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Ein melancholischer Tanz auf den Trümmern einer sterbenden Welt
Reviews

Ein melancholischer Tanz auf den Trümmern einer sterbenden Welt

Ender Magnolia: Bloom in the Mist knüpft als geistiger Nachfolger von Ender Lilies an die düstere Metroidvania-Formel an und verfeinert das Kampfsystem durch ein komplexes Begleiter-System. Ein atmosphärisches Meisterwerk mit kleinen Ecken und Kanten.

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Tommes Parzl
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SPIEL Ender Magnolia: Bloom in the Mist
ENTWICKLER Adglobe
PUBLISHER Binary Haze Interactive
RELEASE 22. Januar 2025
PLATTFORMEN: PC | PS5 | PS4 | Xbox Series X|S | Switch

Wenn man den ersten Teil, Ender Lilies: Quietus of the Knights, gespielt hat, weiß man, was einen erwartet: Eine Welt, die in ihrer eigenen Traurigkeit ertrinkt, untermalt von einer Musik, die einem das Herz bricht, während man sich durch Horden von entstellten Kreaturen schnetzelt. Ender Magnolia: Bloom in the Mist tritt ein schweres Erbe an, doch nach den ersten Stunden im Land der Dämpfe wird klar: Die Entwickler von Adglobe haben nicht einfach nur kopiert, sondern das Fundament sinnvoll erweitert.

Die Mechanik des Schmerzes

Das Herzstück von Ender Magnolia ist das Kampfsystem. Während wir im Vorgänger noch als zerbrechliches Mädchen Lily agierten, das sich vollkommen auf die Geister der gefallenen Ritter verlassen musste, steuern wir nun Lilac. Sie ist zwar ebenfalls keine klassische Kriegerin, kann aber durch die Bindung zu den sogenannten Homunkuli eine beeindruckende Palette an Angriffen entfesseln.

Das Geniale daran: Ihr könnt eure Ausrüstung – also eure Begleiter – jederzeit anpassen. Das Spiel belohnt Experimentierfreude. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich vor einem Bosskampf minutenlang meine Geister-Kombinationen optimiert habe, um sowohl Fernkampf-Optionen als auch schnelle Nahkampf-Combos abzudecken. Das fühlt sich deutlich dynamischer an als im Vorgänger. Die Kämpfe sind fordernd, aber selten unfair. Wenn man stirbt, dann meist, weil man das Angriffsmuster des Gegners ignoriert hat, nicht wegen einer schwammigen Steuerung.

Eine Welt, die atmet (und blutet)

Visuell ist das Spiel eine Wucht. Die handgezeichneten Hintergründe wirken wie ein düsteres Märchenbuch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die “Land of Fumes” fühlen sich durch die giftigen Nebelschwaden und die verfallende Architektur lebendiger an als die Areale des ersten Teils.

Doch hier liegt auch einer meiner Kritikpunkte: Die Orientierung. Metroidvanias leben von ihrem Leveldesign, und Ender Magnolia ist hier sehr ambitioniert. Die Karte ist riesig, was einerseits toll ist, andererseits aber in der Mitte des Spiels zu einer gewissen “Backtracking-Müdigkeit” führt. Wenn man für eine neue Fähigkeit durch drei bereits bekannte, aber nun leicht veränderte Gebiete laufen muss, verliert der Spielfluss spürbar an Fahrt. Hier hätten ein paar mehr Schnellreisepunkte oder intuitivere Abkürzungen Wunder gewirkt.

Die Erzählung: Zwischen Genie und Rätsel

Die Geschichte wird – typisch für das Genre – eher fragmentarisch erzählt. Man findet Notizen, spricht mit NPCs, die mehr verbergen als sie preisgeben, und setzt die Puzzleteile der Lore selbst zusammen. Das ist atmosphärisch sehr dicht, kann aber auch frustrierend sein. Wer eine klare, lineare Handlung sucht, wird hier nicht fündig. Ich persönlich liebe diesen Ansatz, aber ich verstehe jeden Spieler, der sich nach zehn Stunden fragt: “Warum mache ich das hier eigentlich genau?” Die Motivation zieht sich hier primär aus dem Gameplay-Loop und der schieren Neugier auf das nächste, noch bizarrere Design eines Bossgegners.

Der Soundtrack: Ein Kapitel für sich

Man kann nicht über Ender Magnolia schreiben, ohne den Soundtrack von Mili zu erwähnen. Es ist selten, dass Musik in einem Videospiel eine derartige emotionale Schwere trägt. Die Klavierklänge, gepaart mit den ätherischen Vocals, untermalen die Einsamkeit der Welt perfekt. In den Bosskämpfen schwillt die Musik zu einem orchestralen Crescendo an, das einen förmlich dazu zwingt, den Controller fester zu umklammern. Allein für den Soundtrack ist das Spiel schon den Kauf wert.

Fazit

Ender Magnolia: Bloom in the Mist ist ein exzellentes Metroidvania, das sich nicht hinter den Großen des Genres verstecken muss. Es ist kein Spiel für zwischendurch; es verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und eine gewisse Bereitschaft, sich auf die melancholische Stimmung einzulassen.

Trotz kleinerer Schwächen im Pacing und einer Story, die sich dem Spieler nicht sofort erschließt, ist es eine konsequente Weiterentwicklung. Wer Ender Lilies mochte, wird dieses Spiel lieben. Wer auf der Suche nach einer düsteren, spielerisch anspruchsvollen Erfahrung ist, sollte hier definitiv zugreifen. Es ist ein Spiel, das noch lange nach dem Abspann in den Gedanken nachhallt – genau wie der letzte Ton eines traurigen Klavierstücks.

8.8
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Herausragender, melancholischer Soundtrack von Mili
  • +Tiefgreifendes Kampfsystem durch austauschbare 'Homunkuli'
  • +Wunderschön düsteres Art-Design mit flüssigen Animationen

- CONTRA

  • -Gelegentliche Backtracking-Ermüdung in weitläufigen Arealen
  • -Die Story-Präsentation bleibt stellenweise zu kryptisch

FAZIT

Ein melancholisches Metroidvania-Meisterwerk, das Kampfsystem und Atmosphäre seines Vorgängers gekonnt verfeinert, nur gelegentlich durch Backtracking ermüdet.

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