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Ente gut, alles gut? Warum dieser Detektiv trotz Schnabel-Charme Federn lässt
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Ente gut, alles gut? Warum dieser Detektiv trotz Schnabel-Charme Federn lässt

In „Duck Detective: The Secret Salami“ schlüpfen wir in die Rolle eines frustrierten, brotkrumen-süchtigen Ermittlers. Ein charmantes Kurz-Abenteuer, das zwar mit Witz punktet, aber spielerisch kaum über die Oberfläche hinausgeht.

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Dennis Adam
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Wenn man an Detektivspiele denkt, kommen einem meist düstere Noir-Klassiker wie Grim Fandango oder komplexe Fälle wie in Return of the Obra Dinn in den Sinn. Duck Detective: The Secret Salami nimmt dieses Genre, steckt es in ein flauschiges Entenkostüm und serviert uns eine Geschichte, die so absurd ist, dass sie schon wieder brillant wirkt. Doch kann ein Spiel, das sich selbst nicht ernst nimmt, auch als vollwertiges Erlebnis überzeugen?

Ein Schnabel für Gerechtigkeit

Die Prämisse ist herrlich banal: Wir spielen Eugene McQuacklin, einen Detektiv, der nicht nur ein Alkoholproblem (oder besser gesagt: ein Problem mit Brot und Salami) hat, sondern auch seine Frau verlassen hat und kurz vor der Zwangsräumung steht. Ein neuer Fall in einem Bürogebäude soll das Ruder herumreißen. Was folgt, ist eine Ermittlung, die so skurril ist, dass man sie einfach lieben muss.

Das Writing ist zweifellos das Herzstück von Duck Detective. Die Dialoge sind messerscharf, voller trockenem Humor und Anspielungen, die den Spieler immer wieder schmunzeln lassen. Man merkt dem Entwicklerteam von Happy Broccoli Games an, dass hier viel Liebe in die Charakterisierung der tierischen Protagonisten geflossen ist. Jedes Gespräch fühlt sich wie ein kleiner Sketch an, und die Interaktionen mit den anderen Büroangestellten – allesamt Tiere in Menschenkleidung – sind das absolute Highlight des Spiels.

Spielerisch auf Sparflamme

Hier kommt jedoch der Punkt, an dem die Begeisterung ein wenig abkühlt. Duck Detective versteht sich als „Casual“-Titel, und das nimmt das Spiel sehr wörtlich. Die „Detektivarbeit“ besteht im Wesentlichen daraus, Räume nach Hinweisen abzusuchen, die man dann in einem Lückentext-System kombiniert.

Das Problem dabei: Es ist fast unmöglich, hier zu scheitern. Wenn man die richtigen Begriffe für den Lückentext gefunden hat, wird man vom Spiel förmlich an die Hand genommen. Wer eine echte Herausforderung sucht, bei der man um die Ecke denken muss, wird hier enttäuscht. Es gibt keine Sackgassen, keine komplexen Kombinationsrätsel und keine echte Gefahr, den Fall zu vermasseln. Das Spiel spielt sich eher wie eine interaktive Graphic Novel als wie ein klassisches Adventure. Das ist für einen entspannten Feierabend völlig in Ordnung, aber für Spieler, die gerne ihre grauen Zellen anstrengen, ist das schlicht zu wenig.

Optik und Akustik: Ein Fest für die Augen

Visuell ist Duck Detective ein echter Hingucker. Der 2.5D-Stil, bei dem flache, papierartige Charaktere durch eine dreidimensionale Umgebung wandern, erinnert an Paper Mario und verleiht dem Spiel einen ganz eigenen, charmanten Look. Die Animationen sind bewusst hölzern und unterstreichen den komödiantischen Ton des Spiels. Auch der Soundtrack passt perfekt: jazzige, leicht melancholische Klänge, die das Detektiv-Flair unterstreichen, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Die bittere Pille: Der Umfang

Der größte Kritikpunkt ist jedoch die Spielzeit. Nach etwa zwei bis drei Stunden flimmert bereits der Abspann über den Bildschirm. Für den verlangten Preis ist das ein stolzer Betrag für ein Erlebnis, das man an einem einzigen Nachmittag durchspielt. Da es keine alternativen Lösungswege oder nennenswerte Entscheidungen gibt, die das Ende beeinflussen, gibt es auch kaum einen Grund, das Spiel ein zweites Mal zu starten.

Man hat das Gefühl, dass die Welt von Eugene McQuacklin noch so viel mehr zu bieten hätte. Die Charaktere sind so liebevoll gestaltet, dass man sich wünscht, man könnte noch tiefer in ihre Geschichten eintauchen. Stattdessen endet das Abenteuer abrupt, gerade wenn man sich richtig in das Büro-Chaos eingelebt hat.

Fazit

Duck Detective: The Secret Salami ist ein charmantes, witziges und visuell ansprechendes Spiel, das perfekt für zwischendurch geeignet ist. Wer eine humorvolle Geschichte sucht und keine Lust auf komplexe Rätsel hat, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Es ist ein Spiel, das man wie einen guten Kurzfilm konsumiert: Man genießt die Zeit, lacht über die Pointen und ist am Ende ein wenig traurig, dass es schon vorbei ist.

Wer jedoch spielerische Tiefe, eine lange Spieldauer oder echte Herausforderungen erwartet, sollte seine Erwartungen drosseln. Duck Detective ist kein Spiel, das man wegen seines Gameplays spielt, sondern wegen seines Herzens und seines Humors. Für Fans von pointierten Dialogen und skurrilem Indie-Charme ist es dennoch eine klare Empfehlung – auch wenn es spielerisch eher ein Entenküken als ein ausgewachsener Erpel ist.

7.2
/10
GUT

+ PRO

  • +Fantastisches, trockenes Writing mit echtem Lachgarantie-Potenzial
  • +Einzigartiger, papierartiger Grafikstil, der perfekt zum Setting passt
  • +Sehr zugängliche Spielmechanik, ideal für einen entspannten Abend

- CONTRA

  • -Deutlich zu kurz: Das Abenteuer endet, bevor es richtig Fahrt aufnimmt
  • -Mechanisch sehr simpel; echte Rätsel-Herausforderungen fehlen fast völlig
  • -Kaum Wiederspielwert nach dem ersten Durchgang

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