Machtgefüge im Wandel: States of Power im Test
Ein Indie-Strategiespiel, das Politik, Wirtschaft und Intrigen in einer mittelalterlichen Sandbox verbindet.
Erster Eindruck
States of Power startet mit einer leeren Karte und drei Beratern, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen. Die erste Stunde verbringt man damit, die verschachtelten Menüs zu sortieren, denn ein Tutorial existiert nicht.
Erst nach vier Fehlstarts versteht man, dass die anfängliche Ressourcenverteilung kein Zufall ist. Der Startpunkt auf der Karte entscheidet über den Zugang zu Eisen, Holz oder heiligem Boden.
Spielprinzip
Es gibt keine klassische Kampagne. Stattdessen regiert man ein Fürstentum über mehrere Generationen, wobei jeder Herrscher neue Vorlieben und Boni mitbringt.
- 7 Rohstoffarten mit saisonalen Schwankungen
- 4 Fraktionen mit Stimmungswerten statt simpler Loyalität
- 3 Gesetzeskategorien, die einzeln durchgesetzt werden müssen
- Erbrecht und Thronfolge als permanente Herausforderung
Das alles läuft parallel auf einer Karte, die maximal 16 Spieler in Echtzeit oder rundenbasiert bewältigt.
Diplomatie und Fraktionen
Der Clou sind die vier Fraktionen: Adel, Klerus, Kaufleute und einfaches Volk. Jede fordert andere Gesetze, und wer alle gleichzeitig zufriedenstellt, zahlt drauf. So sinkt die Steuermoral des Volkes, wenn man dem Adel Jagdrechte gewährt.
Das führt zu echten Dilemmas. Ein Bündnis mit dem Klerus bringt Kreuzzugs-Steuern, aber die Kaufleute verweigern dann den Handel mit Nachbarprovinzen. Die Fraktionen reagieren nicht nur auf Aktionen, sondern auch auf Gerüchte, die über Spione gestreut werden können.
Wirtschaft und Aufbau
Der wirtschaftliche Teil funktioniert über regionale Produktionsketten. Eisen wird zu Waffen geschmiedet, Getreide zu Bier gebraut, und beides braucht Handelswege, die von Räubern bedroht werden.
Die saisonalen Schwankungen sind gut ausbalanciert. Ein Frostjahr kann die Getreideernte halbieren, woraufhin die Stadtbevölkerung aufbegehrt. Dann hilft nur ein Notkauf beim Nachbarn, der den Preis automatisch anzieht.
- 14 Gebäudetypen mit Upgrade-Pfaden
- 6 Warenklassen, die durch Verschwendung oder Ineffizienz verloren gehen
- Marktpreise werden durch lokale Angebot und Nachfrage bestimmt
Technik und Performance
Auf einem Mittelklasse-Rechner läuft States of Power flüssig, solange man die Kartengröße auf “Mittel” stellt. Bei “Groß” ruckelt die KI-Berechnung ab dem Jahr 20 sichtbar, besonders mit allen 16 Fraktionen aktiv.
Die UI ist allerdings das größte Hindernis. Handwerksrezepte liegen drei Menüs tief, und die Hilfetexte sind komplett auf Englisch. Während die deutsche Übersetzung der Ereignistexte ordentlich ist, bremst die Mischung aus beiden Sprachen das Verständnis aus.
Fazit
States of Power ist ein anarchischer Denksport, der mit seinem Jahrhundert-Szenario eine seltene Mischung aus Paradox-Strategie und Anno-Aufbau bietet. Die Kosten für die eigene Sturheit werden immer konkret: Wer die Pfeifen nicht reinigt, verliert die Stadt an die Pest.
Als kleines Indie-Projekt von vier Entwicklern überzeugt die Tiefe, doch die fehlende Einführung und die englischen Tooltips machen den Einstieg unnötig steil. Für alle, die das mögen, gibt es kaum Alternativen in dieser Preisklasse.
+ PRO
- +Vier Fraktionen mit eigenen Agenden beeinflussen Gesetze und Steuersätze
- +Saisonale Rohstoffschwankungen zwingen zu Lagerhaltung und Handelsabkommen
- +Karteneditor mit Terraforming und Trigger-System erlaubt eigene Szenarien
- +Wetterdynamik wirkt sich auf Ernteerträge und Marschgeschwindigkeit aus
- +Koop-Modus für 4 Spieler teilt sich Ämter und Entscheidungsgewalt
- CONTRA
- -UI-Menüs sind tief verschachtelt, Tooltips nur auf Englisch verfügbar
- -Berater geben widersprüchliche Ratschläge ohne Prioritäten-Setzer
- -Speicherdateien nach Patch 1.2 gelegentlich korrupt, Auto-Save hilft nur bedingt
- -Keine Tutorial-Kampagne, Einführung beschränkt sich auf spärliche Tooltips
FAZIT
States of Power ist ein fordernder Sandkasten für Strategiespieler, die Komplexität suchen, verzeiht aber keine Einsteigerfehler.
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