Atari und Universal: Ein Pakt für Retro-Kino
Atari hat einen Vertrag mit Universal über die Verfilmung von zehn Spielen aus seinem Katalog unterschrieben. Pong, Breakout und Centipede stehen ganz oben auf der Liste. Ja, Pong, der leere Bildschirm mit zwei Strichen und einem Punkt, soll Kinogeschichte schreiben.
Die Rückkehr eines Pioniers
Atari wurde 1972 gegründet und prägte die frühe Heimvideospiel-Ära mit der Atari 2600. Nach dem Videospiel-Crash 1983 und mehreren Besitzerwechseln, von Warner Communications über Jack Tramiel bis zum französischen Publisher Infogrames, operiert das Unternehmen heute als Atari SA. Seit der Übernahme durch den Investor Wade Rosen 2021 setzt Atari auf eine Retro-Offensive: Der Kauf von Nightdive Studios (Spezialist für Remaster alter Spiele) und die Veröffentlichung der Atari 50-Kollektion (2022) brachten Millionenverkäufe. Der Filmdeal ist Teil dieser Strategie, die alten Marken wieder in den Mainstream zu heben.
Welche Spiele sind noch dabei?
Details zu den restlichen sieben Titeln gibt es noch nicht. Die Ankündigung der ersten drei lässt aber Raum für Spekulationen:
- Pong: Der Urvater aller Videospiele als 90-Minuten-Drama
- Breakout: Ziegelsteine treffen auf Hollywood-Blockbuster-Logik
- Centipede: Ein Tausendfüßler auf der Jagd nach Pilzen (klingt nach Horror)
Die begleitende Zusammenfassung des Berichts deutet an: 90 Minuten Liam Neeson, der Löcher in Ziegelmauern schlägt. Ob das eine Anspielung auf Breakout ist oder schlicht das Konzept des Projekts karikiert, bleibt abzuwarten.
Universal und der Spielefilm-Boom
Universal Pictures hat mit The Super Mario Bros. Movie (2023, Illumination) über 1,3 Milliarden Dollar eingespielt. Auch Five Nights at Freddy’s (2023, Blumhouse) spielte bei einem Budget von 20 Millionen knapp 300 Millionen ein. Der Studio-Konzern NBCUniversal besitzt zudem mit DreamWorks Animation und Focus Features weitere Verwertungswege. Ataris zehn Filme sind jedoch eine ungewöhnliche Wette: Während Mario oder Freddy auf etablierte Figuren setzen, müssen Pong und Breakout ihre Narrativ-Struktur komplett neu erfinden. Vergleichbare Risiken gingen Studios bisher nur selten ein, etwa Tron (1982) oder The Wizard (1989), die aber auf Arcade-Ästhetik statt auf abstrakte Mechaniken bauten.
Retro-Klassiker als Kino-Experiment
Spiele wie Pong bieten keine klassische Story. Eine Handlung müsste komplett neu erfunden werden. Universal steht vor der Aufgabe, aus simplen Spielmechaniken fesselnde Filmwelten zu formen.
Ataris aktuelle Strategie: Kollektionen und Hardware
Neben dem Filmdeal verfolgt Atari konkrete Produktlinien. Die Atari VCS (2018), eine Konsole im Retro-Design für moderne Spiele und Streaming, verkaufte sich mit rund 10.000 Einheiten in den ersten Monaten schwach. Erfolgreicher läuft die Atari Recharged-Serie: Seit 2021 erscheinen Neuinterpretationen von Klassikern wie Asteroids, Missile Command und Yars‘ Revenge für PC und Konsolen. Diese Spiele kosten um die 10 Euro und erzielen auf Plattformen wie Steam regelmäßig positive Bewertungen. Der Filmdeal könnte die Verkäufe dieser Titel steigern, ein Modell, das Sonic the Hedgehog bereits vorgemacht hat: Der erste Sonic-Film (2020) trieb die Umsätze der alten Sega-Spiele in die Höhe.
Was das für die Zukunft bedeutet
Der Deal ist ein weiterer Schritt in der Retro-Welle, die seit Jahren die Popkultur erfasst. Atari will seine alten Marken wiederbeleben. Ob die Filme das Interesse an den Spielen selbst steigern oder nur als Merchandise-Fahrzeug dienen, wird sich zeigen. Immerhin: Centipede als Horrorfilm klingt tatsächlich vielversprechend.