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Zwischen Schrottplatz-Romantik und KI-Frust: Hat ARC Raiders das Zeug zum neuen Extraction-König?
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Zwischen Schrottplatz-Romantik und KI-Frust: Hat ARC Raiders das Zeug zum neuen Extraction-König?

Embark Studios wagt mit ARC Raiders den Sprung vom Arena-Shooter zum Extraction-Survival. Ein atmosphärisches Meisterwerk, das jedoch unter seinen eigenen Ambitionen und einem grind-lastigen Gameplay-Loop ächzt.

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Tommes Parzl
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SPIEL ARC Raiders
ENTWICKLER Embark Studios
PUBLISHER Nexon
RELEASE 30. Oktober 2025
PLATTFORMEN: PC | PS5 | Xbox Series X|S

Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man das erste Mal in die Welt von ARC Raiders eintaucht. Nach der langen Entwicklungszeit und dem Pivot vom ursprünglichen Koop-Shooter hin zum Extraction-Format waren die Erwartungen bei EndeNews.de hoch. Embark Studios, ein Team aus ehemaligen Battlefield-Veteranen, hat uns mit The Finals bereits gezeigt, dass sie Zerstörung und Spielgefühl beherrschen. Doch ARC Raiders ist ein anderes Biest – langsamer, methodischer und deutlich gnadenloser.

Die Welt von ARC Raiders ist zweifellos das größte Pfund, mit dem das Spiel wuchert. Die Ästhetik einer Welt, die von riesigen, technologisch überlegenen Maschinen überrannt wurde, erinnert an eine Mischung aus Horizon Zero Dawn und einem verfallenen 80er-Jahre-Traum. Wenn man durch die verregneten Ruinen streift und in der Ferne das metallische Stampfen eines gigantischen ARC-Gegners hört, stellt sich sofort dieses wohlige, aber beklemmende Gefühl ein. Das Sound-Design ist hierbei der heimliche Star: Jeder Schritt auf nassem Asphalt, jedes ferne Surren einer Drohne ist präzise verortbar – ein essenzielles Feature, wenn man in einem Extraction-Shooter überleben will.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Das Gameplay-Loop-Design von ARC Raiders ist eine zweischneidige Klinge. Als Extraction-Shooter verlangt das Spiel von uns, Ressourcen zu sammeln, Missionen zu erfüllen und rechtzeitig zum Extraktionspunkt zurückzukehren. Das funktioniert in den ersten Stunden hervorragend, wenn man noch vorsichtig agiert und jeden Fund bejubelt. Doch sobald man die ersten Upgrades hinter sich hat, zeigt sich die hässliche Fratze des “Grinds”. Die Anforderungen, um im Spiel voranzukommen, wirken oft künstlich in die Länge gezogen. Man hat das Gefühl, dass Embark hier versucht, die Spielzeit durch repetitive Aufgaben zu strecken, anstatt durch echte spielerische Herausforderungen zu glänzen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Solospieler-Erfahrung. ARC Raiders ist ganz klar auf Koop ausgelegt. Wer sich alleine in die Gebiete wagt, wird oft von eingespielten Dreier-Teams überrannt, die einen nicht einmal kommen sehen. Es gibt zwar Matchmaking, aber die Kommunikation mit Fremden ist oft mühsam – ein In-Game-Ping-System ist zwar vorhanden, reicht aber in hitzigen Gefechten gegen die KI und andere Spieler oft nicht aus, um komplexe Taktiken abzustimmen.

Die KI-Gegner, die namensgebenden ARC, sind hingegen ein Highlight. Sie agieren nicht wie stumpfe Kanonenfutter-Bots, sondern patrouillieren, suchen aktiv nach Spielern und rufen Verstärkung. Wenn man versehentlich einen Alarm auslöst, verwandelt sich die ruhige Erkundung in einen panischen Überlebenskampf. Das ist packend, kann aber auch frustrieren, wenn man gerade wertvolle Beute bei sich trägt und aufgrund eines kleinen Fehlers alles verliert. Hier zeigt sich die Härte des Genres, die man mögen muss – oder eben nicht.

Technisch läuft das Spiel auf dem PC solide, auch wenn es in den ersten Tagen zu vereinzelten Rucklern bei hoher Gegnerdichte kam. Was mich jedoch wirklich stört, ist das Interface. Das Inventar-Management fühlt sich an, als hätte man es für einen PC-Simulator entworfen, nicht für ein schnelles Action-Spiel. Ständiges Klicken, Verschieben und Suchen in Untermenüs raubt dem Spiel den Spielfluss, den man gerade in einer brenzligen Situation braucht.

Ist ARC Raiders also ein Pflichtkauf? Wenn ihr eine Gruppe von Freunden habt, die gerne taktisch vorgeht und ihr euch an einer wunderschönen, aber tödlichen Welt erfreuen könnt, dann ja. Die Atmosphäre ist erstklassig und das Gunplay fühlt sich wuchtig und präzise an. Wer jedoch eine entspannte Feierabend-Erfahrung sucht oder alleine spielt, wird hier vermutlich schnell an seine Grenzen stoßen – sowohl spielerisch als auch nervlich.

Embark Studios hat ein solides Fundament gelegt. Wenn sie in den kommenden Monaten an der Balance schrauben, den Grind etwas entschärfen und die Benutzeroberfläche intuitiver gestalten, könnte ARC Raiders ein Dauerbrenner werden. Im aktuellen Zustand ist es ein ambitioniertes, atmosphärisch dichtes, aber eben auch sehr forderndes Spiel, das seine Ecken und Kanten noch glätten muss. Für Fans des Genres ist es einen Blick wert, für den Rest der Gaming-Welt bleibt es vorerst ein “Vielleicht”. Wir bei EndeNews.de werden die Entwicklung auf jeden Fall weiter beobachten.

7.4
/10
GUT

+ PRO

  • +Herausragendes Art-Design mit einer einzigartigen 'Post-Apokalypse-mit-Charme'-Ästhetik.
  • +Das Sound-Design setzt neue Maßstäbe bei der Immersion und taktischen Tiefe.
  • +Dynamische KI-Gegner, die sich unvorhersehbar verhalten und für echte Spannung sorgen.

- CONTRA

  • -Der Einstieg ist für Solospieler extrem frustrierend und wenig einladend.
  • -Das Inventar-Management und die Menüführung wirken unnötig überladen und fummelig.
  • -Deutliche Anzeichen von 'Grind-Wall'-Mechaniken im späteren Spielverlauf.

FAZIT

Ein atmosphärischer Extraction-Shooter mit grandiosem Sound- und Art-Design, dessen Grind und unübersichtliches UI Solospieler abschrecken.

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