Warum der Start nicht alles ist
Viele Spieler geben nach den ersten frustrierenden Stunden auf. Dabei verstecken sich hinter langsamen Einstiegen oft die größten Gaming-Erlebnisse. Geduld ist eine Tugend, besonders bei diesen 11 Titeln.
Die 11 Kandidaten
- Persona 5, Die ersten Stunden sind ein Tutorial-Marathon mit vielen Dialogen. Danach entfaltet sich eines der besten JRPGs mit unglaublichem Stil und Tiefgang.
- The Witcher 3: Wild Hunt, Der Einstieg in White Orchard wirkt unspektakulär, das Kampfsystem gewöhnungsbedürftig. Doch sobald die Hauptstory Fahrt aufnimmt, wird klar, warum dieses Spiel als Meisterwerk gilt.
- Dark Souls, Die Untoten-Burg kann Neulinge zum Verzweifeln bringen. Aber das Gefühl, jeden Boss nach x Versuchen zu bezwingen, ist unvergleichlich. Geduld wird belohnt.
- NieR:Automata, Der erste Durchlauf wirkt wie ein solider Action-Titel. Keine Ahnung, dass die wahre Geschichte erst nach mehreren Playthroughs beginnt. Der emotionale Impact ist enorm.
- Xenoblade Chronicles, Riesige Karten, komplexe Mechaniken und ein extrem langsamer Start. Nach etwa zehn Stunden öffnet sich das Spiel in epischer Breite. Story und Welt sind atemberaubend.
- Final Fantasy XIII, Lange Zeit ein linearer Korridor mit vielen Zwischensequenzen. Ab Kapitel 11 gibt es die offene Welt und das Kampfsystem entfaltet sein volles Potenzial. Der Durchhänger lohnt sich.
- Kingdom Hearts II, Der Twilight Town-Abschnitt zieht sich ewig. Sobald Sora erwacht, wird es actiongeladen und emotional. Ein Paradebeispiel für einen verzögerten Spannungsbogen.
- Pokémon Sonne/Mond, Ständige Unterbrechungen durch Tutorials und Handlungsdialoge. Wer sich durchbeißt, erlebt eine der erfrischendsten Pokédex-Generationen mit tollen Inseln.
- EarthBound, Der Anfang ist frustrierend schwer, die Grafik altbacken und der Humor gewöhnungsbedürftig. Aber darunter verbirgt sich eines der tiefgründigsten RPGs aller Zeiten.
- Chrono Trigger, Der erste Besuch im Mittelalter wirkt unscheinbar. Die Zeitreise-Mechanik zeigt erst später ihr volles Potenzial. Ein Meisterwerk von Square, das jeden Schritt wert ist.
- Half-Life 2, Der erste Teil mit der Luftboot-Fahrt kann ermüdend sein. Aber dann kommen Ravenholm, die Antlions und die grandios inszenierten Action-Momente. Ein Klassiker, der durchzieht.
Hinter diesen Titeln stehen Entwicklerstudios mit ganz unterschiedlicher Historie. Atlus (Persona 5) wurde 1986 gegründet und machte mit der Shin Megami Tensei-Serie und Persona 4 Golden (2012, 1,5 Mio. Verkäufe) den Kult-Namen. CD Projekt Red startete 2002 als polnischer Publisher, der erste The Witcher (2007) verkaufte 1,7 Millionen Einheiten, der dritte Teil brach mit über 50 Millionen (Stand 2023) alle Rekorde. FromSoftware (Dark Souls) existiert seit 1986, aber erst Demon’s Souls (2009) und die Dark-Souls-Reihe (über 2,3 Mio. bis 2014) katapultierten sie in die erste Liga. PlatinumGames (NieR:Automata) entstand 2006 aus einer Capcom-Abspaltung; Director Yoko Taro arbeitete vorher an Drakengard (2003) und NieR (2010, ca. 500.000 Verkäufe). NieR:Automata verkaufte sich über 7,5 Millionen Mal.
Monolith Soft (Xenoblade Chronicles) wurde 1999 von Tetsuya Takahashi gegründet, der zuvor Xenogears (1998) für Square entwickelte. Die Xenosaga-Trilogie (2002-2006) verkaufte sich insgesamt rund 1,3 Millionen Mal; Xenoblade Chronicles erreichte etwa 1,8 Millionen. Square Enix (Final Fantasy XIII) ist der Giant der JRPGs: Die Final-Fantasy-Reihe begann 1987, Teil XIII verkaufte 7,7 Millionen Einheiten, trotz gemischter Kritiken. Kingdom Hearts II (2005) von Square Enix und Disney setzte den Crossover-Erfolg fort: Der erste Teil (2002) verkaufte über 5,6 Millionen, der zweite 4 Millionen. Game Freak (Pokémon Sonne/Mond) wurde 1989 gegründet, die Pokémon-Reihe startete 1996; Sonne/Mond verkaufte über 16 Millionen und führte die siebte Generation ein. EarthBound (Mother 2, 1994) stammt von Ape Inc. und Nintendo; der Vorgänger Mother (1989) verkaufte nur 200.000 in Japan. EarthBound selbst erreichte in den USA rund 400.000 Einheiten, später als Kult-Spiel auf Virtual Console und SNES Classic gefeiert. Chrono Trigger (1995) entstand durch das Dream-Team aus Final Fantasy- und Dragon Quest-Entwicklern (Hironobu Sakaguchi, Yuji Horii, Akira Toriyama). Es verkaufte etwa 2,5 Millionen. Half-Life 2 (2004) von Valve (gegründet 1996) baute auf dem ersten Teil (1998, über 9 Mio. Verkäufe) auf; Half-Life 2 erreichte über 12 Millionen und definierte den Singleplayer-Shooter neu.
Eine Beobachtung zum Schluss
Jedes dieser Spiele beweist: Ein zäher Anfang ist kein Zeichen für schlechte Qualität. Oft steckt das größte Abenteuer hinter der ersten Hürde.