Zen 6 bekommt einen besonders sparsamen Kern
AMD arbeitet an einer Variante seiner Zen 6-Architektur, die speziell auf niedrige Leistungsaufnahme ausgelegt ist. Dieser „Low-Power Compact Flavour“ soll künftigen Laptops zu deutlich längeren Batterielaufzeiten verhelfen.
Die Meldung stammt von PCGamer. Konkrete Daten zu Taktraten, Kerngröße oder Fertigungsprozess hat AMD noch nicht genannt.
AMD verfolgt mit den neuen Low-Power-Kernen einen ähnlichen Pfad wie Intel, aber später. Während Zen 5 noch auf eine einheitliche Kernel-Architektur setzte (alle Kerne gleich, nur per Takt gestaffelt), bringt Zen 6 erstmals getrennte Effizienzkerne. Die Einsparungen gegenüber einer reinen Performance-Kern-Lösung bei leichter Last liegen Schätzungen zufolge bei 30 bis 50 Prozent, ein Wert, den Intels LPE-Kerne in Tests bereits erreichen.
Intel hat ähnliche Kerne bereits im Einsatz
Intels Panther Lake-Prozessoren nutzen bereits sogenannte LPE-Kerne (Low Power Efficiency). Diese übernehmen leichte Aufgaben und entlasten die Performance-Kerne.
- LPE-Kerne arbeiten mit minimaler Spannung und geringem Takt
- Sie eignen sich für Hintergrunddienste, Videowiedergabe und Browsing
- Tests zeigen eine spürbare Verlängerung der Akkulaufzeit unter Alltagslast
Die Technik funktioniert in der Praxis so gut, dass AMD offenbar nachzieht.
Intel führte die ersten dedizierten Low-Power-Kerne bereits mit Meteor Lake (Core Ultra 100) Anfang 2024 ein. Damals waren es nur zwei LPE-Kerne auf einer separaten „Low Power Island“ im SoC. Bei Panther Lake (geplant für 2025) wächst die Zahl auf vier LPE-Kerne, und sie sind enger mit den restlichen Komponenten verzahnt. Notebooks mit Meteor Lake erreichten unter Office-Last Laufzeiten von über 15 Stunden, rund 25 Prozent mehr als das Vorgängermodell mit Raptor Lake.
Was bringt das für Gaming-Laptops?
Gamer profitieren vor allem abseits des Zockens. Wer unterwegs surft, Streams schaut oder Dokumente bearbeitet, bekommt mehr Laufzeit aus dem Akku.
- Weniger Wärmeentwicklung erlaubt dünnere Gehäuse und leisere Lüfter
- Unter Volllast springen die großen Performance-Kerne ein
- Die Gesamteffizienz des Chips steigt merklich
Einige Hersteller könnten dadurch auf aktive Kühlung für leichte Aufgaben komplett verzichten.
Konkret bedeutet das: Ein Gaming-Notebook mit Zen 6 könnte im Surf-Betrieb 10 bis 12 Stunden durchhalten, statt wie bisher 6 bis 8. Die LPE-Kerne laufen dann mit weniger als 1 Watt pro Kern, während ein einzelner Performance-Kern selbst im Leerlauf 3 bis 5 Watt zieht. Dünne 14-Zoll-Gaming-Modelle wie das ASUS ROG Zephyrus G14 oder das Razer Blade 14 würden besonders profitieren, da sie oft an die Grenzen des Wärmemanagements stoßen.
Vorgänger und Entwicklung der Zen-Architektur
AMD hat mit jeder Zen-Generation die Effizienz verbessert, aber keine separaten Low-Power-Kerne eingebaut. Zen 5 (2024) steigerte die IPC um 16 Prozent bei gleichem Takt, die Leerlaufleistung blieb jedoch hoch. Die neuen LPE-Kerne für Zen 6 sind ein fundamentaler Architekturwechsel.
- Zen 1 (2017): Erste Architektur nach Bulldozer, Fokus auf Multi-Thread-Leistung
- Zen 2 (2019): Chiplet-Design, bessere Energieeffizienz, 7nm von TSMC
- Zen 3 (2020): Unified CCX, IPC-Sprung von 19%
- Zen 4 (2022): 5nm, integrierte RDNA-2-Grafik, aber kein Low-Power-Modus getrennt
- Zen 5 (2024): 4nm/3nm, 16% IPC, weiterhin homogene Kerne
Erst mit Zen 6 setzt AMD auf eine hybride Architektur, ähnlich wie Intel seit Alder Lake (2021) mit P- und E-Kernen. Die Fertigung soll bei TSMC auf dem N3E-Prozess (3nm) stattfinden, was die Transistordichte um 30 Prozent erhöht und Leckströme senkt.
Der Wettbewerb bleibt spannend
Intel hat mit den LPE-Kernen von Panther Lake die Messlatte gelegt. AMD antwortet nun mit einem eigenen Ansatz für Zen 6. Wann die ersten Notebooks mit den neuen Cores erscheinen, ist noch offen, die Richtung ist aber klar: mehr Laufzeit ohne Leistungseinbußen.
Intels Panther Lake erscheint voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2025, AMDs Zen 6 folgt frühestens 2026. Dazwischen drängen ARM-basierte Konkurrenten wie Qualcomm Snapdragon X Elite (ebenfalls mit dedizierten Effizienzkernen) in den Notebook-Markt und erzielen unter leichter Last Laufzeiten von 18 bis 20 Stunden. AMD und Intel müssen aufholen, wenn sie im Ultrabook-Segment mithalten wollen.