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Cheerleader-Splatter mit Rostansatz: Lollipop Chainsaw RePOP im Test
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Cheerleader-Splatter mit Rostansatz: Lollipop Chainsaw RePOP im Test

Das kultige Zombie-Gemetzel kehrt zurück, doch zwischen charmantem Trash und nostalgischem Flair offenbaren sich einige technische Stolpersteine. Ein Remake, das vor allem für Fans des Originals Sinn ergibt.

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Dennis Adam
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Es gibt Spiele, die sind so sehr Kind ihrer Zeit, dass man sie sich kaum in einem modernen Gewand vorstellen kann. Lollipop Chainsaw aus dem Jahr 2012 war genau so ein Titel: Ein grelles, überdrehtes und herrlich respektloses Action-Spiel von Suda51 und James Gunn, das den B-Movie-Charme der 2000er Jahre perfekt einfing. Nun, 2024, serviert uns Dragami Games mit Lollipop Chainsaw RePOP eine Neuauflage. Doch die große Frage lautet: Ist das Spiel heute noch spielbar, oder ist es nur ein nostalgischer Zombie, der besser im Grab geblieben wäre?

Eines vorweg: Juliet Starling, die wohl schlagfertigste Cheerleaderin der Videospielgeschichte, hat nichts von ihrem Charme verloren. Die Prämisse – Juliet schnetzelt sich mit einer pinken Kettensäge durch eine Zombie-Apokalypse an ihrer Highschool, während der abgetrennte Kopf ihres Freundes Nick an ihrem Gürtel baumelt – ist auch nach zwölf Jahren noch so herrlich bekloppt, dass sie in der heutigen, oft sehr glattpolierten Gaming-Landschaft fast schon erfrischend wirkt.

Das Herzstück von RePOP ist das überarbeitete Kampfsystem. Wer das Original kennt, erinnert sich an ein etwas hakeliges, langsames Gameplay. Hier hat das Entwicklerteam spürbar nachgebessert. Die Angriffe fühlen sich nun deutlich direkter an, die Kombos gehen flüssiger von der Hand und das Trefferfeedback ist knackiger. Besonders das „Chain-Kill“-System, bei dem man mehrere Zombies gleichzeitig köpft, um Punkte zu sammeln, macht immer noch einen Heidenspaß. Es ist ein kurzweiliges „Hack-and-Slay“, das keine tiefgründigen Mechaniken braucht, um zu unterhalten.

Doch hier endet der Glanz leider auch schon fast. Wenn man RePOP startet, merkt man sofort, dass dies kein „Remake“ im Stile eines Resident Evil 4 ist. Es ist eher ein „Remaster Plus“. Die Texturen wurden zwar hochskaliert und die Auflösung auf moderne Standards gehoben, aber die zugrunde liegende Engine und die Animationen verraten das Alter des Spiels an jeder Ecke. Viele Zwischensequenzen wirken steif, die Mimik der Charaktere ist oft hölzern und die Umgebungen wirken trotz der hübscheren Beleuchtung leer und leblos.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Kamera. Was 2012 noch als „akzeptabel“ durchging, ist 2024 schlichtweg nervig. In den engen Korridoren der Highschool oder während der Bosskämpfe verliert man oft die Übersicht, weil die Kamera gegen Wände stößt oder Juliet in einem ungünstigen Winkel fixiert. Wenn man dann von einem Zombie-Horde-Ansturm überrannt wird, weil man schlicht nicht sehen konnte, woher der nächste Schlag kam, schlägt der Spielspaß schnell in Frust um.

Auch inhaltlich bietet RePOP wenig Neues. Es gibt zwar einen „RePOP-Modus“, der die Farben etwas poppiger gestaltet und die Schadenszahlen anpasst, aber im Kern spielt man exakt das gleiche Spiel wie vor über einem Jahrzehnt. Für den verlangten Preis ist das ein schwieriges Unterfangen. Wer das Original nie gespielt hat, könnte sich an der repetitiven Struktur stören – man läuft von A nach B, schnetzelt Zombies, schaut eine (zugegebenermaßen lustige) Cutscene, besiegt einen Boss, wiederholen. Das war 2012 okay, wirkt heute aber etwas aus der Zeit gefallen.

Was das Spiel jedoch rettet, ist sein unerschütterlicher Stil. Der Soundtrack, ein Mix aus Punk-Rock, Pop und elektronischen Beats, ist nach wie vor fantastisch und treibt einen durch die Level. Die Bosskämpfe, die jeweils einem Musikgenre zugeordnet sind, bleiben absolute Highlights. Wer sich auf den Humor einlassen kann – der zwischen pubertären Sprüchen und satirischer Gesellschaftskritik schwankt –, wird auch heute noch seinen Spaß haben.

Fazit: Lollipop Chainsaw RePOP ist ein Spiel für Fans, die sich nach einer Zeit zurücksehnen, in der Spiele noch „einfach nur Spaß machen“ durften, ohne sich um komplexe Skilltrees oder Open-World-Grind zu scheren. Es ist ein ehrliches, wenn auch technisch limitiertes Paket. Wer das Original liebt, wird sich über die flüssigere Steuerung freuen. Wer jedoch ein modernes Action-Epos erwartet, wird enttäuscht sein. Es ist ein bunter, blutiger Trip in die Vergangenheit – mit allen Ecken und Kanten, die dazugehören. Ein solider Zeitvertreib, aber kein Meisterwerk.

6.8
/10
OKAY

+ PRO

  • +Unvergleichlicher, herrlich absurder Humor und Stil
  • +Überarbeitetes Kampfsystem fühlt sich flüssiger an
  • +Soundtrack bleibt ein absolutes Highlight der Gaming-Geschichte

- CONTRA

  • -Technisch stellenweise sehr altbacken (Texturen und Animationen)
  • -Kameraführung in engen Arealen oft frustrierend
  • -Kaum nennenswerte neue Inhalte für den Vollpreis

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