Alchemie zwischen Genuss und Gacha-Gier: Ein Blick auf Atelier Resleriana
Gusts neuestes Abenteuer bringt die beliebte Alchemie-Reihe auf mobile Endgeräte, doch der Spagat zwischen charmantem JRPG und aggressiver Monetarisierung gelingt nur bedingt.
Die Atelier-Reihe ist seit Jahrzehnten ein fester Ankerpunkt für Fans gemütlicher JRPGs. Das Rezept ist bekannt: Sammeln, Synthetisieren, ein bisschen Kämpfen und dabei den Alltag in einer malerischen Fantasy-Welt genießen. Mit Atelier Resleriana: Forgotten Alchemy and the Polar Night Liberator wagt Entwickler Gust nun den Sprung auf das Smartphone – und das sorgt bei der Fangemeinde für gemischte Gefühle. Als Journalist bei EndeNews.de habe ich mich durch die Welt von Resleriana gekämpft und synthetisiert. Hier ist mein Fazit.
Die Fassade stimmt: Optik und Atmosphäre
Wer die Serie liebt, wird sich in Resleriana sofort zu Hause fühlen. Die Charaktermodelle sind liebevoll gestaltet, die Animationen während der Kämpfe sind für ein Mobile-Game erstaunlich flüssig und detailreich. Die Welt wirkt lebendig, und der Soundtrack fängt dieses typische „Atelier-Gefühl“ perfekt ein – entspannt, einladend und leicht melancholisch. In Sachen Präsentation macht Gust hier niemand etwas vor. Wer einfach nur ein hübsches Spiel für zwischendurch sucht, wird optisch voll auf seine Kosten kommen.
Das Kampfsystem: Die positive Überraschung
Man könnte meinen, ein Mobile-Ableger würde das Kampfsystem auf ein Minimum reduzieren. Doch weit gefehlt. Das „Timeline-System“, bei dem man Aktionen so plant, dass sie die Reihenfolge der Züge beeinflussen, ist taktisch fordernd. Es macht Spaß, die richtige Kombination aus Charakteren zu finden, um „Burst-Skills“ auszulösen. Hier zeigt Resleriana, dass es mehr sein will als nur ein seelenloser Zeitvertreib. Die Kämpfe fühlen sich gewichtig an, und die Synergien zwischen den verschiedenen Alchemisten-Klassen bieten genug Tiefe, um auch nach Stunden noch zu motivieren.
Der bittere Beigeschmack: Gacha und Fortschritt
Hier kommen wir zum kritischen Punkt. Atelier Resleriana ist ein Gacha-Spiel. Das bedeutet: Wenn ihr bestimmte Charaktere oder hochwertige Ausrüstung wollt, müsst ihr entweder extrem viel Geduld mitbringen oder den Geldbeutel öffnen. Während die Hauptstory auch mit dem Start-Team machbar ist, stößt man bei den anspruchsvolleren Herausforderungen schnell an eine Wand.
Das Synthese-System, das Herzstück der Serie, wurde für das Mobile-Format stark vereinfacht und an ein Zeit- bzw. Ressourcen-Limit gekoppelt. Das frustriert. In den Konsolen-Teilen war das Experimentieren mit Zutaten das Ziel; hier ist es oft nur ein Mittel zum Zweck, um die Werte der Charaktere künstlich in die Höhe zu treiben. Die „Stamina-Bar“ ist ein Relikt, das den Spielspaß immer dann unterbricht, wenn es gerade spannend wird. Man merkt an jeder Ecke, dass das Spiel darauf ausgelegt ist, den Spieler zur täglichen Anmeldung zu bewegen, statt ein in sich geschlossenes, episches Abenteuer zu bieten.
Story: Ein Schatten seiner selbst
Die Geschichte rund um Resna und ihre Suche nach der legendären Alchemie ist solide, aber eben auch sehr formelhaft. Es fehlt der Mut zur Lücke, den man aus Titeln wie Atelier Ryza kennt. Die Charaktere sind sympathisch, bleiben aber oft in ihren Archetypen stecken. Es ist eine „Wohlfühl-Geschichte“, die niemanden wehtut, aber eben auch niemanden wirklich herausfordert oder emotional tief berührt. Für ein Spiel, das auf eine lange Kampagne ausgelegt ist, ist das auf Dauer etwas wenig.
Fazit: Für wen ist das Spiel?
Atelier Resleriana ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn ihr Fans der Serie seid und ein Spiel sucht, das ihr kurz in der Bahn oder auf der Couch spielen könnt, bietet es eine hohe Qualität und ein spaßiges Kampfsystem. Wer jedoch die Tiefe, die Freiheit und das „Alles-aus-einem-Guss“-Gefühl der Konsolen-Ableger sucht, wird hier enttäuscht werden.
Das Spiel ist ein exzellentes Beispiel für „Casual-Gaming mit Premium-Optik“, das jedoch unter dem Druck der Monetarisierung leidet. Es ist ein Spiel, das man genießen kann, solange man nicht versucht, es „durchzuspielen“, ohne sich auf die Gacha-Mechaniken einzulassen. Ein solider Titel für zwischendurch, aber für mich persönlich kein Ersatz für ein echtes Atelier-Erlebnis auf der Konsole. Wer mit den Einschränkungen leben kann, findet hier ein hübsches, taktisches Abenteuer – alle anderen sollten vielleicht lieber auf den nächsten großen Konsolen-Ableger warten.
+ PRO
- +Wunderschöner, typischer Atelier-Artstyle mit charmanten Charakterdesigns
- +Überraschend tiefgründiges Kampfsystem mit strategischer Zeitlinien-Mechanik
- +Sehr einsteigerfreundliche Präsentation, die auch Neulinge abholt
- CONTRA
- -Aggressive Gacha-Mechaniken trüben den Spielfluss
- -Die Story wirkt im Vergleich zu den Konsolen-Ablegern oft generisch
- -Technisch auf manchen Geräten mit Performance-Einbrüchen
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