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Mit Vollgas durch den Pixel-Dreck: Warum Pepper Grinder süchtig macht
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Mit Vollgas durch den Pixel-Dreck: Warum Pepper Grinder süchtig macht

Pepper Grinder ist ein rasanter 2D-Platformer, der das Bohren zur Kunstform erhebt. Ein kurzes, aber intensives Abenteuer, das frischen Wind in das Genre bringt.

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Dennis Adam
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Es gibt diese Spiele, bei denen man schon nach den ersten fünf Minuten merkt: Hier haben die Entwickler eine Idee gehabt, die nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern sich in den Fingern einfach „richtig“ anfühlt. Pepper Grinder ist genau so ein Titel. Entwickler Ahr Ech und Publisher Devolver Digital liefern uns hier einen 2D-Platformer, der sich anfühlt, als hätte man Sonic the Hedgehog mit einem industriellen Erdbohrer gekreuzt und das Ganze in eine knallbunte, pixelige Welt geworfen.

Das Kernkonzept ist so simpel wie genial: Wir steuern Pepper, eine abenteuerlustige Protagonistin, die nach einem Schiffbruch auf einer mysteriösen Insel strandet. Ihr wichtigstes Werkzeug? „Grinder“, ein riesiger, modifizierter Bohrer. Anstatt wie in klassischen Platformern nur zu rennen und zu springen, ist der Bohrer unser primäres Fortbewegungsmittel. Wir tauchen in sandige Untergründe ein, schießen durch den Boden wie ein Fisch durchs Wasser und nutzen den Schwung, um über Abgründe zu katapultieren.

Das Spielgefühl ist dabei das absolute Highlight. Wenn man den richtigen Rhythmus findet – das Eintauchen, das kurze Beschleunigen im Boden, der punktgenaue Absprung aus der Wand – fühlt man sich wie ein Akrobat. Die Steuerung ist präzise, was auch zwingend notwendig ist, denn Pepper Grinder verlangt einem in späteren Levels einiges an Timing ab. Es gibt Momente, in denen man durch eine komplexe Passage aus Sand, Hindernissen und Gegnern rast, und das Spiel fühlt sich fast wie ein Rhythmus-Spiel an. Wer hier den Flow verliert, landet meistens direkt in einer Stachelfalle.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Mein größter Kritikpunkt ist der Umfang. Nach etwa drei bis vier Stunden flimmert bereits der Abspann über den Bildschirm. Für ein Spiel, das so viel Spaß macht, fühlt sich das Ende fast ein wenig abrupt an. Zwar gibt es versteckte Münzen und einen „Time Attack“-Modus, der den Wiederspielwert für Speedrunner deutlich erhöht, aber für den Gelegenheitsspieler könnte sich der Preis von knapp 15 Euro für einen so kurzen Ausflug etwas happig anfühlen.

Auch bei den Bosskämpfen hätte ich mir etwas mehr Varianz gewünscht. Während die normalen Level vor kreativen Ideen nur so sprühen – mal steuern wir ein Geschütz, mal ein Schneemobil, mal müssen wir komplexe Rätsel lösen –, wirken die Bosse etwas konventionell. Sie folgen meist einem klassischen „Ausweichen, warten, bis die Schwachstelle erscheint, angreifen“-Muster. Das ist solide, aber im Vergleich zur innovativen Fortbewegung mit dem Bohrer wirken diese Kämpfe fast schon wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Optisch macht Pepper Grinder jedoch alles richtig. Der Pixel-Art-Stil ist detailverliebt, die Animationen sind flüssig und die Welt wirkt trotz der begrenzten Größe lebendig. Die Musik unterstreicht das chaotische, schnelle Gameplay perfekt und treibt einen immer wieder dazu an, noch eine Kurve schneller zu nehmen oder noch einen Sprung mehr zu wagen.

Ein weiterer Punkt, den man positiv hervorheben muss: Der Schwierigkeitsgrad ist fair. Ja, man stirbt oft. Aber die Respawns sind nahezu instantan. Es gibt keine langen Ladezeiten, kein frustrierendes Zurücklaufen. Man landet direkt wieder vor der schwierigen Passage und kann es sofort erneut versuchen. Das ist ein Design-Prinzip, das viele moderne Platformer leider vergessen haben, das hier aber den Unterschied zwischen „Ich werfe den Controller aus dem Fenster“ und „Nur noch einen Versuch!“ ausmacht.

Fazit: Pepper Grinder ist kein Spiel, das das Genre neu erfindet, aber es nimmt eine bestehende Mechanik und perfektioniert sie. Es ist eine kurze, knackige Achterbahnfahrt, die vor allem durch ihr fantastisches Movement-System besticht. Wer über die kurze Spielzeit hinwegsehen kann und Lust auf ein Spiel hat, das einen in einen echten „Flow-Zustand“ versetzt, der kommt an diesem Bohrer-Abenteuer nicht vorbei. Es ist ein kleiner, dreckiger, wunderbarer Spaß – und manchmal ist genau das alles, was man nach einem langen Arbeitstag braucht.

Für EndeNews.de bleibt Pepper Grinder ein Geheimtipp für alle, die Präzision und Geschwindigkeit lieben. Ein solider 8.2er Titel, der Lust auf mehr macht – hoffentlich sehen wir in Zukunft ein Sequel, das den Umfang noch ein wenig ausbaut.

8.2
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Einzigartige und extrem befriedigende Bohrmechanik
  • +Herausragendes Leveldesign mit hohem Wiederspielwert
  • +Visuell ansprechender Pixel-Art-Stil mit viel Charakter

- CONTRA

  • -Der Umfang ist mit ca. 3-4 Stunden etwas knapp bemessen
  • -Die Bosskämpfe wirken im Vergleich zum restlichen Gameplay teils etwas repetitiv

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