Preisschraube an der Quelle
Laut einem Bericht von PCGamer plant AMD offenbar, die Preise für seine GPU- und VRAM-Bündel an die Grafikkartenhersteller anzuheben. Eine offizielle Bestätigung des Chipherstellers liegt bislang nicht vor, die Gerüchteküche brodelt jedoch gewaltig.
Der Schritt würde bedeuten, dass Hersteller wie ASUS, MSI oder Sapphire mehr für ihre Kernkomponenten zahlen müssen. Diese Mehrkosten geben sie in der Regel direkt an die Endkunden weiter.
AMDs Preishistorie: Wiederholung eines Musters?
AMD hat in der Vergangenheit bereits mehrfach die Bündelpreise erhöht. Bei der Einführung der Radeon RX 7000-Serie im Dezember 2022 lag die UVP der RX 7900 XTX bei 999 US-Dollar. Ein Jahr später kostete das gleiche Modell im Handel durchschnittlich 1.100 US-Dollar. Die RX 7900 XT stieg von 899 auf 960 US-Dollar.
Ähnliche Anpassungen gab es während des Krypto-Mining-Booms 2021, als die RX 6000-Serie (Big Navi) zeitweise das Doppelte der UVP kostete. Damals reagierte AMD mit höheren Abgabepreisen, um die Lieferkette zu stabilisieren. Diesmal treibt nicht Mining, sondern KI die Knappheit.
Warum jetzt? „AI, you've struck again“
Die Überschrift des Ursprungsartikels macht es deutlich: Künstliche Intelligenz treibt die Nachfrage nach Rechenleistung und Speicher in nie dagewesene Höhen. KI-Training und -Inferenz verschlingen Unmengen an GPUs und schnellem VRAM.
AMD sitzt hier an einer Schlüsselstelle, die eigenen Chips und der von der Firma SK hynix bezogene Speicher werden weltweit gebraucht. Eine Anpassung der Bündelpreise ist aus Sicht des Konzerns betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, trifft aber die Gaming-Community hart.
SK hynix und die VRAM-Knappheit
Der in AMDs Grafikkarten verbaute GDDR6-Speicher kommt größtenteils von SK hynix, aber auch von Samsung und Micron. SK hynix hat seine Produktionskapazitäten massiv auf HBM3-Speicher umgestellt, der für Nvidias KI-Beschleuniger wie den H100 und B200 benötigt wird.
Laut Branchenberichten stieg der Preis für GDDR6-Chips im Jahr 2024 um 15 bis 20 Prozent. SK hynix erzielte mit HBM3 allein einen Umsatz von über 20 Milliarden US-Dollar. Für AMD bedeutet das: Die VRAM-Komponente in einem 16-GB-Bündel wird deutlich teurer. Die RX 7800 XT mit 16 GB VRAM (UVP 499 US-Dollar) ist bereits heute kaum unter 550 US-Dollar zu finden.
Was das für Gamer bedeutet
- Besonders betroffen sind Modelle mit 16 GB VRAM oder mehr, wie die Radeon RX 7000- und RX 9000-Serie.
- Auch kommende Karten der nächsten Generation, die auf riesige Speichermengen setzen, könnten von Anfang an teurer sein.
- Wer jetzt eine Grafikkarte kaufen will, sollte Preise genau beobachten, ein Anstieg in den nächsten Wochen ist wahrscheinlich.
Der Markt für Grafikkarten war zuletzt ohnehin angespannt, auch weil Nvidia ebenfalls mit Lieferengpässen und hohen Preisen kämpft. AMD scheint die Gunst der Stunde zu nutzen, oder muss sie nutzen, um bei KI-Kunden nicht den Anschluss zu verlieren.
Board-Partner in der Zange
Die Hersteller der Endkarten haben kaum Spielraum. Sapphire als reiner AMD-Partner erzielt im Schnitt eine Bruttomarge von nur 8 bis 12 Prozent. ASUS und MSI verteilen ihre Fertigung auf Nvidia- und AMD-Produkte, doch bei AMD-Karten sind die Margen traditionell niedriger.
In der Vergangenheit führten Preiserhöhungen bei AMD dazu, dass Board-Partner die Aufschläge zeitverzögert weitergaben, oft erst nach 3 bis 6 Monaten. Dieses Mal könnte es schneller gehen, weil die Lagerbestände ohnehin niedrig sind. Die RX 7600 XT (16 GB) lag im Mai 2025 bei 349 US-Dollar, inzwischen sind es 379 US-Dollar.
Vergleich mit Nvidia und Marktaussichten
Nvidia hat auf die KI-Nachfrage mit eigenen Preisanhebungen reagiert. Die RTX 4070 Super (12 GB) startete 2024 bei 599 US-Dollar, wurde aber innerhalb eines Jahres auf 649 US-Dollar angehoben. Die RTX 4090 (24 GB) ist nach wie vor knapp und kostet häufig über 2.000 US-Dollar.
Im Gegensatz zu AMD liefert Nvidia seine GPUs bevorzugt an KI-Rechenzentren, was die Verfügbarkeit für Gamer drückt. AMD hätte hier preislich eine Nische besetzen können, doch die anstehende Erhöhung untergräbt diesen Vorteil. Laut Marktforschern von Jon Peddie Research stiegen die durchschnittlichen GPU-Verkaufspreise 2024 um 8 Prozent, 2025 könnte der Anstieg doppelt so hoch ausfallen.
Keine offiziellen Zahlen, aber ein klares Signal
PCGamer spricht von „reportedly“, es handelt sich also um ein Gerücht, keine bestätigte Preisliste. Dennoch ist die Richtung eindeutig. Branchenkenner erwarten, dass die Erhöhung im zweiten Halbjahr 2026 bei Endverbraucher-Grafikkarten sichtbar wird.
Wer auf eine günstige Radeon RX 7800 XT oder RX 8800 XT gehofft hat, sollte vielleicht nicht zu lange zögern. Die Zeichen stehen auf Sturm, und der Regen aus höheren Preisen könnte früher fallen als gedacht.