Wenn Pachinko auf den Dungeon-Crawler trifft: Warum Peglin süchtig macht und gleichzeitig wahnsinnig
Peglin kombiniert das klassische Glücksspiel-Prinzip von Pachinko mit knallharter Roguelike-Strategie. Ein süchtig machender Mix, der jedoch nicht ganz ohne Frustmomente auskommt.
Es gibt diese Spiele, bei denen man sich fragt: „Warum ist da eigentlich noch niemand früher drauf gekommen?“ Peglin ist genau so ein Titel. Die Prämisse klingt auf dem Papier fast schon absurd: Man nehme das japanische Glücksspiel-Phänomen Pachinko, kreuze es mit einem klassischen Dungeon-Crawler im Stil von Slay the Spire und verpacke das Ganze in eine niedliche Fantasy-Optik. Das Ergebnis ist ein Spiel, das mich in den letzten Wochen gleichermaßen begeistert wie in den Wahnsinn getrieben hat.
Das Spielprinzip: Mehr als nur Glück
In Peglin schlüpft ihr in die Rolle eines kleinen Goblins, der sich durch verschiedene Ebenen eines Dungeons kämpft. Statt jedoch rundenbasierte Karten zu spielen oder direkt zuzuschlagen, feuert ihr Kugeln auf ein Spielfeld voller Hindernisse – die sogenannten „Pegs“. Je mehr Pegs ihr trefft, desto mehr Schaden richtet ihr an den Gegnern an. Klingt simpel? Ist es auch, aber genau hier liegt die Falle.
Die strategische Tiefe entsteht durch das Deck-Building-Element. Ihr sammelt im Laufe des Runs neue Kugeln mit unterschiedlichen Eigenschaften: Manche explodieren bei Kontakt, andere teilen sich auf oder verursachen kritische Treffer, wenn sie bestimmte Pegs treffen. Die Synergien zwischen den Kugeln und den passiven Relikten, die ihr im Dungeon findet, sind das Herzstück des Spiels. Wenn man eine Kombination findet, die das halbe Spielfeld in einer Kettenreaktion abräumt, fühlt man sich wie ein Genie.
Die Schattenseite des Zufalls
Doch hier muss ich als Journalist auch den Finger in die Wunde legen: Peglin ist ein Spiel, das den Spieler oft an der Nase herumführt. Da das Spiel auf Physik basiert, ist ein gewisser Grad an Unvorhersehbarkeit gewollt. Aber es gibt Momente, in denen die Physik-Engine sich gegen einen verschwört. Wenn die Kugel, die über Sieg oder Niederlage entscheidet, durch einen unglücklichen Abpraller direkt in den „Aus“-Kanal rollt, ohne auch nur einen einzigen Gegner zu treffen, dann ist das frustrierend.
Das Balancing ist ein weiteres Thema. Einige Kugeln sind schlichtweg so viel mächtiger als andere, dass man sich bei einem „schlechten“ Drop in den ersten Ebenen oft schon fast geschlagen geben kann. Während Slay the Spire durch geschicktes Deck-Management fast immer einen Ausweg bietet, ist man in Peglin manchmal einfach dem Pech ausgeliefert. Das ist für ein Roguelike zwar typisch, aber in einem Spiel, das sich so sehr auf physikalische Zufälle stützt, fühlt es sich manchmal unfair an.
Optik und Sound: Zweckmäßig, aber charmant
Grafisch gewinnt Peglin sicher keinen Preis für die modernste Engine. Der minimalistische Pixel-Art-Stil ist jedoch zweckmäßig und passt hervorragend zum entspannten, fast schon meditativen Charakter des Spiels – zumindest bis der Bosskampf beginnt. Der Soundtrack ist eingängig, kann aber auf Dauer etwas repetitiv werden. Nach zehn Stunden Spielzeit habe ich mich dabei ertappt, die Musik stummzuschalten und stattdessen einen Podcast zu hören.
Warum man es trotzdem spielen sollte
Trotz der Kritikpunkte ist Peglin ein absoluter Zeitfresser. Es ist das perfekte Spiel für zwischendurch. Eine Runde dauert selten länger als 30 bis 45 Minuten, was es ideal für die Mittagspause oder den Feierabend macht. Der „Nur noch ein Run“-Effekt ist extrem stark ausgeprägt. Wenn man dann endlich den perfekten Build gefunden hat, der den Endboss mit einer einzigen, gigantischen Kugel-Kettenreaktion in den Staub schickt, vergisst man den Frust der vorherigen Niederlagen sofort wieder.
Fazit
Peglin ist kein Spiel für Perfektionisten, die absolute Kontrolle über jeden Spielzug haben wollen. Es ist ein Spiel für Leute, die das Risiko lieben, die gerne experimentieren und die eine gesunde Portion Humor mitbringen, wenn die Physik-Engine mal wieder gegen sie arbeitet. Es ist eine erfrischende Abwechslung im Roguelike-Genre, die zeigt, dass man mit einer simplen Idee und einer Prise Mut Großes erreichen kann.
Wer über die gelegentlichen Frustmomente hinwegsehen kann und den Mix aus Pachinko-Chaos und strategischem Aufbau mag, wird mit Peglin hunderte Stunden Spaß haben. Es ist kein Meisterwerk, aber es ist ein verdammt unterhaltsamer Zeitvertreib, der in keiner Steam-Bibliothek fehlen sollte, wenn man auf der Suche nach einer kurzweiligen Herausforderung ist.
Von mir gibt es eine klare Empfehlung – aber legt euch zur Sicherheit ein zweites Mauspad bereit, falls die Wut über einen verpatzten Abpraller doch mal zu groß wird.
+ PRO
- +Einzigartige Spielmechanik, die Genre-Grenzen sprengt
- +Hoher Wiederspielwert durch zufallsgenerierte Runs
- +Charmantes, minimalistisches Art-Design
- CONTRA
- -Der Glücksfaktor kann bei Bosskämpfen frustrierend sein
- -Das Balancing der verschiedenen Kugeln ist noch nicht perfekt
- -Langzeitmotivation leidet unter repetitiven Umgebungen
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