Entropy im Test: Taktische Tiefen und technische Kanten im Indie-Gewand
Ein anspruchsvolles Taktik-RPG für den PC, das mit komplexen Mechaniken und spürbaren Ecken und Kanten an klassische Genre-Meilensteine erinnert.
Entropy auf dem Prüfstand
Die Indie-Szene liefert regelmäßig Genre-Beiträge ab, die alte Tugenden wiederbeleben. Entropy verbindet isometrische Perspektive mit rundenbasiertem Gameplay auf dem PC.
Das Spiel wirft den Spieler direkt in eine dystopische Raumstation ohne lange Tutorials. Die Lernkurve fällt dadurch steil aus.
- Direkter Einstieg ohne Handgreiflichkeiten
- Keine künstliche Streckung der Spielzeit
- Fokus auf taktische Positionierung
Das Kampfsystem im Detail
Jede Einheit verfügt über eine feste Anzahl an Aktionspunkten. Bewegung, Nachladen und Schießen kosten wertvolle Ressourcen.
Fehler bestraft Entropy unmittelbar mit dem Bildschirmtod der Crewmitglieder. Wer hier unüberlegt stürmt, lädt kurz darauf den letzten Spielstand.
- Deckungssystem reduziert gegnerische Trefferchancen spürbar
- Überwachungsmodus stoppt anstürmende Feinde im gegnerischen Zug
- Nahkampfangriffe ignorieren Panzerung komplett
Präsentation und Atmosphäre
Die Optik orientiert sich an klassischen PC-Spielen der späten Neunzigerjahre. Große Pixel, gedeckte Farben und Neon-Akzente bestimmen das Bild.
Die Menüführung benötigt allerdings Eingewöhnung. Manche Untermenüs verstecken wichtige Statuswerte hinter zu vielen Klicks.
- Detailreiche Animationen der Spielfiguren
- Stimmungsvolle Umgebungsgeräusche in verlassenen Sektoren
- Konsequente Verzicht auf moderne HUD-Überflutung
Wirtschaft und Ausrüstung
Credits verdienen Spieler durch erfüllte Aufträge und das Plündern gefallener Gegner. Jede Waffe lässt sich mit thermischen Kühlern oder Zielcomputern modifizieren.
Der Händler an der Raumhafen-Basis wechselt sein Sortiment nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Sektor. Knappheit zwingt zu harten Entscheidungen beim Munitionskauf.
- Verschleiß der Ausrüstung erfordert regelmäßige Reparaturen
- Seltene Baupläne für experimentelle Prototypen verstecken sich in Nebenräumen
- Medikamente sind teuer und bestimmen das Risiko von Erkundungsgängen
Die Spieldauer beläuft sich bei konzentrierter Spielweise auf knapp 35 Stunden. Nach dem Abspann schaltet sich ein schwerer Modus mit Permadeath frei.
+ PRO
- +Rundenbasiertes Kampfsystem mit Aktionspunkten erfordert akkurate Planung
- +Handgezeichnete Retro-Pixelgrafik erzeugt dichte Sci-Fi-Atmosphäre
- +Tiefgehendes Inventarmanagement mit Modifikationen für Waffen und Rüstungen
- +Skill-Baum erlaubt echte Spezialisierungen abseits vom Standard-Klassensystem
- +Soundtrack liefert treibende Synthesizer-Klänge im Stil der späten Achtziger
- CONTRA
- -Inventar-Menüs reagieren teils träge bei Mausbedienung
- -Textgrößen lassen sich in den Optionen nicht skalieren
- -Gegnerische Einheiten nutzen Pfadfindungsfehler in engen Gängen aus
- -Fehlende deutsche Bildschirmtexte schränken die Zugänglichkeit ein
FAZIT
Ein forderndes Taktik-Abenteuer für PC-Spieler, das trotz kleinerer Bedienmängel spielerisch überzeugt.
VERWANDTE ARTIKEL
Arcadie II: Cold Lands, Ein eisiger Griff ins Klo
Das Indie-Adventure-RPG enttäuscht auf ganzer Linie mit repetitivem Gameplay, technischen Mängeln und einer uninspirierten Geschichte.
Hochgefühl über den Wolken: Warum Wild Blue Skies den klassischen Genre-Charme wiederbelebt
Ein detailverliebter Genre-Mix aus Shooter und Adventure, der auf PC, Xbox und PS5 für Retro-Gefühle sorgt.
Agent 64: Spies Never Die im Test: Die Rückkehr der N64-Agenten
Dieser Indie-Shooter bringt das klassische Gameplay von GoldenEye 007 zurück auf den PC.
Magische Formeln und mühsame Wege in Echoes of Mystralia
Ein detailverliebtes Action-Rollenspiel für den PC, das vor allem durch sein kreatives Zauber-Baukastensystem glänzt.