper Manufacture (No More Heroes) und Quantic Dream (Detroit: Become Human). Gleichzeitig kürzte das Unternehmen 2023 und 2024 mehrfach Personal, etwa beim Jade Studio in Montreal. Ein Grund könnte die strengere Regulierung von Auslandsinvestitionen in China sein. Auch Tencent zog sich aus mehreren westlichen Projekten zurück. Der Stopp von Nagoshi Studios Projekt passt in diesen Trend: Chinesische Publisher fahren riskante Neuentwicklungen zurück und fokussieren sich auf bewährte Marken.
Was bleibt von Nagoshi Studio?
Nagoshi Studio wurde 2022 als Zusammenschluss mehrerer Yakuza-Veteranen gegründet. Neben Sato gehörten auch Toshihiro Nagoshi und andere langjährige SEGA-Mitarbeiter zum Kernteam.
Ob das Studio unter dem Namen weiter existiert oder ob sich auch Nagoshi selbst zurückzieht, ist nicht bestätigt. Satos Statuswechsel deutet jedoch auf einen tiefgreifenden Einschnitt hin. Der Traum von einem neuen, unabhängigen Yakuza-artigen Spiel scheint vorerst geplatzt.
Die Yakuza-Reihe (in Japan Like a Dragon) verkaufte sich bis Ende 2024 über 21 Millionen Mal weltweit. Das aktuelle Hauptstudio von Sega, Ryu Ga Gotoku Studio, produziert die Serie weiter, Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii erscheint im Februar 2025. Nagoshis Team blieb bisher ohne eigene Ankündigung. Sollte sich das Studio auflösen, wäre dies ein herber Verlust für Fans, die auf eine geistige Fortsetzung des Yakuza-Stils hofften.
Keine offizielle Stellungnahme
Weder NetEase noch Nagoshi Studio haben die Vorgänge bislang öffentlich bestätigt. Die Informationen stammen ausschließlich aus Satos geändertem LinkedIn- und Twitter-Profil sowie der anonymen Quelle von Kotaku.
Bis zur Klärung bleibt die Zukunft des Studios ungewiss. Daisuke Sato selbst hüllt sich in Schweigen, sein letzter Post zum Thema datiert auf Anfang 2025.
Kotaku beruft sich auf eine Person mit Kenntnis der Vorgänge, die unter der Bedingung der Anonymität sprach. Weder NetEase noch Nagoshi reagierten auf Anfragen. In Foren wie Resetera und Reddit diskutieren Fans bereits über die mögliche Schließung. Eine offizielle Stellungnahme könnte in den kommenden Wochen folgen, oder ausbleiben, falls das Projekt still und leise eingestellt wird.
Die Yakuza-Serie, Erfolge und Meilensteine
Die Yakuza-Reihe startete 2005 auf der PlayStation 2 mit Yakuza (Ryu ga Gotoku). In Japan verkaufte der erste Teil über eine Million Einheiten, international blieb die Serie lange Nische. Erst Yakuza 0 (2015) brachte den Durchbruch im Westen.
- Yakuza 0: 3,2 Millionen verkaufte Einheiten (Stand 2024).
- Yakuza: Like a Dragon (2020): Wechsel auf rundenbasiertes Kampfsystem, 1,8 Millionen Verkäufe in einem Jahr.
- Like a Dragon: Infinite Wealth (2024): 2,5 Millionen in den ersten sechs Monaten.
Sega hat die Reihe auf alle aktuellen Plattformen portiert. Nagoshi und Sato prägten die Serie über 15 Jahre. Ihr Abgang bei Sega bedeutete einen Stilwechsel: Ryu Ga Gotoku Studio modernisierte die Formel, während Nagoshis Team einen neuen, actionlastigen Titel plante. Ob dieser je das Licht der Welt erblickt, ist nun fraglich.