Der schlimmste Albtraum wird real
Die Welt steht kurz vor dem Ende, doch der Chef verlangt Pünktlichkeit. In Aktenhölle, dem dritten Spiel des Leipziger Studios Frostbitter Games, verschwimmen die Grenzen zwischen einer nahenden Apokalypse und dem grauen Alltag eines Büroangestellten.
Eure Aufgabe ist simpel und doch erschreckend: Ihr müsst trotz des Chaos um euch herum eure Aufgaben erledigen. Die Aktenhölle wartet geduldig auf eure Bearbeitung, egal was draußen geschieht.
Vom Prototyp zum digitalen Büro-Albtraum
Gegründet wurde Frostbitter Games 2018 von zwei ehemaligen Daedalic-Angestellten. Ihr Debüt Flurnacht (2021), ein 2D-Horror-Titel in einem sächsischen Dorf, verkaufte sich laut SteamSpy-Daten zwischen 50.000 und 80.000 Mal. Das zweite Spiel Turmstille (2023) spielte in einem einzigen Leuchtturm und erreichte rund 30.000 Verkäufe.
Mit Aktenhölle verlässt das Team den klassischen Horror-Pfad und kombiniert ihn mit Bürosimulation. Acht Personen entwickeln seit zwei Jahren daran, das Budget beträgt 400.000 Euro. 250.000 Euro davon stammen aus der Games-Förderung des Bundes.
Was euch in der Aktenhölle erwartet
Das Spiel nutzt die Ängste vor dem modernen Arbeitsleben und treibt sie auf die Spitze. Hier sind die Details, die euch den Schweiß auf die Stirn treiben:
- Ein ständiger Wettlauf gegen die Uhr, während die Welt außerhalb der Bürowände kollabiert.
- Die ständige Präsenz von Papierkram, der scheinbar niemals endet.
- Eine Atmosphäre, die den klassischen Büro-Horror durch das Szenario des Weltuntergangs verstärkt.
- Die Konfrontation mit den eigenen beruflichen Albträumen in einer feindseligen Umgebung.
Die Entwickler setzen auf ein Burnout-System, das Erschöpfung sichtbar macht. Lässt man die Akten liegen, sinkt die Motivation der Kollegen und die Katastrophe draußen wächst. Laut Design-Dokument gibt es drei Enden, je nachdem, wie viele Ordner am Tag bearbeitet wurden.
Ein Spiel, das den Alltag verzerrt
Die Mechaniken konzentrieren sich auf den Kontrast zwischen drohendem Untergang und der banal wirkenden Pflicht zur Arbeit. Es gibt keinen Ausweg, außer die vorliegenden Akten abzuarbeiten.
Spieler erleben hier eine direkte Umsetzung der Idee, dass manche Verpflichtungen selbst vor dem Weltuntergang keinen Halt machen. Die Stimmung ist durch die Absurdität der Situation geprägt.
Woher die Idee kommt
Als Inspiration nennt Lead-Designerin Mara Schneider nicht Horror-Klassiker, sondern den US-Film Office Space von 1999. Eine Szene, in der Angestellte bei eingestürzter Technik weiterarbeiten, sei der Ausgangspunkt gewesen. „Uns ging es darum, dass man die Scham spürt, wenn man den Haufen nicht schafft“, sagte sie dem Branchenmagazin GamesWirtschaft.
Im Branchenvergleich steht Aktenhölle in einer Reihe mit Papers, Please (2013) und Beholder (2016). Beide Spiele stellen eintönige Routinen in ein politisches Panoptikum, aber keiner zwingt den Spieler in eine so private Gefühlslage. Not Tonight (2018) übernimmt die Rolle eines Türstehers im Brexit-Chaos, das Spiel blieb jedoch in der System-Satire stecken.
Keine Flucht möglich
Die Entwickler konzentrieren sich darauf, die beklemmende Enge eines Büros mit der totalen Vernichtung zu kombinieren. Ihr seid in einem Raum gefangen, in dem die Prioritäten völlig verschoben wirken.
Der Bildschirm füllt sich mit Dokumenten, während draußen der Himmel brennt. Wer glaubte, Home-Office sei schlimm, wird hier eines Besseren belehrt.
Zahlen und Ausblick
Das Projekt wird auf Steam als Aktenhölle: Im Feierabend gelistet. Eine Demo soll zur Gamescom 2025 spielbar sein, Push-up Entertainment übernimmt den Vertrieb. Der Preis für die Vollversion liegt bei 19,99 Euro, zwei Erweiterungen sind angekündigt. Laut Steam-Seite dauert ein perfekter Arbeitstag 18 Minuten, ein durchschnittlicher Tod durch Erschöpfung tritt nach 42 Minuten ein.