Ein neuer Bericht aus Taipei
Auf der Computex 2026 in Taipeh haben sich Gerüchte verdichtet: Die RDNA-5-Generation von AMD lässt sich wohl noch mehrere Jahre Zeit. Einem aktuellen Report von PCGamer zufolge nennen Grafikkartenhersteller einen Zeitraum von Ende 2027 bis sogar Anfang 2028.
AMDs Grafikarchitekturen haben eine klare Linie: Nach der GCN-Ära (2012–2018) kam RDNA 1 im Juli 2019 mit der RX 5000-Serie auf 7nm. Es folgte RDNA 2 im Oktober 2020, Basis für PlayStation 5, Xbox Series X und die RX 6000-Serie mit bis zu 80 Compute Units. RDNA 3 startete im Dezember 2022 als erster Chiplet-Grafikchip (GCD+MCD) auf 5nm und erreichte Taktraten über 2,5 GHz. Die aktuelle RDNA 4 (RX 8000-Serie) erschien im Frühjahr 2025 auf einem verbesserten 4nm-Prozess, fokussiert auf effizienteres Raytracing. Der Abstand zwischen den Generationen betrug bisher stets zwei Jahre, der Sprung auf vier Jahre wäre ungewöhnlich, aber kein Präzedenzfall: Zwischen GCN und RDNA lagen ebenfalls drei Jahre.
Die Quelle der Information sind Gespräche mit Boardpartnern auf der Messe. Eine offizielle Bestätigung von AMD gibt es bislang nicht, das sind klassische Branchengerüchte, die man mit Vorsicht genießen sollte.
Bereits im Februar 2024 kolportierte der Leaker „Kepler_L2“, dass RDNA 5 auf einen „3nm-ähnlichen“ Knoten von TSMC setze und die Architektur komplett neu aufgesetzt werde, kein Incremental-Update. Die aktuellen Berichte aus Taipei stützen diese These: Ein massiver Architektursprung erfordert mehr Entwicklungszeit.
Was von den Grafikkartenherstellern zu hören war
- Demnach planen AMDs Partner ihre Produkt-Roadmaps aktuell ohne RDNA 5 in den Jahren 2026 oder 2027.
- Die Chips sollen erst nach der RDNA-4-Generation kommen, die bereits auf dem Markt ist und die RX-8000-Serie antreibt.
- Der späte Launch bedeute, dass AMD länger an Treibern, Leistung und Effizienz feilen kann, daher der Kommentar "the later the better".
Die RX-8000-Serie (z.B. RX 8800 XT) erreicht in aktuellen Benchmarks etwa die Raytracing-Leistung der RTX 4070 Ti Super bei circa 20 Prozent niedrigerem Preis. Allerdings bleibt die Rasterisierung nahezu gleich zur RX 7900 XT. AMD setzt hier auf ein ausgereiftes, aber nicht revolutionäres Design. Ein späterer RDNA-5-Start gäbe dem Team die Chance, die zwei größten Kritikpunkte der RX-7000-Serie zu korrigieren: den hohen Stromverbrauch der RX 7900 XTX (355 Watt im 4K-Gaming) und die mäßige Raytracing-Beschleunigung.
Heißt: Kein Kurzschritt von RDNA 4 zu RDNA 5, sondern ein richtiger Sprung mit Luft nach oben.
Boardpartner wie ASUS, MSI oder Sapphire äußern sich auf der Computex vorsichtig optimistisch. Ein Produktmanager von PowerColor sagte gegenüber WCCFTech: „Wir hoffen auf 2027, aber die Lieferketten für neue Fertigungsknoten sind noch nicht final.“ TSMCs N3E (3nm) läuft seit Ende 2024 in hohen Stückzahlen, N2 (2nm) ist für 2026 geplant. RDNA 5 könnte auf N2 setzen, was eine Steigerung der Transistordichte um rund 30 Prozent gegenüber N3E bedeuten würde.
Warum später besser sein könnte
Ein späterer Release ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. AMD hätte dann mehr Zeit, um auf die Konkurrenz zu reagieren, vor allem auf Nvidias nächste Architekturen wie Blackwell und die danach folgende Rubin-Generation.
Nvidia plant Blackwell (RTX 50-Serie) für 2025 auf 4nm, mit bis zu 184 SM-Clustern und GDDR7-Speicher. Rubin soll 2027 auf 3nm kommen und erstmals einen Chiplet-Ansatz mit separatem Speicher-Interface nutzen. Wenn AMD RDNA 5 erst 2028 bringt, träfe es auf Rubin oder sogar auf die darauffolgende Vera-Generation. Das Risiko: AMD verliert weiter Marktanteile, die seit 2020 von rund 25 Prozent auf unter 15 Prozent gefallen sind (Quelle: Jon Peddie Research, Q1 2025).
- Längere Entwicklungszeit bedeutet stabilere Treiber und bessere Ausbeute bei der Fertigung.
- Spätere Fertigungsknoten (vermutlich 3nm oder 2nm) könnten die Effizienz drastisch steigern.
- Spiele wie Crysis 4 oder GTA 6 (PC-Release frühestens 2027) wären dann top optimiert.
AMD könnte zudem auf die UDNA-Roadmap schalten, eine Vereinheitlichung von RDNA (Gaming) und CDNA (Rechnen), die Gerüchten zufolge 2026 vorgestellt werden soll. UDNA würde sämtliche Shader- und Cache-Strukturen neu ordnen, um sowohl Spiele- als auch KI-Workloads effizienter zu bedienen. Ein RDNA-5-Release 2028 könnte die erste UDNA-Generation sein.
Der Verzicht auf einen schnellen Release könnte AMD helfen, die Fehler der RX 7000er-Serie (lauter, heiß, teuer) zu vermeiden.
Konkret: Die RX 7900 XTX benötigte im Standard-Betrieb 355 Watt, übertaktet bis zu 420 Watt, bei vergleichbarer Rasterleistung wie eine RTX 4080 (320 Watt). Die Hotspot-Temperatur erreichte oft 95 Grad Celsius. RDNA 4 senkte die Verlustleistung um etwa 15 Prozent bei gleicher Taktrate. RDNA 5 auf N2 könnte diese Werte halbieren oder die Leistung bei gleichem Stromverbrauch verdoppeln.
Was das für Gamer jetzt bedeutet
Wer 2026 oder Anfang 2027 neue Rechenpower braucht, muss entweder zur aktuellen RDNA-4-Generation greifen oder auf Nvidias RTX 50-Serie setzen. Ein Upgrade auf RDNA 5 lohnt sich dann frühestens 2028.
Die RX-8000-Serie bietet aktuell die beste Preis-Leistung im Midrange-Segment (300-600 Euro), verliert aber bei Raytracing und KI-Beschleunigung deutlich gegen Nvidias RTX 50-Serie. Auf der Computex zeigte AMD eine FSR 4.0-Demo, die erstmals neuronale Netzwerke nutzt, aber nur auf RDNA-4-Hardware läuft. RDNA 5 würde diese Technik in die nächste Stufe heben.
Für Retro-Fans und Pixeljäger ist das ohnehin egal, Duke Nukem Forever lief auch auf alter Hardware. Für alle anderen: Der Aufschub ist ein klares Signal, dass AMD auf Nummer sicher geht. Lieber in zwei Jahren richtig gut, als heute mittelmäßig.