Kleine Städte, große Liebe zum Detail
Zlin City: Arch Moderna basiert auf eingescannten Miniaturmodellen. Die Entwickler bauten physische Häuser aus Pappe und Holz, fotografierten sie ab und wandelten sie in digitale 3D-Objekte um. Das Ergebnis sieht aus wie ein Architekturmodell, das man per Mausklick zusammensteckt, kein Render-Stil, sondern echte Haptik.
Das Spielfeld bleibt bewusst klein. Statt einer ganzen Metropole baut man ein Diorama mit wenigen Blöcken. Jedes Gebäude, jeder Baum ist ein digitaler Abdruck eines echten Miniatur-Originals. Das verleiht der Grafik eine eigenwillige Tiefe und erinnert an Modellbau-Ausstellungen.
Inspiration aus Tschechien
Vorbild ist die reale Stadt Zlín in Tschechien. Sie wurde in den 1920er Jahren durch den Schuhkonzern Bata geprägt und ist bekannt für ihre funktionalistische Architektur: klare Kuben, flache Dächer, lange Fabrikhallen. Der Architekt František Lydie Gahura entwarf dort das markante Bata-Gebäude (heute 16-stöckiges Hochhaus), das als Vorbild für viele Spielgebäude dient.
Arch Moderna greift diesen Baustil der Zwischenkriegszeit auf. Es gibt keine gotischen Türme oder Fachwerk. Stattdessen dominieren schlichte Riegel, Glasfronten und Backsteinfassaden. Spieler errichten Wohnblocks, Verwaltungsbauten und Produktionshallen im Look einer tschechischen Industriestadt der 1930er Jahre.
Vom Modell zum Pixel
Die Scantechnik ist ungewöhnlich für ein Aufbauspiel. Das Studio fotografierte jedes Miniaturmodell mit einer Makro-Kamera aus 24 verschiedenen Winkeln. Aus den Fotos wurden Texturen und Normal Maps berechnet, ein Verfahren, das eher in der Architekturvisualisierung als in Games üblich ist.
Ein einzelnes Hausmodell aus Karton benötigte etwa zwei Stunden Bauzeit und 15 Minuten Scan-Arbeit. Das Spiel enthält rund 80 verschiedene Gebäude in drei Größenklassen. Jedes hat eine eigene Oberflächenstruktur: Pappe, Balsa-Holz, Leinenbespannung. Die digitalen Kopien behalten diese Materialität bei.
Entwickler und Vorgeschichte
Zlin City: Arch Moderna stammt vom tschechischen Indie-Studio Pexeso Games. Das Unternehmen wurde 2017 in Zlín gegründet und beschäftigt sieben Mitarbeiter. Gründer Tomáš Hrubý arbeitete zuvor als Architekturmodellbauer und brachte die Idee ein, echte Miniaturen zu scannen.
Pexeso Games veröffentlichte 2020 das Strategiespiel „Factory Floor“ (Steam, 12,99 €), ein Logistik-Puzzle über Fabrikfließbänder. Es verkaufte sich rund 15.000 Mal und erhielt 78 % positive Bewertungen. 2022 folgte das kurze Adventure „Panelák“, eine Walking-Simulation durch ein Plattenbauviertel in Brünn. Beide Titel behandelten tschechische Architekturthemen.
Zlin City: Arch Moderna ist der erste City Builder des Studios. Die Entwicklung dauerte 18 Monate, finanziert durch staatliche Förderung des Tschechischen Filmfonds (Kategorie „digitale Spiele“) und eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo, die 34.000 Euro einbrachte.
So funktioniert der Baukasten
- Statt riesiger Karten gibt es Tabletop-ähnliche Areale in der Größe 10x10 bis 16x16 Felder.
- Straßen ziehen, Gebäude setzen, Produktionsketten verknüpfen, die Steuerung erinnert an SimCity oder Cities: Skylines, aber der Maßstab ist kleiner.
- Pro Areal stehen maximal 40 Gebäude. Der Fokus liegt auf Arrangement und Ästhetik, nicht auf statistischem Wachstum.
- Bewohner, Waren und Geld fließen in Echtzeit. Fehler in der Kette führen zu sichtbaren Staus auf den Miniaturstraßen.
Einordnung in den Markt
Der Trend zu handgefertigten, low-poly-ähnlichen Grafiken ist nicht neu. Tiny Glade (2022) zeigte, wie Burgen aus Pappe aussehen können. Townscaper (2020) setzte auf generative Formen. Zlin City: Arch Moderna geht einen Schritt weiter: statt prozeduraler Texturen echte Fotoscans von echten Modellen.
Vergleichbare Spiele mit architektonischem Fokus sind „Urbek“ (2021) und „The Architect“ (2023). Keines verwendet jedoch physische Miniaturen als Basis. Das Alleinstellungsmerkmal ist die materielle Echtheit der Texturen, ein Ansatz, der im Modellbau-Forum auf Resonanz stößt, aber im Mainstream noch Nische bleibt.
Das Spiel erscheint zum Preis von 19,99 Euro auf Steam, GOG und Itch.io. Eine Demo mit 3 Karten ist kostenlos. Die Vollversion bietet 12 Karten, einen Sandbox-Modus und eine Kampagne mit 8 Missionen. Systemvoraussetzungen: Intel i5, 8 GB RAM, Grafikkarte ab GTX 960.
Ein Hingucker für Modellbau-Fans
Zlin City: Arch Moderna richtet sich an Spieler, die Aufbauspiele als Diorama-Baukasten nutzen. Wer schon immer ein eigenes Miniatur-Zlín nachbauen wollte, bekommt hier das Werkzeug. Ein Fotobuch mit 40 Seiten über die Stadtgeschichte liegt als PDF bei. Das Spiel ist fertig und spielbar, kein Early Access, kein Roadmap-Versprechen.