Zwischen historischem Bombast und grindigem Grabenkrieg: Enlisted: Reinforced im Test
Darkflow Software poliert ihren Squad-basierten Shooter auf Hochglanz, doch hinter der beeindruckenden Grafik und dem massiven Umfang verbirgt sich ein zweischneidiges Schwert aus Spielspaß und knallhartem Grind.
Wenn man an Weltkriegs-Shooter denkt, fallen meist Namen wie Battlefield oder Hell Let Loose. Doch seit einiger Zeit mischt Enlisted – nun in der überarbeiteten Version Reinforced – kräftig mit. Das Konzept ist so simpel wie genial: Statt nur einen Soldaten zu steuern, befehligt man einen ganzen Trupp. Stirbt der eigene Charakter, übernimmt man sofort den nächsten KI-Kameraden aus dem Squad. Das klingt nach Chaos, spielt sich aber oft wie ein taktisches Ballett. Doch ist Enlisted: Reinforced im Jahr 2024 wirklich die Offenbarung, auf die wir gewartet haben?
Das Schlachtfeld als Spielwiese
Die Stärke von Enlisted liegt zweifellos in seiner Atmosphäre. Wenn man in der Normandie an den Strand stürmt oder durch die Ruinen von Berlin kriecht, während Artillerie den Bildschirm erschüttert und die Soundkulisse einem die Ohren klingeln lässt, dann ist das „Mittendrin-Gefühl“ absolut erstklassig. Die Grafik-Engine leistet ganze Arbeit, besonders bei der Darstellung von Lichteffekten und Zerstörung.
Das neue „Reinforced“-Update hat die ehemals getrennten Kampagnen in ein einheitliches Fortschrittssystem überführt. Das war längst überfällig. Früher war man gezwungen, sich für eine Front zu entscheiden, was die Spielerbasis unnötig zersplitterte. Jetzt ist alles in einem großen Pool vereint, was die Wartezeiten verkürzt und die Vielfalt der Karten deutlich erhöht.
Taktik trifft auf KI-Wahnsinn
Das Herzstück – das Squad-System – ist gleichzeitig Segen und Fluch. Es ist ein fantastisches Gefühl, wenn man mit seinem Trupp eine Flanke sichert, während die KI-Kameraden Deckung geben. Doch wehe, man verlässt sich zu sehr auf sie. Die KI in Enlisted ist ein ständiger Quell der Frustration. Da rennen meine Soldaten seelenruhig in offene Feuerlinien, bleiben an Türrahmen hängen oder ignorieren Gegner, die direkt vor ihrer Nase stehen. Man muss die KI ständig mikromanagen, was in hitzigen Gefechten oft zu Tode führt, weil man gerade damit beschäftigt ist, seinen Trupp in eine halbwegs sinnvolle Position zu befehlen.
Der Grind: Die dunkle Seite der Medaille
Hier kommen wir zum kritischen Punkt: Enlisted ist ein Free-to-Play-Titel, und das lässt er den Spieler bei jeder Gelegenheit spüren. Das Fortschrittssystem ist ein Paradebeispiel für „Pay-to-Progress“. Wer nicht bereit ist, massiv Zeit zu investieren oder Geld für Premium-Accounts und Squad-Upgrades in die Hand zu nehmen, wird schnell frustriert.
Die Diskrepanz zwischen einem neuen Spieler, der mit einem Standard-Karabiner in den Kampf zieht, und einem Veteranen, der mit voll aufgerüsteten Sturmgewehren und Panzern der Stufe IV auftaucht, ist eklatant. Das Matchmaking versucht zwar, das auszugleichen, aber in der Praxis fühlt man sich als Anfänger oft wie Kanonenfutter. Man grindet sich durch unzählige Runden, nur um ein minimal besseres Visier oder eine leicht verbesserte Munition freizuschalten. Das motiviert auf Dauer nur bedingt und fühlt sich eher nach Arbeit als nach Freizeit an.
Authentizität vs. Spielspaß
Positiv hervorzuheben ist die Detailverliebtheit. Die Waffen fühlen sich schwer und wuchtig an, die Uniformen sind historisch akkurat und die Karten sind so gestaltet, dass sie echte Schlachtfelder widerspiegeln. Man merkt, dass die Entwickler bei Darkflow Software ein tiefes Verständnis für die Materie haben.
Dennoch: Die Balance ist ein ständiges Auf und Ab. Panzer können in den richtigen Händen ganze Teams dominieren, während man als Infanterist oft nur zuschauen kann, wie man in Stücke gerissen wird, wenn man nicht gerade das Glück hat, einen Sprengsatz dabei zu haben. Die „Reinforced“-Version hat zwar viele Fehler der Vergangenheit korrigiert, aber das Balancing der verschiedenen Fraktionen bleibt ein ewiges Fass ohne Boden.
Fazit: Für wen lohnt es sich?
Enlisted: Reinforced ist ein Spiel für Leute, die den historischen Kontext lieben und sich an großen, chaotischen Schlachten erfreuen können, ohne dass es so langsam und „simulationslastig“ wie Hell Let Loose sein muss. Es ist actiongeladen, sieht fantastisch aus und bietet durch das Squad-System eine taktische Tiefe, die man so in kaum einem anderen Shooter findet.
Wer jedoch eine faire, kompetitive Erfahrung sucht, bei der Skill über Ausrüstung entscheidet, wird hier schnell an seine Grenzen stoßen. Der Grind ist hart, die KI ist oft dumm und das Monetarisierungsmodell ist aggressiv. Wenn man jedoch bereit ist, das Spiel als das zu sehen, was es ist – ein kurzweiliger, atmosphärischer Weltkriegs-Shooter für zwischendurch –, dann kann man hier durchaus einige hundert Stunden Spaß haben. Man sollte nur nicht erwarten, dass einem der Sieg geschenkt wird.
Enlisted: Reinforced ist ein Rohdiamant, der zwar poliert wurde, aber immer noch einige Ecken und Kanten hat, die den Spielspaß trüben. Ein solider Shooter, der sein volles Potenzial leider hinter einer Paywall und einem grindigen Fortschrittssystem versteckt.
+ PRO
- +Einzigartiges Squad-System sorgt für dynamische und taktische Gefechte
- +Beeindruckende Soundkulisse und authentische Waffenmodelle
- +Enormer Umfang durch die Zusammenführung aller Kampagnen
- CONTRA
- -Extrem aggressives Free-to-Play-Modell mit frustrierendem Grind
- -Teilweise unausgewogenes Matchmaking gegen Veteranen mit High-End-Equipment
- -KI-Begleiter agieren oft unvorhersehbar oder schlichtweg dumm
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