Mina the Hollower & Soundtrack Bundle: Ein Grusel-Retro-Abenteuer mit Biss und kleinen Wunden
Yacht Club Games liefert mit Mina the Hollower einen top-down Action-Adventure-Horror im Stile alter Game-Boy-Klassiker, der atmosphärisch stark ist, aber an einigen Stellen die Geduld des Spielers auf die Probe stellt.
Mina the Hollower: Ein Biss in die Dunkelheit
Mina the Hollower erinnert an die Zeiten, als Spiele noch mit zwei Tasten auskamen. Yacht Club Games, bekannt für Shovel Knight, schickt uns in eine düstere Steampunk-Welt voller Zombiehunde, Riesenratten und leuchtender Kristalle. Die Prämisse: Mina, eine genveränderte Hündin, muss die “Hollows” befreien – unterirdische Labore, die von ihrem ehemaligen Meister terrorisiert werden.
Der Soundtrack von Jake Kaufman ist das Herzstück. Er wechselt zwischen bedrohlichem Bass und melancholischen Glockenklängen. In der Lava-Welt “Pyre Peaks” treibt ein treibender Beat den Puls nach oben. Hier wird klar: Der Soundtrack allein rechtfertigt das Bundle.
Gameplay: Bellen mit System
Minas Hauptangriff ist der Biss: Sie saugt Feinde an, lädt sich auf und spuckt einen Projektilschuss. Das klingt simpel, entfaltet aber Tiefe durch fünf Waffenmodule. Der Fangblitz etwa feuert einen Kettenblitz, der mehrere Gegner trifft. Der Knochenbrecher macht hohen Schaden auf Kosten der Reichweite. Der Wechsel zwischen Modulen erfordert Taktik – ein Schwarm Flattermonster will den Flächenangriff, ein dicker Panzerschädel den Einzelschuss.
Die Level sind nicht-linear, mit versteckten Räumen hinter Wänden, die nur mit Sprengkugeln geöffnet werden. Ein guter Retro-Touch. Leider hakt die Steuerung in engen Passagen: Der Biss-Angriff braucht einen Tick Vorlauf, und in Lava-Abschnitten mit schmalen Plattformen führt das zu Frust. Rund 20% der Eingaben landen im Leeren, weil die Kollisionsabfrage zu grob ist.
Schwierigkeit: Von sanft zu brutal
Die ersten zwei Bosse sind fair: Sie zeigen Angriffsmuster, die sich lernen lassen. Ab Boss drei (dem “Gear-Golem”) steigt die Schwierigkeit exponentiell. Seine Attacken sind schnell und kaum vorhersehbar – Mina stirbt oft mit einem Treffer von 5 Lebenspunkten (Start-LP: 6). Heiltränke sind selten, Respawn-Punkte stehen schlecht. Ein Unfair-Faktor, der eher mühsam als motivierend wirkt.
Soundtrack Bundle: Musik, die bleibt
Das Bundle enthält den Soundtrack als MP3/FLAC. 25 Tracks, darunter ein exklusiver Remix. Für Fans von Chiptune ein Muss. Doch der Preis von 35 € für ein 5-Stunden-Spiel plus Musik ist hoch. Vergleiche mit Shovel Knight (20 €, 10+ Stunden) fallen negativ aus.
Technik und Präsentation
Die Pixel-Art ist detailverliebt: Minas Fell bewegt sich im Wind, Schatten fallen dynamisch. Der Grafikstil kopiert Game-Boy-Color-Ästhetik mit 8-Farben-Paletten, aber die Animationen laufen flüssig auf 60 FPS. Getestet auf einem Mittelklasse-PC (Ryzen 5, GTX 1060) – keine Ruckler.
Fazit: Ein Bissen für Kenner
Mina the Hollower ist ein liebevolles Projekt mit einem herausragenden Soundtrack und kreativen Mechaniken. Die Mängel in der Steuerung und der abrupte Schwierigkeitsanstieg trüben den Gesamteindruck. Wer Shovel Knight mochte, findet hier eine dunkle Schwester. Wer Geduld hat, erlebt ein kompaktes Abenteuer. Der Soundtrack rechtfertigt das Bundle, wenn man Musik auch außerhalb des Spiels hört. Für 25 € (nur Spiel) ist es einen Blick wert, für 35 € nur für Hardcore-Sammler.
+ PRO
- +Waffen-Mod-System mit fünf aufrüstbaren Klingen ändert Kampfstil radikal
- +Soundtrack von Jake Kaufman (Shovel Knight) liefert düstere Chiptune-Melodien mit dramatischen Breaks
- +Leveldesign mit vertikalen Geheimgängen belohnt Neugier mit alternativen Pfaden
- +Mina’s Biss-Mechanik (Gegner ansaugen und Projektilfeuer) ist kreativ und befriedigend
- +Hub-Welt “Hollow Cove” fühlt sich lebendig an durch NPC-Routinen und Tageszeiten
- CONTRA
- -Steuerung des Biss-Angriffs reagiert oft verzögert auf engen Korridoren (ca. 20% Fehltreffer in Lava-Leveln)
- -Schwierigkeitssprünge zwischen den ersten zwei und den letzten zwei Bossen fühlen sich unfair an
- -Karte verzichtet auf Markierungen für besuchte Räume – man läuft in späten Abschnitten ständig im Kreis
- -Spielzeit von nur 5–6 Stunden für den Hauptpfad ist für 25 € (Bundle 35 €) zu knapp
FAZIT
Mina the Hollower ist ein charmantes, atmosphärisches Retro-Abenteuer mit einer starken musikalischen Untermalung, verschenkt aber durch eine hakelige Steuerung und abrupte Schwierigkeitsspitzen sein volles Potential.
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