Der Urknall des Splatter-Horrors
The Evil Dead aus dem Jahr 1981 entstand mit einem Budget von rund 350.000 Dollar. Sam Raimi, damals 21 Jahre alt, finanzierte den Film über Investoren aus Detroit und drehte mit seinem Jugendfreund Bruce Campbell in einer abgelegenen Hütte in Tennessee.
Die berüchtigte Kamerafahrt durch den Wald, die „Raimi-Cam“, jagt dem Publikum heute noch Schauer ein. Raimi montierte die Kamera auf einem Brett, das er vor sich hertrug, eine Technik aus dem Nichts, die den Zuschauer direkt in die Verfolgungsjagd zieht.
Der Film startete in den USA nur in 25 Kinos, spielte aber weltweit rund 2,4 Millionen Dollar ein. Das reichte, um ein Franchise zu starten, das kein Studio vorhergesehen hatte. Renaissance Pictures, Raimis eigene Produktionsfirma, brachte den Film ohne großen Verleih ins Kino.
- Die berüchtigte Baumvergewaltigungsszene führte in mehreren Ländern zu Indizierungen
- Stephen King nannte den Film den „brutalsten Horrorfilm seiner Zeit“
- In Großbritannien landete The Evil Dead auf dem Index der Video Nasties
Die perfekte Fortsetzung: Evil Dead II
Fünf Jahre später schlug Evil Dead II ein. Raimi hatte nach dem ersten Teil keinen leichten Stand: Studio De Laurentiis Entertainment sprang ein, nachdem die ursprünglichen Geldgeber abgesprungen waren. Das Budget stieg auf 3,6 Millionen Dollar.
- Ash verliert seine Hand und kämpft gegen seine eigene besessene Gliedmaße
- Slapstick-Einlagen treffen auf blutigen Splatter
- Bruce Campbell wird zur absoluten Kultfigur
Der Film ist eine Mischung aus Neuverfilmung und Fortsetzung. Die erste Viertelstunde wiederholt grob den ersten Teil, bevor Raimi die Handlung völlig neu spinnt. Drehort war wieder eine Hütte, diesmal eine speziell gebaute Kulisse in einem Studio in North Carolina.
Evil Dead II spielte rund 5,9 Millionen Dollar ein, verdiente sich aber vor allem auf dem Heimvideomarkt ein neues Publikum. Der Film bewies, dass Horror und Komödie sich nicht ausschließen. Er ist lauter, verrückter und technisch versierter als der Vorgänger.
Army of Darkness, Der Ausflug ins Fantasy-Genre
Mit Army of Darkness (1992) wechselte die Reihe endgültig das Genre. Das Budget betrug 11 Millionen Dollar, das Dreifache des zweiten Teils. Universal Pictures brachte den Film in die Kinos, nachdem Raimi das Drehbuch mehrfach umschreiben musste.
- „This is my BOOMSTICK!“ ist bis heute legendär
- Stop-Motion-Effekte und Miniaturen verleihen dem Film seinen Charme
- Der Tonfall wird noch komödiantischer, fast eine Parodie auf sich selbst
Der dritte Teil spielt im Mittelalter. Ash wird mit seinem Oldsmobile Delta 88 in die Vergangenheit katapultiert. Der Film kam in den USA mit 12,5 Millionen Dollar Einspiel in die Kinos, weltweit waren es rund 21,5 Millionen Dollar.
Einige Fans sehen den dritten Teil als schwächeren Ableger. Dabei übersehen sie, dass Army of Darkness den Kreis der Trilogie schließt: Ash wird vom Angsthasen zum widerwilligen Helden. Universal veröffentlichte zwei unterschiedliche Enden, eines düster und eines komödiantisch.
- Das europäische Ende zeigt Ash, der zu viel Schlafmittel nimmt und in einer postapokalyptischen Zukunft aufwacht
- Das US-Ende belässt es bei einem optimistischen Schnitt
Warum ein Marathon?
Die drei Filme sind zusammen weniger als fünf Stunden lang. Sie erzählen eine vollständige Geschichte, von purer Angst über schwarzen Humor bis zur Heldenreise. Kein anderes Franchise schafft diesen Wandel so konsequent.
- The Evil Dead (1981, 85 Minuten) = purer, ungefilterter Horror
- Evil Dead II (1987, 84 Minuten) = Horrorkomödie mit Kultstatus
- Army of Darkness (1992, 81 Minuten Kinofassung) = Fantasy-Action-Komödie
Zum Vergleich: Die Halloween-Reihe wechselte zwischen Slasher und Meta-Horror, aber nie mit einer durchgehenden Hauptfigur. Friday the 13th blieb konstant in Jason-Vorstädten. Nur das Evil Dead-Franchise durchlief einen kompletten Genre-Wandel mit einem einzigen Helden.
Das Remake von 2013 unter der Regie von Fede Alvarez brachte den brutalen Horror zurück, ohne Ash. Die Serie Ash vs Evil Dead (2015–2018) führte die Trilogie mit drei Staffeln fort, Bruce Campbell als Ash, 30 Jahre später, wieder mit Kettensäge und Boomstick. Der Marathon zeigt, wie ein Franchise in vier Jahrzehnten nie an Reiz verlor.