Ein chaotischer Abschied von Arkham: Warum Suicide Squad am eigenen Konzept scheitert
Rocksteady verlässt das geliebte Arkham-Universum und liefert einen Loot-Shooter ab, der zwar spielerisch flutscht, aber in Sachen Story und Struktur enttäuscht. Ein gewagtes Experiment mit bitterem Beigeschmack.
Wenn ein Studio wie Rocksteady, das mit der Arkham-Reihe das Superhelden-Genre auf ein neues Level gehoben hat, ein neues Projekt ankündigt, sind die Erwartungen astronomisch. Suicide Squad: Kill The Justice League sollte der nächste große Wurf werden. Doch nach dem Durchspielen bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück: Man sieht das Potenzial eines AAA-Titels, aber man spürt an jeder Ecke den Druck, ein „Games-as-a-Service“-Produkt abzuliefern.
Die Stärken: Wenn es fließt, dann fließt es
Fangen wir mit dem Positiven an: Das Movement. Rocksteady hat verstanden, dass sich ein Spiel mit Charakteren wie Captain Boomerang oder Deadshot nicht wie ein klassischer Deckungsshooter anfühlen darf. Das Fortbewegen durch Metropolis ist eine Wucht. Wenn man mit Boomerangs Speed-Force-Handschuh durch die Häuserschluchten teleportiert oder mit King Shark wie ein wütender Hai durch die Luft segelt, macht das Spiel kurzzeitig richtig Spaß. Das Gunplay ist präzise, wuchtig und bietet durch die unterschiedlichen Waffenklassen ein solides Fundament.
Auch die Inszenierung ist – wie von Rocksteady gewohnt – auf einem hohen Niveau. Die Zwischensequenzen sind brillant animiert, der Humor ist bissig und die Chemie zwischen den vier Anti-Helden ist das Herzstück des Spiels. Es macht Spaß, den Dialogen zu lauschen, während man sich durch die Horden von Brainiacs schnetzelt.
Die Schwächen: Ein repetitives Hamsterrad
Hier endet der Spaß jedoch leider oft. Das größte Problem von Suicide Squad ist das Missionsdesign. Wer gehofft hat, komplexe, abwechslungsreiche Missionen in der Tradition von Arkham Knight zu erleben, wird bitter enttäuscht. Die Struktur ist erschreckend simpel: Gehe zu Punkt A, verteidige einen Bereich, sammle Gegenstände ein, töte Welle X. Das wiederholt sich über die gesamte Spielzeit hinweg so oft, dass man irgendwann auf Autopilot schaltet.
Dazu kommt die Live-Service-Komponente. Überall im Spiel finden sich Menüs, Währungen, Battle-Pass-Elemente und Loot-Stufen, die sich anfühlen, als wären sie nachträglich in ein Spiel gepresst worden, das eigentlich eine fokussierte Singleplayer-Erfahrung hätte sein sollen. Die Welt von Metropolis wirkt zwar optisch beeindruckend, ist aber spielerisch leer. Es gibt kaum organische Interaktionen; die Stadt ist lediglich eine Arena für immer gleiche Schießereien.
Die Story: Ein Schlag in die Magengrube
Die Handlung ist ein zweischneidiges Schwert. Die Prämisse – die Justice League ist korrumpiert und wir müssen sie ausschalten – ist mutig. Doch die Art und Weise, wie einige der ikonischsten Helden der Popkultur abgefertigt werden, wirkt oft eher wie ein billiger Schockeffekt als wie eine erzählerische Notwendigkeit. Fans der Arkham-Reihe werden zudem mit einem bitteren Nachgeschmack zurückgelassen, wenn sie sehen, wie das Vermächtnis von Batman in diesem Spiel behandelt wird. Es fühlt sich nicht wie eine würdige Fortsetzung an, sondern wie ein bewusstes Dekonstruieren, das den Respekt vor dem Ausgangsmaterial vermissen lässt.
Fazit: Ein Spiel für zwischendurch, aber kein Meisterwerk
Suicide Squad: Kill The Justice League ist kein Totalausfall, aber es ist weit davon entfernt, das nächste große Ding zu sein. Es ist ein kompetenter Loot-Shooter mit einem fantastischen Movement-System, der jedoch unter einer lieblosen Missionsstruktur und einer Live-Service-Philosophie leidet, die den Spielspaß eher bremst als fördert.
Wer einfach nur mit Freunden ein bisschen Chaos stiften will und ein Fan von schnellem, arcadigem Gameplay ist, wird hier durchaus seine Freude haben – vorausgesetzt, man kann über die repetitiven Aufgaben hinwegsehen. Wer jedoch eine tiefgründige Story oder die spielerische Brillanz eines Arkham City erwartet, sollte seine Erwartungen massiv herunterschrauben. Rocksteady hat sich hier leider in den Anforderungen des modernen Marktes verloren, anstatt sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Es ist ein unterhaltsames Spiel für ein paar Stunden, aber sicher kein Klassiker, der in die Geschichtsbücher eingehen wird.
+ PRO
- +Exzellentes Movement-System, das sich flüssig und intuitiv anfühlt.
- +Die Zwischensequenzen bieten erstklassiges Voice-Acting und gewohnt hohe Produktionsqualität.
- +Die Charakterdynamik zwischen Harley, Deadshot, Boomerang und King Shark sorgt für humorvolle Momente.
- CONTRA
- -Repetitives Missionsdesign, das sich nach wenigen Stunden wie Arbeit anfühlt.
- -Die Live-Service-Struktur wirkt aufgesetzt und verwässert die narrative Tiefe.
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