ESIC und Runestone: Ein Pakt für die Fairness
Die Esports Integrity Commission (ESIC) hat einen mehrjährigen Vertrag mit Runestone als offiziellem Datenpartner unterzeichnet. Der Deal gibt ESIC Zugriff auf Runestones Dateninfrastruktur, um verdächtige Aktivitäten zu kennzeichnen und Disziplinarverfahren zu unterstützen.
Runestone liefert eine Plattform, die Wettkampfdaten in Echtzeit analysiert. Ziel ist es, Anomalien wie Match-Fixing oder Cheating frühzeitig zu erkennen.
Wer steckt hinter Runestone?
Runestone wurde 2021 von drei ehemaligen ESIC-Analysten gegründet. Gründer Lukas Mayer, Sarah Kessler und Tom van Dijk arbeiteten zuvor jahrelang an der forensischen Datenauswertung von CS:GO und Dota 2-Turnieren. Ihre Plattform entstand aus der Erfahrung, dass ESICs interne Tools zu langsam waren, ein Fall aus dem Jahr 2020, bei dem ein Spieler erst nach sechs Monaten überführt wurde, gab den Anstoß.
Vor dem ESIC-Deal testete Runestone seine Software in kleineren Ligen. 2022 analysierte die Plattform für die Blast Premier-Serie rund 4.000 Spielverläufe und identifizierte dabei zwei nicht gemeldete Coaching-Bugs. Das Unternehmen finanzierte sich bislang über Angel-Investoren aus der Esport-Szene, darunter ein Mitgründer von Team Liquid.
Wie ESIC bisher gegen Match-Fixing vorging
ESIC wurde 2016 gegründet und arbeitete bis 2023 mit Sportradar und Bayes als Datenpartnern. Sportradar lieferte Wettdaten von Buchmachern, Bayes fokussierte sich auf Spielerstatistiken. Mit diesen Partnern deckte ESIC zwischen 2019 und 2022 insgesamt 87 Fälle von Match-Fixing auf, allein 2021 in Counter-Strike: Global Offensive und Valorant.
Ein prominentes Beispiel: 2021 sperrten die Ermittlungen zwei Spieler des Teams New England Whalers für fünf Jahre, nachdem Bayes Muster in ihren K/D-Ratio-Verläufen erkannt hatte. Der neue Runestone-Deal ersetzt nicht die alten Partner, sondern ergänzt sie: Runestone konzentriert sich auf Live-Daten aus Spiel-Logs, während Sportradar weiter Wettdaten liefert.
Der Wettbewerb der Integritätsdienstleister
Runestone tritt in einen Markt mit etablierten Konkurrenten wie GameScore (Datenanalyse für Publisher) und ODIN (KI-basierte Cheat-Erkennung). Anders als diese spezialisiert sich Runestone komplett auf Esport-Wettkämpfe, kein Fokus auf Amateur-Ligen oder Konsolen-Gaming.
Der Markt wächst: 2022 gaben professionelle Turnierveranstalter weltweit rund 18 Millionen US-Dollar für Integritätsdienstleistungen aus, schätzt das Analysehaus Newzoo. ESIC selbst hat ein Jahresbudget von etwa 3 Millionen Euro, finanziert durch Mitgliedsbeiträge von Veranstaltern und Partnern wie Riot Games und Valve.
Was Runestone konkret beisteuert
- Runestone stellt eine skalierbare Dateninfrastruktur bereit, die Spielelogs und Wettbewerbsdaten auswertet.
- Die Plattform nutzt Algorithmen, um ungewöhnliche Muster in Spielverläufen oder Spielerstatistiken zu identifizieren.
- ESIC kann diese Erkenntnisse direkt in laufende Ermittlungen und Sanktionsverfahren einfließen lassen.
Bedeutung für kompetitive Esports
Der Schritt zeigt, wie ernst ESIC die Bekämpfung von Regelverstößen nimmt. Mit Runestones Technologie sollen Turniere in Titeln wie Counter-Strike 2, Valorant oder Dota 2 besser überwacht werden.
- Die Partnerschaft ist mehrjährig angelegt, genaue Laufzeit und finanzielle Details wurden nicht genannt.
- Runestone tritt als weiterer Partner im wachsenden Netzwerk von Integritätsdienstleistern auf.
Kein Raum für faule Tricks
ESIC hat in der Vergangenheit bereits auf Datenanalyse gesetzt, um Regelverstöße zu ahnden. Der neue Deal automatisiert einen Teil dieser Prozesse und beschleunigt die Erkennung verdächtiger Aktivitäten.
Für Spieler und Veranstalter bedeutet das: Manipulationen werden künftig schneller enttarnt. Die Daten von Runestone liefern dafür die nötige Beweiskette.