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Zwischen Kaffeemaschinen und Quanten-Katastrophen: Warum Abiotic Factor süchtig macht
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Zwischen Kaffeemaschinen und Quanten-Katastrophen: Warum Abiotic Factor süchtig macht

Abiotic Factor ist die wissenschaftliche Antwort auf Survival-Hits wie Rust oder The Forest, verpackt in eine charmante 90er-Jahre-Forschungseinrichtung. Ein Spiel, das zeigt, dass man für exzellentes Gameplay keine High-End-Grafik braucht.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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SPIEL Abiotic Factor
ENTWICKLER Deep Field Games
PUBLISHER Playstack
RELEASE 2. Mai 2024
PLATTFORMEN: PC

Es gibt diese Spiele, bei denen man nach fünf Minuten denkt: „Das habe ich doch schon hundertmal gesehen.“ Und dann gibt es Abiotic Factor. Wenn man die unterirdische Forschungsanlage GATE betritt, fühlt man sich sofort in die Ära von Half-Life zurückversetzt. Überall stehen verstaubte Röhrenmonitore, Kaffeemaschinen und Whiteboards, die von einer Katastrophe zeugen, die gerade erst ihren Lauf genommen hat. Doch statt als Gordon Freeman mit einer Brechstange durch die Gänge zu ziehen, sind wir hier nur ein kleiner Fisch im großen Teich – ein Wissenschaftler, der eigentlich nur überleben will.

Wenn die Wissenschaft zum Überlebenskampf wird

Das Grundkonzept ist schnell erklärt: Wir sind in einer riesigen, unterirdischen Forschungseinrichtung gefangen, in der Experimente schiefgelaufen sind. Portale zu anderen Dimensionen haben die Realität verzerrt, und überall lauern Gefahren. Das Genre-Label „Shooter“ greift hier eigentlich zu kurz. Abiotic Factor ist in erster Linie ein Survival-Spiel, das den Fokus auf Improvisation legt.

Was das Spiel von der Konkurrenz abhebt, ist die Art und Weise, wie wir unsere Ausrüstung herstellen. Hier gibt es keine magischen Werkbänke, die aus dem Nichts ein Sturmgewehr zaubern. Wir bauen uns unsere Waffen aus Büroartikeln, Laborgeräten und Schrott zusammen. Eine Armbrust aus einem alten Feuerlöscher und einem Gummiband? Das ist hier völlig normal. Dieses „MacGyver“-Gefühl ist das Herzstück des Spiels und motiviert ungemein, jeden Winkel der Karte nach brauchbarem Müll zu durchsuchen.

Die Stärken: Atmosphäre und Koop-Chaos

Die größte Stärke von Abiotic Factor ist das Level-Design. Die Anlage ist in verschiedene Sektoren unterteilt, die sich organisch anfühlen. Man merkt, dass hier Menschen gearbeitet haben. Die Rätsel, um in neue Bereiche vorzudringen, sind logisch aufgebaut und erfordern oft Teamarbeit. Besonders im Koop-Modus entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Wenn einer die Tür hackt, während der andere mit einem provisorischen Schild die anstürmenden interdimensionalen Kreaturen abwehrt, entsteht genau diese Art von „Emergent Gameplay“, für die wir Survival-Spiele lieben.

Die Grafik ist bewusst im Retro-Stil gehalten. Man könnte das als „faul“ bezeichnen, aber es passt perfekt zum Thema der 90er-Jahre-Forschungseinrichtung. Es verleiht dem Spiel eine Identität, die viele moderne, glattpolierte Titel vermissen lassen.

Wo es knirscht: Frust im Labor

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Abiotic Factor ist kein Spiel für Gelegenheitsspieler, die nach einem langen Arbeitstag kurz abschalten wollen. Die Einstiegshürde ist hoch. Besonders Solo-Spieler werden schnell merken, dass das Spiel für Gruppen ausgelegt ist. Manche Herausforderungen sind alleine so zeitintensiv oder frustrierend, dass man sich wünscht, die Entwickler hätten hier eine Skalierung eingebaut.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die KI. Während die Atmosphäre durch die unheimlichen Geräusche in den Lüftungsschächten exzellent aufgebaut wird, bricht die Immersion oft, sobald man auf Gegner trifft. Manche Kreaturen bleiben an Türrahmen hängen oder laufen stumpf gegen Wände, was den „Survival-Horror“ kurzzeitig in eine Slapstick-Einlage verwandelt. Das nimmt den Kämpfen leider die nötige Spannung.

Auch das Inventar-Management ist ein zweischneidiges Schwert. Mit zunehmender Spieldauer sammelt man so viel Kleinkram an, dass man mehr Zeit mit dem Sortieren von Kisten verbringt als mit dem eigentlichen Erkunden. Ein besseres System zur automatischen Sortierung oder größere Stapelgrößen wären hier dringend nötig gewesen.

Fazit: Ein Pflichtkauf für Genre-Fans

Trotz der kleinen Macken ist Abiotic Factor eine der größten Überraschungen des Jahres 2025. Es ist ein Spiel, das seine Vision konsequent durchzieht. Es will nicht der nächste große AAA-Shooter sein, sondern ein atmosphärisches, forderndes Survival-Abenteuer, das den Spieler belohnt, wenn er kreativ denkt.

Wer Freunde hat, mit denen er sich in die Tiefen von GATE wagen kann, wird hier hunderte Stunden Spaß haben. Wer alleine spielt, sollte sich auf eine harte, aber lohnende Reise einstellen. Abiotic Factor beweist eindrucksvoll: Wenn das Gameplay stimmt, braucht es keine 4K-Texturen, um zu fesseln. Ein absoluter Geheimtipp für alle, die das Gefühl von Entdeckung und Improvisation suchen.

EndeNews-Urteil: Ein rauer Diamant, der zwar noch ein paar Ecken und Kanten hat, aber durch sein einzigartiges Setting und das motivierende Crafting-System voll überzeugt. Klare Empfehlung!

8.7
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Geniales, konsequentes Setting im Stil von Half-Life
  • +Tiefgreifendes Crafting-System mit Fokus auf wissenschaftliche Improvisation
  • +Hervorragendes Level-Design, das Erkundung belohnt

- CONTRA

  • -Einstiegshürde für Solo-Spieler recht hoch
  • -Gelegentliche KI-Aussetzer bei den Gegnern
  • -Inventar-Management kann im späteren Spielverlauf frustrieren

FAZIT

Ein genial konsequenter Half-Life-inspirierter Survival-Craft-Hit mit tiefem System, der solo etwas unzugänglich bleibt.

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