Abgepfiffen, „Jaleco Sports: Goal! 2“ ist ein Eigentor
Ein erbarmungsloser Blick auf den PC-Ableger der Retro-Fußball-Serie, der mit lahmer Steuerung und lebloser KI kaum Tore, aber viele Frustmomente produziert.
Kein Anpfiff, nur Ballgeschiebe
Jaleco Sports: Goal! 2 gehört zu einer Zeit, als Fußballsimulationen noch mit zwei Tasten und einem D-Pad auskommen mussten. Die PC-Version versucht diesen Charme zu kopieren, scheitert aber an technischen Unzulänglichkeiten. Schon der Startbildschirm offenbart: Hier wurde wenig Liebe in die Portierung gesteckt. Einzige Lichtblicke sind die sofortige Spielbereitschaft und die Option, zwischen Regen, Schnee und Sonne zu wählen.
- Der Ball rollt schwerfällig über den Rasen, Pässe brauchen eine gefühlte Ewigkeit.
- Die Kamera zoomt bei Einwürfen ein und aus, was die Orientierung erschwert.
- Fouls werden selten gepfiffen, Abseits fast nie, das Spiel lebt nach eigenen Regeln.
Grafik: Pixelbrei mit Wettereffekten
Die Sprites der Spieler bestehen aus klobigen Blöcken, die an frühe DOS-Titel erinnern. Immerhin sind die Trikotfarben der Nationalmannschaften erkennbar, wer Spanien von Italien unterscheiden will, braucht jedoch ein gutes Auge. Der Schnee-Modus sorgt für weiße Flecken auf dem Platz, die tatsächlich die Sicht behindern. Ein nettes Gimmick, das aber die grundlegende Unschärfe nicht kaschiert.
- Flackernde Hintergrundgrafiken bei Bewegungen, besonders bei Kontern.
- Kein Stadion-Editor, keine wechselnden Arenen, immer dasselbe graue Rund.
- Die Torpfosten sind kaum vom Hintergrund zu unterscheiden.
Gameplay: Zwei Tasten, null Präzision
Das Herzstück eines Fußballspiels ist die Steuerung. Hier reagiert jeder Befehl mit einer spürbaren Verzögerung. Ein Doppelpass ist Glückssache, der Sprint knüppelt die Spieler unkontrolliert vorwärts. Schießt man aufs Tor, bleibt der Torwart oft wie angewurzelt stehen, bei hohen Bällen taucht er ab, bei flachen Bällen schaut er zu. Solche Fehler machen jedes Spiel zur Lotterie.
- Der Zweispieler-Modus teilt den Bildschirm in zwei schmale Streifen.
- Tastaturbelegung lässt sich nicht ändern, Pfeiltasten für Bewegung, Leertaste für Schuss.
- Keine individuellen Spielerfähigkeiten, alle rennen gleich schnell, schießen gleich hart.
Umfang: Ein Match, das nie endet
Es gibt ein Freundschaftsspiel, ein Turnier (für bis zu 16 Teams) und ein Elfmeterschießen. Mehr nicht. Keine Saison, kein Karrieremodus, keine Ligen. Nach drei Spielen kennt man alle Abläufe. Zudem fehlt jede Speichermöglichkeit, ein Turnier über vier Spiele muss in einem Durchgang absolviert werden. Stromausfall oder versehentliches Beenden des Programms bedeuten Neustart.
- Die KI der Computergegner agiert nach einem simplen Muster: Sprint Richtung Ball.
- Abseits wird nur gelegentlich erkannt, Einwürfe und Ecken sind Glückssache.
- Nach dem Abpfiff erscheint eine nackte Ergebnistabelle, keine Statistiken, keine Highlights.
Technik: Ruckeln und Rauschen
Auf einem modernen System läuft das Spiel dank DOSBox, aber selbst mit angepasster CPU-Geschwindigkeit bleiben Mikroruckler. Schaltet man die Soundeffekte ein, dröhnt ein monotoner Pfeifton bei jedem Ballkontakt. Der Soundtrack ist die einzige musikalische Abwechslung, eine fröhliche Melodie, die nach zehn Minuten in den Ohren schmerzt.
- Keine Mausunterstützung, reine Tastatursteuerung.
- Abstürze beim Verlassen des Turniermodus, das Programm friert ein.
- Hilfedatei oder Tutorial fehlen komplett.
Fazit: Nur für hartgesottene Sammler
Jaleco Sports: Goal! 2 auf dem PC ist ein Relikt, das man eher aus kuriosem Interesse startet als aus Spiellust. Die Ansätze, Wettereffekte, Nationalmannschaften, simpler Zweispieler-Spaß, werden von einer unfreundlichen Steuerung und zahlreichen Bugs zunichtegemacht. Wer Retro-Fußball sucht, greift lieber zu Sensible Soccer oder Kick Off 2. Hier bleibt nur der Pfiff zum Abpfiff, und zwar so schnell wie möglich.
+ PRO
- +Schneller Spielstart ohne Menü-Wirrwarr, nach dem Einschalten steht sofort der Anstoß bereit
- +Wettereffekte wie Regen und Schnee verändern tatsächlich das Ballverhalten, auch wenn die Optik darunter leidet
- +Auswahl von 32 Nationalmannschaften mit abstrakten Stärkewerten verleiht dem Kader eine gewisse Tiefe
- +Splitscreen-Modus für zwei Spieler ermöglicht Kurzpartien auf einer Tastatur
- +Der 16-Bit-Soundtrack pumpt eine eingängige Melodie, die nach zehn Minuten noch im Ohr klingt
- CONTRA
- -Torhüter-KI bleibt bei Flachschüssen oft regungslos stehen, einfache Tore wie geschenkt
- -Steuerung leidet unter geschätzten 200 ms Latenz, Pässe landen systematisch beim Gegner
- -Keine Speicherfunktion, jedes Turnier muss in einer Sitzung durchgespielt werden
- -Sprites flackern bei schnellen Bewegungen heftig, der Hintergrund ruckelt auf älteren Grafikkarten
FAZIT
Ein hölzerner Kick, der selbst Retro-Fans nur mit Trostpflastern lockt, maximal für eine enttäuschte Viertelstunde gut.
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