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Absolum: Ein audiovisueller Rausch mit Stolpersteinen im Spieldesign
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Absolum: Ein audiovisueller Rausch mit Stolpersteinen im Spieldesign

Absolum ist ein surrealer Indie-Trip, der durch seine beklemmende Atmosphäre und einen hypnotischen Soundtrack besticht, sich jedoch in repetitiven Mechaniken verliert. Ein Spiel für Ästheten, die über spielerische Schwächen hinwegsehen können.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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SPIEL Absolum
ENTWICKLER Unbekannt
PUBLISHER Unbekannt
RELEASE 1. August 2025
PLATTFORMEN: PC | PS5 | Xbox Series X|S

Es gibt Spiele, die man spielt, um zu gewinnen, und es gibt Spiele, die man erlebt, um sich in ihnen zu verlieren. Absolum, der neueste Indie-Titel aus dem Jahr 2025, gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Wenn man das Spiel startet, wird man nicht mit einem Tutorial oder einer klassischen Heldenreise begrüßt, sondern in eine Welt geworfen, die sich anfühlt wie ein Fiebertraum, den man nicht kontrollieren kann. Doch ist dieser Trip das Geld wert, oder bleibt es bei einer bloßen Stilübung?

Eine Welt, die atmet

Das Erste, was bei Absolum auffällt, ist die visuelle Identität. Die Entwickler haben hier ein Artdesign gewählt, das irgendwo zwischen David Lynchs surrealen Alpträumen und moderner, minimalistischer Architektur angesiedelt ist. Die Farbpalette ist bewusst entsättigt, wird aber immer wieder durch grelle, fast schon aggressive Lichteffekte durchbrochen, die den Spieler desorientieren sollen. Das funktioniert hervorragend. Man fühlt sich in Absolum nie sicher, und genau das ist die Stärke des Spiels.

Auch der Soundtrack verdient ein gesondertes Lob. Die Klangkulisse besteht aus einer Mischung aus tiefen, vibrierenden Bässen und disharmonischen Synthesizer-Klängen, die sich perfekt an die Umgebung anpassen. Wenn man einen neuen Raum betritt, verändert sich die Musik subtil, baut Spannung auf oder entlädt sie in einem Moment der Stille. Hier zeigt sich, dass Indie-Entwickler oft ein besseres Gespür für Atmosphäre haben als so manches AAA-Studio mit Millionenbudget.

Wenn der Flow ins Stocken gerät

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – und bei Absolum sind diese Schatten leider manchmal etwas zu lang. Das Spiel leidet unter einer gravierenden Schwäche: dem Pacing. Während die erste Stunde noch vor Neugier und Entdeckungslust strotzt, verfällt das Spiel ab der Mitte in eine unangenehme Repetitivität. Man verbringt zu viel Zeit damit, in den immer gleichen, düsteren Korridoren nach Schlüsseln oder Schaltern zu suchen, deren Funktion sich erst nach einer Ewigkeit erschließt.

Besonders frustrierend wird es, wenn das Spiel versucht, Action-Elemente einzubauen. Absolum ist kein Action-Spiel, und das merkt man in jeder Sekunde, in der man gezwungen ist, vor einem Gegner zu fliehen oder eine Sprungpassage zu meistern. Die Steuerung fühlt sich schwammig an, fast so, als würde man den Protagonisten durch einen Wackelpudding steuern. In einem Spiel, das so sehr auf Immersion setzt, ist ein unpräzises Movement ein absoluter Stimmungskiller. Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, wie ich frustriert den Controller zur Seite legte, weil ich zum fünften Mal an derselben Kante hängengeblieben bin.

Narrative Tiefe oder prätentiöses Rätselraten?

Die Geschichte von Absolum wird nicht durch lange Dialoge oder Zwischensequenzen erzählt, sondern durch die Umgebung selbst. Überall finden sich kryptische Notizen, Symbole an den Wänden und Objekte, die eine Geschichte andeuten, ohne sie explizit auszusprechen. Das ist mutig und erfordert vom Spieler eine gewisse Bereitschaft, sich auf die Interpretation einzulassen.

Manche Spieler werden das als „tiefgründig“ bezeichnen, andere als „prätentiös“. Ich persönlich fand den Ansatz erfrischend, auch wenn ich mir manchmal ein wenig mehr Kontext gewünscht hätte. Gegen Ende des Spiels verliert sich die Erzählung jedoch ein wenig in ihrer eigenen Abstraktion. Man hat das Gefühl, die Entwickler wollten so sehr „künstlerisch“ sein, dass sie darüber vergessen haben, eine in sich schlüssige Auflösung zu bieten. Das Ende hinterlässt einen eher ratlos als nachdenklich.

Fazit: Ein Trip mit Schlaglöchern

Absolum ist kein Spiel für jeden. Wer ein flüssiges Gameplay und eine klare, strukturierte Story sucht, wird hier nicht glücklich werden. Wer sich jedoch auf ein audiovisuelles Experiment einlassen möchte und bereit ist, über spielerische Mängel hinwegzusehen, der findet hier ein Erlebnis, das noch lange nachwirkt.

Die technische Seite ist leider auch nicht ganz frei von Fehlern. Auf meinem Test-PC kam es bei schnellen Kamerabewegungen immer wieder zu Framerate-Einbrüchen, was in einem Spiel, das so sehr auf visuelle Präzision setzt, einfach nicht passieren sollte. Hier müssen die Entwickler mit Patches dringend nachbessern.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Absolum ist ein mutiges Indie-Projekt, das in Sachen Atmosphäre neue Maßstäbe setzt, aber am eigenen Anspruch und einem etwas zu zähen Spieldesign scheitert. Es ist ein Spiel, das man für seine Ambitionen respektiert, auch wenn man es nicht immer gerne spielt. Für Fans von surrealem Horror ist es dennoch einen Blick wert – am besten im Sale.

7
/10
GUT

+ PRO

  • +Herausragendes, düsteres Art-Design mit hohem Wiedererkennungswert
  • +Ein Soundtrack, der unter die Haut geht und das Pacing perfekt unterstützt
  • +Mutige, narrative Ansätze, die den Spieler zur Interpretation zwingen

- CONTRA

  • -Zähe Spielmechaniken im Mittelteil, die den Spielfluss unnötig ausbremsen
  • -Ungenaue Steuerung in den wenigen, aber frustrierenden Action-Passagen
  • -Technisch unsaubere Performance auf schwächerer Hardware

FAZIT

Ein audiovisuell beeindruckendes Indie-Experiment, das durch Atmosphäre und Soundtrack besticht, aber an zähem Pacing und unpräziser Steuerung leidet. Für Fans surrealen Horrors einen Blick wert – am besten im Sale.

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