Expansion mit klarem Fokus
Die Call of Duty League will international wachsen. Der General Manager der CDL gab in einem Interview mit Dot Esports bekannt, dass Lateinamerika und Europa die ersten Zielregionen sind. Allerdings hängt die Umsetzung direkt von den Gastgeberteams (Host Teams) ab.
Das bedeutet: Ohne lokale Organisationen, die als Gastgeber fungieren, wird es keine Events geben. Die Liga setzt auf eine dezentrale Struktur, statt zentralisierte Turniere in den USA zu forcieren.
Was „Host Teams“ bedeuten
In der CDL sind die Franchise-Teams bereits an bestimmte Städte gebunden. Für internationale Events bräuchte es jedoch zusätzliche Partner oder bestehende Teams, die vor Ort ein Turnier ausrichten, ähnlich der „Homestand“-Serie aus früheren Jahren.
- Latam: Region mit wachsender Call of Duty-Fangemeinde, aber wenigen etablierten Organisationen.
- Europa: Hier gibt es bereits starke Teams wie Toronto Ultra (Nordamerika) oder London Royal Ravens, aber keine festen Gastgeber in Kontinentaleuropa.
Der Manager betonte, dass die Auswahl der Städte und Länder von den Interessenten abhängt, nicht von der Liga allein.
Keine fertigen Pläne, aber eine Richtung
Konkrete Termine, Ligen oder Turnierformate nannte der General Manager nicht. Stattdessen skizzierte er eine strategische Priorität: Zuerst die Regionen erschließen, in denen sich bereits eine Community gebildet hat.
Die Aussage „Latin America and Europe first“ ist daher eher ein Signal an potenzielle Investoren als eine feste Roadmap. Ob 2026 oder 2027 erste Events stattfinden, bleibt offen.
Die CDL bewegt sich damit weg von rein US-zentrierten Wettkämpfen, aber nur, wenn die Teams vor Ort mitmachen.
Die Wurzeln der Liga: Von der CWL zur CDL
Die Call of Duty League startete 2020 als Nachfolger der Call of Duty World League (CWL). Die CWL existierte seit 2013 unter der Regie von Activision und umfasste offene Turniere in Europa, Nordamerika und Asien.
- Die CWL bot 2019 Preisgelder von über 6 Millionen US-Dollar, gespielt wurde auf PC und Konsole.
- Die CDL führte 2020 ein Franchise-Modell mit 12 Teams ein. Jeder Franchise-Nehmer zahlte eine Einstiegsgebühr von rund 25 Millionen US-Dollar.
Der Umstieg war umstritten: Statt offener Qualifikation gab es feste Startplätze, viele kleinere Organisationen verschwanden. Die Homestand-Wochenenden vor Ort in den USA scheiterten während der Pandemie, die Liga spielte zwei Jahre lang online.
Frühere internationale Events: Was schon einmal funktionierte
Die CWL veranstaltete regelmäßig Events außerhalb der USA. Beispiele:
- CWL Birmingham (2018, 2019) mit über 10.000 Besuchern.
- CWL Paris (2019) als Major-Turnier mit 200.000 US-Dollar Preisgeld.
- CWL Sydney (2019) mit Teilnehmern aus Asien und Ozeanien.
Die CDL hingegen hatte bislang nur ein einziges internationales Live-Event: Das CDL Major 2022 in Madrid, ausgerichtet von der spanischen Organisation Heretics. Der Zuschauer-Peak lag bei 150.000 auf Twitch, unter dem Durchschnitt der CWL-Jahre mit bis zu 250.000 Zuschauern.
Aktuell sind nur zwei der zwölf CDL-Franchises außerhalb der USA beheimatet: London Royal Ravens und Toronto Ultra. Teams wie Heretics (Madrid) oder LAG (Los Angeles) sind reine US-Standorte.
Branchenkontext: Andere Ligen machen es vor
Die Overwatch League, ebenfalls von Activision Blizzard, startete 2018 mit einem ähnlichen Franchise-Modell. Sie expandierte nach China und Südkorea, scheiterte jedoch an hohen Kosten und schrumpfte 2023 auf ein reines Online-Event.
Erfolgreicher ist die Valorant Champions Tour (Riot Games). Sie setzt auf offene Qualifikation und regionale Ligen in Europa, Asien und Amerika. 2024 fand das Masters-Event in Madrid statt, das Champions-Finale in Seoul. Keine Franchise-Gebühren, flexible Host-Städte.
Die League of Legends World Championship tourt seit Jahren durch Europa, Asien und Nordamerika. 2024 wird das Finale in London ausgetragen, 2025 in Südkorea. Riot Games finanziert die Events selbst und kooperiert mit lokalen Partnern.
Die CDL steht daher unter Druck: Die Zuschauerzahlen sinken (2023 durchschnittlich 80.000 auf Twitch, 20 % weniger als 2022), Sponsoren wie Bawls und Scuf zogen sich zurück. Eine internationale Expansion könnte neue Einnahmequellen erschließen, erfordert aber Investitionen der Host-Teams.
Was die Regionen bieten
Lateinamerika hat eine aktive Call of Duty-Community, der Streamer El Rubius und Team Leviatán (Chile) ziehen regelmäßig hohe Zuschauerzahlen. Allerdings fehlen große E-Sport-Organisationen mit Kapital. Europa besitzt dagegen etablierte Strukturen: Team Heretics, Fnatic, G2 haben Call-of-Duty-Abteilungen, aber keine CDL-Franchise. Der ehemalige CWL-Champion Vitality (Frankreich) zog sich 2021 aus der Szene zurück.
Falls Host-Teams gefunden werden, könnte die CDL auf bereits bestehende Turnierorte zurückgreifen, etwa die MBS Arena in Potsdam oder die Paris Games Week. Die Liga müsste jedoch die Reisekosten der US-Teams (12 Spieler plus Staff pro Team) decken. Erfahrungen aus der CWL zeigen, dass ein internationales Event rund 500.000 Euro an lokalen Kosten verursacht.