Legends of the Round Table – Ein ritterliches Trauerspiel
Ein ambitioniertes Indie-RPG, das sich in seinen eigenen mechanischen Ambitionen und technischen Unzulänglichkeiten hoffnungslos verstrickt.
Der erste Eindruck
Schon beim Start von Legends of the Round Table schlägt dem Spieler eine Atmosphäre entgegen, die stark an die goldenen Zeiten der Infinity Engine-Rollenspiele erinnert. Die Menüs sind funktional und die Einleitung in die Welt von Camelot wirkt zunächst vielversprechend.
Doch dieser nostalgische Glanz verblasst schneller, als man sein erstes Schwert schmieden kann. Die technische Basis wirkt nicht wie ein fertiges Produkt, sondern wie ein Prototyp aus der Alpha-Phase.
Taktik ohne Schliff
Das rundenbasierte Kampfsystem ist das Herzstück von Legends of the Round Table. Wenn es funktioniert, bietet es durch die taktische Platzierung der Ritter auf dem Feld durchaus fordernde Momente.
Leider wird dieser Spaß ständig durch frustrierende Design-Entscheidungen gebremst. Wenn sich der eigene Heiler weigert, einen gefallenen Kameraden zu heilen, obwohl er direkt daneben steht, verliert man schnell die Lust am Optimieren.
Die technische Katastrophe
Das größte Problem des Titels ist die Stabilität sowie der Umgang mit der eigenen Logik. Ein RPG lebt von seiner Welt, doch wenn die Aufgaben im Quest-Logbuch nicht als erledigt markiert werden, verliert man den roten Faden.
Dazu kommen die ständigen Abstürze, die den Spielfluss komplett unterbrechen. Wer hier investiert, muss aktuell sehr viel Geduld und eine hohe Frusttoleranz mitbringen, da der aktuelle Zustand schlichtweg als unfertig bezeichnet werden muss.
Atmosphäre und Präsentation
Optisch weiß das Spiel durchaus zu gefallen, besonders die Zeichnungen der legendären Tafelritter sind liebevoll gestaltet. Sie wirken wie aus einem alten Buch entsprungen und geben dem Spiel eine eigene Identität.
Doch die Sprachausgabe oder besser gesagt deren Fehlen, gepaart mit einer fehlerhaften deutschen Übersetzung, reißt den Spieler immer wieder aus der Welt. Die Dialoge hätten so viel Potenzial für episches Storytelling geboten, werden aber durch Tippfehler und Satzbau-Fehler entwertet.
Fazit für Genre-Fans
Kann man Legends of the Round Table aktuell empfehlen? Die Antwort fällt leider eindeutig aus: Nein.
Für Fans von klassischen RPGs ist das Gerüst zwar erkennbar, aber die Ausführung lässt jegliche Sorgfalt vermissen. Hoffen wir, dass die Entwickler durch Patches in den kommenden Monaten noch die Kurve kriegen, denn die Grundidee eines taktischen Artus-RPGs ist eigentlich eine, die wir alle gerne sehen würden.
+ PRO
- +Das rundenbasierte Kampfsystem erlaubt taktische Tiefe durch verschiedene Waffenklassen
- +Handgezeichnete Porträts der Ritter fangen den Geist der Artus-Sage visuell gut ein
- +Das Crafting-System ermöglicht die individuelle Anpassung der Rüstungsteile
- +Verzweigte Dialog-Optionen beeinflussen tatsächlich die Loyalität einzelner Ritter
- +Ein klassisches Inventar-Management erinnert angenehm an RPG-Klassiker der 90er Jahre
- CONTRA
- -Die Wegfindungs-KI lässt die Spielfiguren ständig gegen Mauern laufen
- -Zahlreiche Rechtschreibfehler in den deutschen Untertiteln zerstören die Immersion
- -Das Spiel stürzt beim Speichervorgang in unregelmäßigen Abständen komplett ab
- -Das Quest-Logbuch aktualisiert abgeschlossene Ziele oft überhaupt nicht
FAZIT
Trotz eines charmanten Art-Styles ist Legends of the Round Table aufgrund der massiven technischen Mängel und der unfertigen Spielmechaniken derzeit leider kaum spielbar.
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