Der Gipfel des Schmerzes
Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung diskutieren Jäger von virtuellen Auszeichnungen noch immer über den ultimativen Albtraum für das digitale Profil.
Im Zentrum dieser Debatte steht die Platin-Trophäe von Wolfenstein: The New Order, genauer gesagt die Bedingung, das Spiel im "Überlebenskünstler"-Modus (German: "Leben oder Tod" / International: "Mein Leben") zu meistern.
Manche Herausforderungen fordern nicht nur Geduld, sondern zerstören jegliches Selbstvertrauen.
Entwickler MachineGames verlangte von Spielern, die gesamte Kampagne auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad "Überstark" ohne einen einzigen Tod durchzuspielen.
Stirbt die Spielfigur B.J. Blazkowicz auch nur einmal, bricht das Spiel den Durchgang ab und setzt den Speicherstand auf das allererste Kapitel zurück.
Die Hürden der Vergangenheit
- Extreme Frustration durch unbarmherzige Mechaniken.
- Stundenlanges Üben von perfekten Bewegungsabläufen.
- Keine Toleranz für Fehler in den entscheidenden Momenten.
- Das absolute Verbot von manuellen Speicherständen oder dem Laden von Checkpoints im Permadeath-Modus.
Wer damals die Bedingung für den Platin-Status erfüllte, musste Nerven aus Stahl besitzen.
Das schwedische Studio MachineGames wurde im Jahr 2009 von ehemaligen Kernentwicklern von Starbreeze Studios gegründet, darunter Jerk Gustafsson und Fredrik Ljungqvist.
Bekannt geworden war dieses Team zuvor durch Titel wie The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (2004) und The Darkness (2007), die bereits für ihre kompromisslose Inszenierung und harte Shooter-Mechanik geschätzt wurden.
Studio-Historie und Branchenkontext
Nach der Übernahme durch Bethesda Softworks im Jahr 2010 bekamen die Entwickler die Chance, das altehrwürdige Wolfenstein-Franchise von id Software neu zu starten.
Die Serie hatte mit Wolfenstein 3D (1992) das Genre der Ego-Shooter definiert und mit Titeln wie Return to Castle Wolfenstein (2001) fortgeführt.
Im Vergleich zu den oft actionlastigen, veramerikanierten Shootern der frühen 2010er-Jahre setzte The New Order (2014) auf eine Mischung aus brachialer Nahkampfatacke, Stealth-Passagen und einer dystopischen Alternativweltgeschichte.
Trophäen-Jäger vergleichen die Schwierigkeit dieses PlayStation-4-Meilensteins oft mit Titeln wie Crypt of the NecroDancer oder bestimmten Dark Souls-Herausforderungen.
Während FromSoftware-Spiele jedoch durch Checkpoints und das Erneuern von Heiltränken verzeihender agieren, verlangte MachineGames über eine Spieldauer von zehn bis zwölf Stunden fehlerfreie Perfektion.
Jeder Bosskampf, wie der gegen den gigantischen London Monitor im zehnten Kapitel, wurde zu einem Glücksspiel, da ein einziger verirrter Treffer den gesamten Fortschritt vernichtete.
Bleibende Erinnerungen
Die Relevanz solcher extremen Prüfungen bleibt über Dekaden hinweg bestehen, während moderne Titel oft zugänglicher gestaltet sind.
Heute setzen die meisten großen Produktionen auf automatische Speicherpunkte alle zwei Minuten und Schwierigkeitsgrade, die sich zur Laufzeit anpassen lassen.
Viele Spieler blicken auf diese monumentale Leistung zurück und erkennen, dass seither kaum ein virtueller Meilenstein diesen Schwierigkeitsgrad erreicht hat.
Laut globalen Statistiken auf Plattformen wie PSNProfiles haben bis heute weniger als ein Prozent aller Spieler die Platin-Trophäe von Wolfenstein: The New Order freigeschaltet.