Die These von Polygon
Polygon hat einen Kommentar veröffentlicht, der eine provokative These aufstellt: Kein Rollenspiel muss länger als 40 Stunden sein. Als Paradebeispiel dient Final Fantasy 7 Rebirth, das zwar als „great value“ gefeiert wird, aber die Sehnsucht nach kompakteren Erlebnissen weckt. Der Autor wünscht sich Spiele, die er auch tatsächlich beenden kann, ohne nach 80 Stunden das Gefühl zu haben, erst die Hälfte gesehen zu haben.
Das Problem mit ultra-langen RPGs
Moderne Rollenspiele wie Final Fantasy 7 Rebirth oder Elden Ring bieten oft über 100 Stunden Inhalt, laut HowLongToBeat benötigt man für Rebirths Hauptstory plus Extras rund 85 Stunden, Elden Ring liegt bei etwa 100 Stunden. Der anfängliche Enthusiasmus weicht häufig der Erschöpfung; viele Spieler brechen ab. Der Begriff „gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“ wird zum Fluch, wenn die Zeit knapp ist.
Selbst eingefleischte Fans stoßen an Grenzen, wenn Nebenquests und Sammelaufgaben das eigentliche Abenteuer erdrücken. Der Wunsch nach fokussierten, straffen Story-Erzählungen wächst.
Kompakte Helden: Alte Tugenden neu entdeckt
Chrono Trigger (1995, Square) oder Paper Mario (2000, Intelligent Systems) beweisen, dass große Geschichten nicht lang sein müssen. Chrono Trigger ist in etwa 25 Stunden durchgespielt, Paper Mario in etwa 30, beide gelten als Meilensteine ihrer Zeit. Ein konzentrierter Plot mit klaren Höhepunkten bleibt oft länger im Gedächtnis als ein ausufernder Episoden-Mix. Der Reiz liegt in der Machbarkeit: Ein RPG, das man an einem Wochenende durchspielen kann, hat seinen eigenen Wert.
Hintergründe zu Final Fantasy 7 Rebirth
Final Fantasy 7 Rebirth ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie, die das Original von 1997 neu erzählt. Entwickelt wird es von Square Enix, genauer von der Creative Business Unit I, die auch für Final Fantasy 14 und Final Fantasy 16 verantwortlich ist. Regie führt Tetsuya Nomura, Produzent ist Yoshinori Kitase. Beide waren bereits am Original beteiligt.
Der erste Teil, Final Fantasy 7 Remake (2020), dauerte für die Hauptstory etwa 40 Stunden, mit Extras über 80. Rebirth fällt noch umfangreicher aus: Square Enix selbst bewirbt es mit „über 100 Stunden Spielzeit“. Das Unternehmen setzt damit bewusst auf epische Länge, ein Strategiewechsel, denn frühere Serienteile wie Final Fantasy X (2001) kamen auf rund 50 Stunden Hauptstory.
Branchenkontext: Der Trend zu immer längeren Spielen
Die Diskussion um Spielzeit ist nicht neu. Open-World-Titel wie The Witcher 3 (ca. 100 Stunden), Baldur's Gate 3 (über 100 Stunden) oder Assassin's Creed Valhalla (60 Stunden Hauptstory, mit allem über 100) dominieren die Verkaufscharts. Doch gleichzeitig wächst ein Gegenpol: Kurze, narrative Spiele wie Firewatch (4 Stunden), What Remains of Edith Finch (2 Stunden) oder A Short Hike (1–2 Stunden) finden ihr Publikum und werden preislich akzeptiert, oft für 10–20 Euro.
In Japan gibt es eine Tradition kompakter JRPGs: Neben Chrono Trigger und Paper Mario zählen auch Secret of Mana (1993, ca. 20 Stunden) oder EarthBound (1994, ca. 30 Stunden) zu den Klassikern. Neuere Indie-Titel wie Sea of Stars (2023, ca. 30 Stunden) greifen diese Linie auf. Die Debatte, die Polygon anstößt, spiegelt eine Branchenfrage wider: Sollten Studios sich an der maximalen Spielzeit orientieren oder an der Erzählökonomie?
Ein Streit um die richtige Dosis
Polygon stellt keine starre Regel auf, sondern öffnet eine Debatte. Ultra-lange RPGs haben ihre Fans, aber der Ruf nach kürzeren, bewussteren Abenteuern wird lauter. Ob 40 Stunden die magische Grenze sind oder nicht, jeder Spieler kennt das Gefühl, wenn der fünfte Akt eines hundertstündigen Epos einfach nicht enden will. Die Antwort wird sich zeigen, wenn Square Enix mit dem dritten Teil der Final Fantasy 7-Trilogie die Serie abschließt: Wird die Nachfrage nach Epicness weiter steigen oder die nach kompakten Erlebnissen die Oberhand gewinnen?