Was ist passiert?
Die Diskussion um den kommenden Supergirl-Film bekommt eine neue, unerwartete Wendung. Drehbuchautorin Ana Noguiera hat offenbar eine andere Lesart des Comic-Epos Supergirl: Woman of Tomorrow im Kopf als dessen Schöpfer Tom King.
- King selbst hatte das Ende des Comics in Interviews mehrfach erläutert
- Noguiera scheint die finale Botschaft jedoch anders verstanden zu haben
- Ein klassischer Fall von Autor-Intention versus Interpretation, nur diesmal mit Millionen-Budget
Die Meldung stammt von GamesRadar+, die sich auf Aussagen von King beruft. Konkrete Zitate liegen bislang nicht vor. King soll klargestellt haben, dass Noguiera „things a bit differently“ gelesen habe. Beide Seiten arbeiten derzeit am Drehbuch, das für 2026 angekündigt ist.
Die widersprüchliche Lesart
Genaueres zur konkreten Abweichung ist noch nicht öffentlich bekannt. Die GamesRadar+-Meldung zitiert Quellen, nach denen King sich bereits klarstellend geäußert habe, „otherwise“ (also anders als Noguiera es sieht).
- King betont: Das Ende von Woman of Tomorrow sei eindeutig
- Noguiera hingegen habe „things a bit differently“ gelesen
- Ob das zu Konflikten im Drehbuch führt, bleibt offen
Das Finale des Comics zeigt Supergirl, die nach einem Rachefeldzug eine tiefe moralische Leere erlebt, Kings Interpretation: Sie erkennt, dass Rache kein Ziel heilt. Noguieras mögliche Lesart könnte diese Botschaft ins Positive wenden. Das ist für die Adaption relevant, weil der Film als Startschuss für eine neue Supergirl-Darstellung im DC Universe unter James Gunn gilt.
Was bedeutet das für den Film?
Supergirl: Woman of Tomorrow soll bekanntlich lose auf der gleichnamigen Comic-Reihe basieren. Eine kreative Neuinterpretation ist in Hollywood üblich, aber wenn die Autorin selbst die Vorlage anders versteht, wird es heikel.
- Tom King gilt als Detail-Fanatiker
- Ana Noguiera bringt frische Perspektive ein, aber eventuell auf Kosten der Original-Intention
- Ob beide Seiten bereits an einem Strang ziehen, ist unklar
Ein formelles Statement von Warner Bros. oder DC Studios steht noch aus. Bis dahin brodelt die Gerüchteküche, und Fans von Kings Werk schauen genau hin, wie viel vom Original im Drehbuch übrig bleibt.
Hintergrund: DC Studios und die Supergirl-Tradition
DC Studios existiert in seiner jetzigen Form seit November 2022, nachdem James Gunn und Peter Safran die Leitung übernahmen. Ihr erster großer Film The Flash (2023) führte mit Cameos alte Supergirl-Darstellerin Sasha Calle ein, aber der Film war ein kommerzieller Reinfall, 270 Millionen Dollar Einspiel bei über 200 Millionen Produktionskosten. Die neue Supergirl-Adaption soll diesen Fluch brechen.
- Supergirl (1984) mit Helen Slater war der letzte eigenständige Kinofilm der Figur, er spielte nur 14 Millionen Dollar ein
- Die Fernsehserie Supergirl (2015–2021, 126 Folgen) etablierte die Figur modern, hat aber keinen Einfluss auf das neue Kino-Universum
- Woman of Tomorrow wird das erste Supergirl-Projekt von DC Studios unter Gunn sein
Ana Noguiera ist keine unbekannte Größe. Sie schrieb zuvor für die Serie The Vampire Diaries und die Netflix-Adaption The Chilling Adventures of Sabrina. Ihren ersten großen Kinofilmauftrag erhielt sie 2023, den Supergirl-Stoff. Tom King hingegen ist ein ehemaliger CIA-Offizier, der mit Comics wie Mister Miracle, Batman und The Vision mehrfach Eisner Awards gewann.
Branchenkontext: Autor-Intention in Hollywood-Adaptionen
Der Fall Supergirl reiht sich in eine lange Liste von Missverständnissen zwischen Comic-Autoren und Filmemachern ein. Alan Moore distanzierte sich mehrfach von Verfilmungen seiner Werke, Watchmen (2009) und V for Vendetta (2005) entstanden ohne seine Zustimmung. Frank Miller kritisierte die Batman-Filme von Christopher Nolan, obwohl sie teilweise von seinen Comics inspiriert waren.
- Kings Vertrag mit DC Comics erlaubt ihm kein Vetorecht bei Filmumsetzungen
- Noguiera ist als Drehbuchautorin formal weisungsbefugt für die Handlungsstruktur
- Gunn hat mehrfach betont, dass er Adaptionen als eigene Werke betrachtet, bei The Suicide Squad (2021) änderte er wesentliche Figurenmotive
Die Finanzierung des Supergirl-Films ist Teil von Gunns Phase-1-Plan, der mit Superman: Legacy (Juli 2025) startet. Woman of Tomorrow soll im Juni 2026 in die Kinos kommen. Das Budget wird auf 100 bis 150 Millionen Dollar geschätzt, vergleichbar mit Shazam! Fury of the Gods (2023, 125 Millionen).