Shinobi: Art of Vengeance – Ein messerscharfer Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Nostalgie und Frust
Mit „Shinobi: Art of Vengeance“ kehrt das legendäre Ninja-Gameplay zurück auf den Bildschirm. Doch während das Spiel visuell glänzt, offenbart das knallharte Leveldesign die Schattenseiten moderner Retro-Ambitionen.
Es gibt diese Momente in „Shinobi: Art of Vengeance“, in denen alles perfekt ineinandergreift. Ich springe von einer Plattform, weiche in der Luft einem Projektil aus, lande hinter einem Gegner und schalte ihn mit einer blitzschnellen Kombo aus, bevor ich den nächsten Wandsprung ansetze. In diesen Sekunden fühlt sich das Spiel wie eine Hommage an die goldene Ära der 16-Bit-Plattformer an – schnell, präzise und unerbittlich. Doch leider ist das Spiel nicht durchgehend so elegant wie sein Protagonist.
Das Entwicklerstudio hat sich sichtlich Mühe gegeben, den Geist der klassischen Shinobi-Reihe einzufangen. Die Steuerung ist das Herzstück des Spiels und hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Die Bewegungen fühlen sich schwerelos, aber dennoch gewichtig an. Jeder Schwertstreich hat ein spürbares Gewicht, und das Pariersystem ist ein echtes Highlight. Wenn man im richtigen Moment den Block-Button drückt und den Gegner mit einem Konter ausschaltet, stellt sich dieses wohlige „Ich bin ein Ninja“-Gefühl ein, das man in modernen Spielen oft vermisst.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – und der fällt in „Art of Vengeance“ leider oft auf das Leveldesign. Während die ersten drei Welten noch ein hervorragendes Pacing bieten, bei dem man die Mechaniken lernt, ohne sich überfordert zu fühlen, zieht der Schwierigkeitsgrad ab der Mitte des Spiels massiv an. Das wäre an sich kein Problem, wäre das Design fair. Doch hier stoßen wir auf das erste große Manko: die Hitboxen.
In den späteren Bosskämpfen, insbesondere gegen den „Schatten-General“, hatte ich mehrfach das Gefühl, dass meine Treffer nicht registriert wurden, während die Angriffe des Gegners mich trafen, obwohl ich laut visueller Darstellung bereits ausgewichen war. Das ist in einem Spiel, das auf Präzision setzt, schlichtweg inakzeptabel. Wenn ich sterbe, möchte ich wissen, dass es mein Fehler war. Wenn ich sterbe, weil das Spiel mir eine unfaire Kollisionsabfrage serviert, sinkt die Motivation rapide.
Ein weiterer Punkt, der mir sauer aufgestoßen ist, ist die visuelle Monotonie. Ja, der Grafikstil ist schick – eine Mischung aus handgezeichneten Sprites und modernen Lichteffekten –, aber nach der dritten „verfallenen Tempelanlage“ wünscht man sich einfach mehr Abwechslung. Die Hintergründe wiederholen sich zu oft, und die Gegner-Varianz lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Man kämpft gefühlt gegen dieselben vier Ninja-Typen, nur dass sie ab Level vier einfach mehr Lebenspunkte haben. Das ist ein klassisches „Bullet-Sponge“-Problem, das den Spielfluss unnötig ausbremst.
Besonders kritisch sehe ich die Checkpoint-Verteilung. In einem Genre, das für seine Härte bekannt ist, ist ein faires Checkpoint-System essenziell. In „Art of Vengeance“ gibt es Abschnitte, in denen man nach einem Tod zwei Minuten lang durch bereits absolvierte, langweilige Passagen rennen muss, nur um erneut an der schwierigen Stelle zu scheitern. Das ist kein „guter Schwierigkeitsgrad“, das ist künstliche Streckung der Spielzeit.
Trotz dieser Kritikpunkte muss man dem Spiel zugutehalten, dass der Soundtrack absolut fantastisch ist. Die treibenden Synth-Wave-Beats, gepaart mit traditionellen japanischen Instrumenten, peitschen einen förmlich durch die Level. Es ist Musik, die man auch außerhalb des Spiels hören möchte und die einen selbst in den frustrierendsten Momenten bei der Stange hält.
Fazit: „Shinobi: Art of Vengeance“ ist ein Spiel für Puristen. Wer die alten Klassiker liebt und bereit ist, über ein paar technische Unsauberkeiten hinwegzusehen, wird hier einige Stunden lang exzellent unterhalten. Es ist ein solider Plattformer, der jedoch den Sprung vom „guten Retro-Spiel“ zum „Meisterwerk“ durch sein unausgewogenes Balancing und die repetitiven Umgebungen verpasst. Wer jedoch eine echte Herausforderung sucht und ein Faible für schnelles, reaktionsbasiertes Gameplay hat, sollte dem Ninja eine Chance geben – aber stellt euch darauf ein, dass ihr den Controller das eine oder andere Mal frustriert zur Seite legen werdet.
Für 2025 ist das Spiel eine solide, wenn auch nicht revolutionäre Ergänzung für jedes Gaming-Regal. Es ist ein Spiel, das man gerne spielt, aber bei dem man sich am Ende wünscht, die Entwickler hätten sich noch ein paar Monate mehr Zeit für den Feinschliff genommen.
+ PRO
- +Herausragendes, flüssiges Animations-Design der Spielfigur
- +Präzises Kampfsystem mit befriedigendem Feedback
- +Soundtrack, der den Geist der 90er-Arcade-Ära perfekt einfängt
- CONTRA
- -Teilweise unfaire Hitboxen bei Bosskämpfen
- -Mangelnde Abwechslung in den Umgebungs-Assets
- -Frustrierende Checkpoint-Platzierung in der zweiten Spielhälfte
FAZIT
Eine visuell grandiose 2D-Ninja-Hommage mit präzisem Kampfsystem, die an unfairen Hitboxen und harscher Checkpoint-Verteilung knabbert.
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